Dossier Scharia, nein!
Die deutschen Türken müssen sich ändern
Leyla Sahin hat verloren. Am 10. November wies der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ihre Klage ab, mit der die 32-jährige Medizinstudentin feststellen lassen wollte, dass sie 1998 zu Unrecht von der Universität in Istanbul ausgeschlossen wurde, weil sie sich weigerte, ihr Kopftuch abzulegen.Seit Jahren versuchen Muslime mit Unterstützung ihrer Organisationen vor deutschen und anderen europäischen Gerichten, ihre Lebensweise durchzusetzen. Sie klagen gegen das Kopftuchverbot, gegen Teilnahme ihrer Töchter an Schwimmunterricht und Klassenreisen, fordern das religiöse Schächten ein. Auch in der Türkei, wo es seit 1925 verboten ist, in öffentlichen Gebäuden religiöse Kleidung zu tragen, versuchen die Religiösen die Trennung der Geschlechter und die Prinzipien der Scharia, des islamischen Rechts, Stück für Stück wieder im Alltag zu etablieren. Da die Verfassung der Türkei in diesem Punkt nicht zu ändern ist, es sei denn die Regierung wollte sich den Unmut der Europäer einhandeln, probierten die Religiösen es über den Umweg des Europäischen Gerichtshofs. Nichts wäre ihnen lieber gewesen, als wenn das Gericht das Kopftuchverbot an türkischen Universitäten gekippt hätte. Dann hätten sie die türkische Verfassung ändern können mit dem Hinweis: Europa verlangt es von uns.
Nun aber ist der Ärger groß, und Ministerpräsident Tayyip Erdog˘an ist entsprechend ungehalten. Am Rande einer Nato-Tagung Mitte November in Dänemark sagte er der Zeitung Hürriyet zu dem Urteil: »Das Gericht hat kein Recht, zu diesem Thema etwas zu sagen. Das steht nur der Ulema zu.«
Die Ulema, das ist der Rat der islamischen Rechtsschulen, der über die richtige Anwendung der Scharia wacht. Für Erdog˘an stehen die islamischen Rechtsgelehrten offenbar über dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Eine Trennung von Staat und Religion, ein Grundpfeiler der türkischen Republik, scheint es für Erdog˘an nicht zu geben. Der Weg der Türkei nach Europa könnte sich auch als Zug des unaufgeklärten Islams gegen die westliche Lebensweise entpuppen. Dabei hatte der Weg der Türken nach Europa vor 40 Jahren ganz anders begonnen.
Der Aufbruch von Anatolien über Istanbul nach Deutschland war für mich und für meine Familie – deren Schicksal in vieler Hinsicht ganz typisch für die türkische Entwicklung und den Migrationsprozess ist – der Weg vom Kollektiv des Familienclans zur Kleinfamilie, von der Vormundschaft in die Freiheit, von der Tradition in die Moderne, vom Sozialwesen zum Individuum. In den türkischen Städten, in denen die Industrie aufblühte, wuchs mit ihr auch das Bürgertum, das die neuen Freiheiten annahm und genoss. Gleichzeitig verfielen die ländlichen Strukturen, und allmählich begann eine Binnenmigration aus allen ländlichen Gebieten in die großen Städte, vornehmlich nach Istanbul. Auch meine Eltern folgten diesem Zug und zogen an den Bosporus.
Das erste Mal in ihrem Leben waren mein Vater und meine Mutter für sich selbst verantwortlich, entschied nicht die Großfamilie für sie. Meine Mutter, die noch verheiratet worden war, ohne gefragt zu werden, und die, wäre sie im Dorf geblieben, ihr Leben lang der Schwiegermutter hätte dienen müssen, war plötzlich auf sich selbst gestellt, musste allein einen Haushalt führen. Die Macht der Umstände machte aus ihr und den vielen Frauen, die auf ähnliche Weise in die Stadt kamen, selbstständige Frauen, die eher dem Vorbild von Doris Day und Jackie Kennedy nacheiferten.
Mein Vater ging als einer der ersten »Gastarbeiter« nach Deutschland. Er ging als Republikaner, als Anhänger Atatürks, er wollte die Chance des »Wirtschaftswunders« nutzen. Viele schlugen diesen individuellen Weg ein. Ihn zu gehen ist Voraussetzung für die Moderne, in der jeder Einzelne Rechte und Pflichten wahrnimmt, Verträge abschließt und nicht als Mitglied einer Gruppe, einer Familie auftritt. Nur wer in der Lage ist, Verantwortung für sich selbst und sein Handeln zu übernehmen, wird gesellschaftlich erfolgreich agieren, sich zurechtfinden können. Jene, die dies begriffen, haben Europa als Chance genutzt.
