Sat.1 zeigt's allen: aber was? Dass es für die deutschen Film- und Fernsehschaffenden noch eine vierte Möglichkeit gibt, uns mit dröhnendem Aufwand zu beweisen, dass wir die jüngste Vergangenheit ohne einen unfair bedrängenden Bezug zur Realität zu bewältigen vermögen (um die einschlägige Formel nicht zu vermeiden): neben Professor Knopps hochtouriger Video-Disko-Fabrik, Eichingers schwülstig-humaner Aufbretzelung des mörderischen Nichts, Breloers Mythisierung im Dokudrama, das stets von sachter Verlogenheit umschwebt i st, nun also die vierte, die Sat.1-Version im Zwei-Folgen-Film Die Luftbrücke, der uns lehrt, dass die Glorie der Ufa, der Tobis, aber auch der Defa keineswegs ein für alle Mal dahin ist.

Selten wurde, seit Doktor Goebbels' Großregie im deutschen Film, so heroisch gestorben, wie es Hennig Baum als dem Piloten eines abgestürzten Rosinenbombers gelingt, wenige Wochen ehe er der Frisöse Leni Genthin (alias Katharina Wackernagel) als Kriegsbraut das höchste Glück jener Tage bescheren kann: die amerikanische Heirat. Überhaupt erfahren wir aufs Neue, dass ohne die tapfer zupackenden und adretten deutschen Mädels weder die eisige Arroganz der Sieger hätte dahinschmelzen, noch der schlimmste Hunger hätte gestillt werden, noch die Luftbrücke als geniale Wunderwaffe gegen die barbarische Blockade Westberlins hätte funktionieren können. Insofern sieht sich der Autor dieser Zeilen ermutigt, auf seinen lang gehegten Wunsch zu pochen, vor dem Reichstag ein Monument zu errichten, das Dem deutschen Fräulein gewidmet ist, denn es hat mehr für die Versöhnung mit den Besatzern geleistet als das gesamte Politiker-Corps.

Zum Beispiel hätte General Turner, der Organisator des gigantischen Versorgungsunternehmens für Berlin, ohne Luise, seine kongeniale Sekretärin, von Bettina Zimmermann leuchtenden Auges verkörpert, seine welthistorische Aufgabe kaum bewältigt. Heino Ferchals Turner ist ein sympathischer Akteur, nicht weniger Ulrich Tukur als General Clay, der freilich nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem brillanten Soldaten gewinnt: keine Spur von der feinen und zugleich so strengen Zeichnung des Römerkopfes aus dem amerikanischen Süden.

Der Regisseur Dror Zahavi hat konsequent auf das Engagement von Amerikanern verzichtet. Aber musste es sein, dass die Majorität seiner Schauspieler wirkt, als hätten sich die Sparkassendirektoren deutscher Mittelstädte zu ihrer Jahreshauptversammlung vereint? Sogar Harry Truman, dieses Energiebündel mit den hellwachen Augen, hat hier etwas Muffiges. Und dem großen Bürgermeister Ernst Reuter glaubt man in Gestalt von Burghart Klaußner weder den Professor noch das einstige Mitglied des Politbüros der KPD, ja nicht einmal den Krückstock und die Baskenmütze (während sein hold gelockter Adlatus Willy Brandt ein Forstadjunkt auf Stadturlaub sein könnte). Väterchen Stalin wiederum stakelt knickebeinig wie ein vergreister altrussischer Feudalherr durch den Kreml.

Nur Luises Ehemann alias Ulrich Noethen, der 1944 noch als Feldarzt in den Krieg ziehen musste, starrt nach der Heimkehr des Totgeglaubten melancholisch-markig und irgendwie treudeutsch in die Trümmer. Ihm sterben die Leute an Tuberkulose weg, und die Frau hat sich mit ihrem schneidigen Chef eingelassen, wofür ihr motzendes Söhnchen sie als Amihure schmähte.

Die Moral jedoch siegt: General Clay über den Defaitismus in Washington, der quirlige US-Präsident über den sinistren Sowjetdiktator, die deutsche Elendsehe über die strotzend amerikanische Männlichkeit (da der General edel verzichtet), ja der mütterliche Daseinsmut über die zeitübliche Lebensverachtung (da Bettina Zimmermann im letzten, allerletzten Moment von dem Schragen des Engelmachers aufspringt, entschlossen, den Amibalg auszutragen).

Man muss nach vorne schauen - wo immer vorn ist, bemerkt der Berliner Gemüsefritze gemütvoll: der beste Satz in den eher ärmlichen Texten, die man - nicht anders als die dürftigkorrekte Regie - UFA- und DEFA-gemäß nennen darf. Indes: Wir fühlen uns sittlich gestärkt, Sat.1 hat's uns mal wieder gezeigt (während sein Exstar Harald Schmidt im klinisch sauberen Intendanten-Fernsehen intellektuell leider verhungert ist).