- Datum 24.11.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 24.11.2005 Nr.48
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Nun bin ich aber sehr erleichtert über das Angebot, mit Geld zu bezahlen, damit ich bloß aus Deutschland verschwinde.
Meine Frage zielte aber nicht darauf, dass ich weggehen will, sondern dass sie jetzt nach ihrer eigenen Logik weggehen müssten. Ich weiß auch nicht wohin, jedoch stellen sie sich diese Frage auch nicht, wenn sie andere Leute irgendwohin schicken wollen.
Sie haben sehr bemüht mir zu antworten, jedoch muss ich sagen, dass ihre Aussagen nach wie vor disqualifizierend sind. Mag sein, dass sie nicht die Möglichkeit hatten oder nicht die Möglichkeit genutzt haben, zu studieren. Doch dies ist kein Grund mich als Person mit meiner kulturellen Herkunft abzulehnen.
Ich habe, wie viele andere Deutsche auch das Recht, mir über Glauben und Religion Gedanken zu machen. Ich habe sogar das Recht, auch religiös zu sein. Doch ich will keine Christin sein. Ich will mir Gedanken zum Kopftuch machen und möchte es auch wissenschaftlich erforschen, um allen die Möglichkeit zu geben, sich darüber zu informieren.
Es ist auch von Bedeutung für sie, um ihre Angst vor diesem Kopftuch abzubauen und ihnen zu helfen, sich mit dem Fremden etwas anzufreunden.
Die türkischen Mädchen in der Studie "Viele Welten leben", die sich vorstellen können, eine arrangierte Ehe einzugehen, können sich aber auch vorstellen, dass sie ganz anders entscheiden würden, wenn sie sich verlieben würden.
Doch selten verlieben sich deutsche Männer in türkische Mädchen. Weniger wegen des Bruders, der auf sie aufpasst, sondern mehr, weil er nicht die "Katze im Sack" kaufen möchte.
Sie haben mich sehr verletzt mit ihren Ausführungen, doch ich nehme an, dass sie auch verletzt sind und wahrscheinlich ihre Gründe haben.
Ich bin mir jedoch sicher, dass sie auf dem Holzweg sind. Deutschland ist wie Frankreich ein Einwanderungsland. Wie Amerika auch. Deutschlands Wohlstand beruht auf der Arbeit der Menschen, die in Deutschland gearbeitet haben und immer noch arbeiten. Diese Menschen sind aber keine Maschienen, die für die Arbeit eingeschaltet und danach wieder ausgeschaltet werden können.
Wenn sie Produktivität wollen, dann müssen sie versuchen auf die Teamkollegen zuzugehen, um mit ihnen gemeinsam etwas zu entwickeln. Respekt auf gleicher Augenhöhe wäre ein angebrachtes Mittel.
Derzeit in Paris mit Auswanderungsplänen.
Sakine Subasi
Die Demokratie war seit Jahrhunderten die Waffe des Westens. Siehe die Engländer mit ihrer wunderbaren Denkweise.
Nachdem der Terror die Inseln erreicht hat, wurden die demokratischen Gesetze gegen Terror wohl juristisch vergewaltätigt.
Über Deutschland wurde zwar wegen der Schande des des 3. Reichs mit recht viel gelästert und auch verurteilt.
Aber die schlimmen Vorkenntnisse der heutigen Zeit musste man hierzulande nicht erleben. Dies hatte auch seine Gründe.
Zuerst waren die Feinde Deutschlands nur Westliche Länder inkl. Israel.
In der muslimischen Welt geniesst Deutschland noch heute gutes Ansehen.
Deutschland hatte in seiner Geschichte das Zusammenleben mit anderen Kulturen erst nach dem 2. Weltkrieg begonnen. Durch die goldenen Zeiten benötigten Arbeiter mussten ja wie bekannt aus dem Ausland hergeholt werden.Man war zuerst froh, dass die Ausländer die harten Arbeiten für die Deutschen erledigten.
Die Muslimen waren auch für diese Tätigkeiten gern zu haben.Dadurch hat man zuerst den durch die Religion verursachten Problemen keine Beachtung geschenkt.
Die erste und zweite Generation der Gastarbeiter beziehen heute entweder ihre Rente, oder wegen schweren Krankheiten Sozialhilfe.
Nun haben wir die gesellschaftliche Misere
Die deutschen Regierungen kritisieren bis heute nie die schlimmsten Vorkommnisse in Iran.
Selbst in der ZEIT ist ein Kommentar über Iran selten zu sehen.
Erst mit den Problemen in der deutschen Gesellschaft wurde das Tabu gebrochen und offen darüber geredet.
Wenn wir nur über die Probleme in der türkischen Gemeinde in Deutschland reden, was auch mich und den Artikel betrifft,kann auch positiv über die türkischen Migranten berichtet werden.
Solche Fälle wie in Frankreich, England, Niederlande oder Spanien können von der türkischen Gemeinde kaum erwartet werden.
Es bleibt jedoch dabei, dass die Probleme des Islams, die sich in der deutschen Gesellschaft grosse Aufmerksamkeit schafften, auch für die in Deutschland lebenden Muslime zum Problem werden.
Ich bin selbst in der Türkei geboren. Meine Kinder müssen die Deutsche Sprache, Kultur und Geschichte beherschen. Ich muss auch dafür sorgen, dass sie dabei auch meine vergangene Geschichte, Sprache und Kultur lernen sollen.
Es ist auch zwingend notwendig sich der Lebensweise des jeweiligen Landes anzupassen in dem ich lebe. Die Migranten sind keine Touristen in Deutschland.
Wenn ich Kindergeld bekomme, muss ich das Geld für mein/e Kind/er investiere. Tue ich dies nicht, wird es ein Sozialmissbrauch.
Die Familienbindung wie in der Türkei gibt es leider nicht mehr in Deutschland. Es wird in der Türkei erwartet, dass die jüngeren Familienmitglieder den notdürftigen Älteren helfen, undzwar auch mit Liebe.
Was von in Deutschland lebenden Religionsfanatikern, die in meinen Augen keine Muslime sind,praktiziert wird, entspricht nicht der Familienzugehörigkeit.
Wenn meine Tochter studiert, oder einen Beruf erlernt, ist sie doch in der Lage später auch mir zu helfen.
Ich muss für sie später nicht sorgen, wenn ich sie in ihren jungen Jahren oder gegen ihren Willen verheirate und die Ehe scheitert.
In den etwa 8 Jahren, die ich in der Türkei zwischenzeitlich verbracht habe, ist die Gesellschafft zum grössten Teil nicht mehr so streng mit den Sitten wie bei den in Deutschland lebenden Türken festzustellen ist.
Es gibt nur die Möglichkeit diese gesellschafftliche Misere zu stoppen.
Es ist ähnlich wie der Zwang, dass die Ausländer ihre Aufenthaltsgenehmigung weiter verlängert bekommen oder eingebürgert werden können, wenn sie Deutsch lernen.
Da für jedes Kind an die Eltern Kindergeld bezahlt wird, kann das Kindergeld gekürzt oder ganz gestrichen wird, wenn die Eltern ihre elterliche Pflichten nicht wahrnehmen.
Dies könnte auch bei deutschen Eltern angewendet werden, die sich ebenfalls um ihre Kinder nicht kümmern.
Die heutigen Probleme der Imigrantenkinder ähneln sehr denen Kinder auch der manchen deutschen Sozialhilfebezihern.
Leider sind prozentual mehr türkische Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder gescheitert als deutsche Sozialhilfeempfänger.
Es muss den Fanatikern klargemacht werden, dass sie damit Sklaven schaffen, wenn sie ihre Kinder gegen ihren willen, oder früh verheiraten. Oder wenn sie sie nicht zur Schule schicken.
Die offenen Diskussionen darüber haben auch einiges gutes erzielt.
Im bayrischen Fernsehen werden wenigstens auch über erfolgreiche türkische Unternehmen Beiträge gesendet.
Selbst für den Bauprojekt eines Moschees in München stellt sich die bayrische Staatsregierung nicht vordergründig gegen. Jede sich in dem Hinterhof befindliche Moschee kann für die Gesellschaft eine Gefahr darstellen.
Eine öffentliche ansehnliche Einrichtung läd auch Nichtmuslime ein, die sich darüber informieren können.
Wenn ich so lese, was bezüglich der sich nicht integrieren wollenden »Ausländer« geschrieben wird komme ich nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass es seitens dieses Landes und seiner Bevölkerung kaum Anstrengungen gab diese Menschen zu integrieren oder Ihnen etwas anzubieten.
Ein Einzelfall: Die Eltern eines lieben Freundes leben seit 25 Jahren in Deutschland und sprechen kein Deutsch. Verstehen etwas, können ein bisschen lesen. Aber insgesamt leben sie isoliert in einem kleinen Dorf. Seit 25 Jahren in derselben Wohnung. Noch nicht einmal die Nachbarn haben je etwas unternommen um sich vorzustellen oder diese einfachen bescheidenen Menschen zu integrieren. SInd echt total nette Leute. Eben sehr schüchtern.
Das ist natürlich ein Einzelfall. Aber in unseren Land ist gerade das aufeinander zugehen eher sehr selten zu beobachten ;-).
Wenn man jemanden wegen seiner importierten Kultur kritisiert (auch wenn es zu Recht geschieht) sollte man sich auch mal das Kulturangebot ansehen, in das er sich integrieren kann oder eben nicht integrieren kann weil er keinen Einstieg findet.
Mal ein bisschen mit dem Spiegelbild flirten bringt einen erheblich schöneren und erweiterten Ausblick auf den Horizont. Dieses Thema hat sehr viele Ecken.
=) Cheers
Bernd Winter
Kelek fasst in diesem Artikel im Grunde nur das zusammen, was sie in ihrem Buch "Die fremde Braut" beschreibt,
wer es noch nicht gelesen hat (und interessiert ist am Thema natürlich!): Es ist unbedingt lesenswert.
Aber es ist auch gleichzeitig nur ein kleiner Teil der Wirklichkeit.
Kelek beschreibt nur die Situation der Bewohner des ländlichen Raumes in Anatolien und der Immigranten nach Europa aus diesem Gebiet, das sollte nicht unerwähnt bleiben.
Liest man das Buch "Erstickt an Euren Lügen", dann wird eine völlig andere (aber auch türkische) Gesellschaft beschrieben, die der Fabrikarbeiter im Raum Izmir.
Was Kelek auch nicht betrachtet: Die Wirklichkeit stellt sich bei weitem nicht so eindeutig negativ dar, wie es beschreibt.
Im Gegenteil: In moslemisch geprägten Familien sind traditionelle Erziehungssysteme zu finden, die äußerlich betrachtet sehr gut funktionieren,
heile Familienwelten, sehr bereitwillig mitmachende Familienmitglieder vom Sohn über die Tochter bis zu den Eltern und der Großfamilie, die regelmäßig zu Besuch kommt.
Das ist gefährlich, weil der Durchschnittseuropäer diese heile Familienwelt kaum noch kennt,
mit gutem Grund, es IST ein Hindernis für jede individuelle Entwicklung zur persönlichen Freiheit!
Aber eben auch mit gravierenden Nachteilen bis hin zur vereinzelten Verarmung und Vereinsamung.
Da ist der Traum von der heilen Familienwelt schnell wieder eine Hoffnung.
Aber es wird eben nicht gesehen (und Kelek weiß oder erwähnt es nicht), dass dahinter systematische Konditionierung steht, ganz bewusst symbiotische Beziehungen aufgebaut werden, die nur ein Ziel haben: Individuelle Freiheit zu verhindern.
In Europa gilt solche Konditionierung als "psychisch krank", und (überproportional) viele Moslems sind in LKHs zu finden, die einen Ausbruch aus diesen Familienzwängen wollten, nicht nur Mädchen im heiratsfähigen Alter.
Noch ein Kommentar zum Beginn des Artikels:
Wenn Erdo`gan sagt:
»Das Gericht hat kein Recht, zu diesem Thema etwas zu sagen. Das steht nur der Ulema zu.«
dann wäre das so, als ob Nazis fordern, nur selber die Werte ihrer Welt erklären, definieren und gutheißen bzw. ablehnen zu dürfen.
Ein etwas grober, aber leider passender Vergleich.
Tatsächlich ist dieses Urteil des Gerichthofes europäisch und revolutionär.
Auch in Deutschland sind wir immer noch viel zu vorsichtig im Umgang mit Ideologien, die unter dem Deckmantel "Religion" daherkommen.
zum Glück müssen (auch "christliche") Sekten schon mit erheblicher Begrenzung ihres selbsternannten Anspruches rechnen,
bei der Weltreligion "Islam" (die ja eigentlich in unendlich viele Sekten zerfällt, wenn man genau hinschaut) tut sich der deutsche Gutmensch noch sehr schwer, Gewalt gegen Menschen als solche zu benennen.
lef
om mani padme hum
Im Prinzip geht es doch nicht um gegenseitige Anschuldigungen und die Frage, welche Kultur die bessere ist, oder verstehe ich etwas falsch? Geht es nicht darum, dass jeder seinen Glauben entwickeln kann? Nur ein Fall von Ehrenmord oder Zwangsehe in immigranten Strukturen ist für mich ein Indikator dafür, dass etwas falsch gelaugen ist... und "Vollziehung" einer Zwangsehe, die eine minderjährige eingehen musste,ist für mich kein Indikator für eine friedliche Gesellschaft.
@ Niisa:
Es ist ehrlich zum verzweifeln!
Wenn ich versuche mit Leuten wie Ihnen eine rationale Diskussion zu führen, dann kommt es mir vor, als würde ich gegen eine Mauer anreden.
Es ist ein Gefühl, als würde man mit jemandem reden, der einem die ganze Zeit den Rücken zudreht. Das hält kein Mensch lange aus.
Sie sind mit keinem Wort auf meine Argumente eingegangen, DAS ist respektlos - und das ärgert mich.
Welchen Sinn macht es weiterzureden, wenn nichts von dem was man sagt, überhaupt zur Kenntnis genommen wird?
Genau das ist der Grund, warum viele Menschen irgendwann aufgeben. Dann fallen solche Sätze wie "Ausländer raus". Weil die Leute irgendwann MÜDE und erschöpft sind.
Ich habe im Leben auch was gelernt, ein betriebsinternes Studium (Wirtschaftsassistent) in einem großen deutschen Pharmakonzern absolviert und keinen Grund, auf Ihre Ausbildung neidisch zu sein. Neid ist sowieso kein guter Ratgeber, besser ist es, das beste aus sich zu machen und dann zufrieden damit zu sein.
Außerdem ist es mir wirklich egal, ob jemand studiert hat oder nicht, falls sie es so meinen.
Aber ich hätte gerne das Gefühl in einem Land zu leben, in dem jeder die eigenen Potentiale so gut wie möglich ausschöpfen kann (egal ob Mann oder Frau, ob Muslima oder Deutscher, ob arm oder reich).
Weil ich eben nicht nur an mich denke, sondern auch an mein Land, das ich eigentlich mag.
Im übrigen: Ein guter Hauptschüler ist mir lieber als ein gescheitertes Genie (obwohl die auch interessant sind).
Und ein Land, in dem nur Betriebswirte leben wäre grauenhaft. Ich will auf der Straße nicht nur mich selber sehen. Dann wären wir alle Maschinen, da haben sie Recht.
Aber ist Deutschland denn wirklich so schlimm?
Sie können gerne ihr Kopftuchstudium betreiben, ich finde das sogar interessant. Es gibt schließlich auch genügend Leute, die sich für afrikanische Kunst oder tote Sprachen interessieren. Gott sei Dank, sonst könnte man sich nicht privat mit sowas beschäftigen. Mein Hobby ist Geschichte und französische Literatur (und Kommentare bei ZEIT-online schreiben - bei jeder Gelegenheit).
Mir ist halt nur aufgefallen, daß viele Muslime weniger Interesse haben and anderen Kulturen. Das ist schade.
Es wäre doch schön, wenn muslimische Männer nicht nur Maschinenbau und Elektrótechnik studieren würden, sondern auch Psychologie und Kunstgeschichte. Und wenn Frauen mehr in sog. Männerberufen arbeiten würden. Meine Frau hat auch einen technischen Beruf erlernt (jetzt leider arbeitslos), die ist viel intelligenter als ich, und wenn am Verstärker irgendwelche durchgeschmorten Sicherungen auszutauschen sind, dann macht die das, ich kann das nicht, ich bringe in der Zeit lieber den Müll runter oder spiele mit meinem Sohn (unter uns: eine Tochter wär mir lieber).
Vielleicht sehe ich durch meine Ausbildung die Probleme zu einseitig, das kann schon sein.
Aber Fakt ist, daß die Gesellschaft besser qualifizierte Leute braucht.
Und auch einen starken sozialen Zusammenhalt.
In Deutschland läuft einiges schief. Nicht nur wegen Muslime. Wir haben zu wenig Kinder, weil gerade die gut ausgebildeten Frauen nicht den Beruf mit Kindern verbinden können.
Das macht unsere Gesellschaft noch kaputt.
Wenn Sie sich eine "weniger kalte Gesellschaft" wünschen, dann sind wir einer Meinung. Aber sie müssen die Veränderungen IN EINEM SYSTEM suchen, nicht vor der Gesellschaft weglaufen.
An Deutschland kann man einiges verbessern (Ganztagsschulen, mehr Förderung für Arbeitslose, bessere Erziehung usw.).
Aber funktionieren muß eine Gesellschaft auch.
Und deshalb muß jede Gesellschaft darauf achten, daß die Kinder im Leben zurechtkommen (zum Leben gehört nun mal auch das Berufsleben, das ist die Grundlage für alles).
Die Verantwortung nimmt einem niemand ab, leider.
Und die Lösung für die Probleme der Muslime sehe ich sowieso bloß bei den muslimischen Frauen! Ihr seid die Hoffnung, weil ihr die Kinder in der Hand habt. Erzieht sie so, daß sie mithalten können, daß sie Deutschland vielleicht sogar als Heimat betrachten können, nicht als Fremde.
Alle anderen Probleme lösen sich dann von alleine, auch wenn es eine Weile dauert.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß in Paris (die schönste Stadt der Welt - aber leider nicht die billigste!), alles Gute ... Thomas F. Lehmann.
Nein, verzweifeln sollen sie nicht. Und wenn sie mit mir so reden, dann antworte ich ihnen gerne. Doch einige Fragen, die sie vorher in den Raum gestellt haben, sind schon in der Art des Fragens nicht beantwortbar. Deswegen hätte ich ihnen meine ganze Dissertation vorlegen müssen, um ihnen zu erklären, dass ich ihre Wut vielleicht ein bisschen auch verstehe, doch ihre Kritik und die Art und Weise ihrer Artikulation sie leider in eine sehr falsche Richtung bringt. Als sie mir Geld geben wollten, damit ich und viele andere Muslime in die Türkei oder sonstwohin gehen, haben sie Argumente benutzt, die eindeutig rechts waren. Und das war nicht o.k..
Wenn sie nun zum Thema Frauen und Arbeit meine Meinung lesen wollen, dann kann ich ihnen nur sagen, dass ich zum Beispiel ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen und auch in anderen Berufen total ablehne. Denn erst dadurch werden Frauen in die Abhängigkeit von ihren Männern zurückgetrieben oder sie leben auf Kosten des Staates, weil sie keiner einstellt.
Ich glaube, wir müssen das Kopftuch ganz einfach annehmen als ein Stück Stoff, als ein Kleidungsstück, dass Musliminen tragen und ihnen selbst die Wahl überlassen, ob sie es ablegen oder behalten wollen.
Viele muslimische Frauen wollen mit dem Kopftuch zwar einen Teil ihrer Herkunfsttradition behalten, wollen aber dennoch auf ihre Karriere nicht verzichten. Das ist nicht viel gefährlicher als an Weihnachten in die Kirche zu gehen und sonst auch Krichensteuern zu bezahlen.
Das Kopftuch ist für Einwanderinnen auch das Stück Stoff, dass sie mit ihrer Vergangenheit und mit ihrer Familie verbindet. Wissen sie, dass sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ihre eigene Muttersprache nicht zur genüge sprechen können? Manchmal bedeutet dies, dass die Menschen nicht mit ihrer Mutter sprechen können, weil sie eine andere Sprache spricht.
Da ist es dann von noch größerer Bedeutung ein Kopftuch zu tragen.
Es gibt viele persönliche Gründe für muslimische Frauen, ein Kopftuch zu tragen, neben ihrer Gläubigkeit.
Und das hat nicht immer mit Fanatismus, Zurückgebliebenheit oder mit Unterdrückung zu tun.
Ich bin die erste, wenn sie Hilfe brauchen gegen jene, die Frauen oder auch Männer unterdrücken. Doch mit einem Kopftuchverbot kann eine Integration nicht erzwungen werden.
Sie sagen, dass sie ihr Land mögen. Nun, das tun wir auch. Wir lieben alle Deutschland, alle die versuchen ihre Kritik und sich selbst einzubringen. Das ist Partizipation und ein Grundprinzip der Demokratie. Viele EinwanderInnen sind nach Deutschland gekommen, sie haben ihre eigenen Biographien und ihre eigene Geschichte mitgebracht. Sie können nicht erwarten, dass jemand, der aus einer total anderen Welt kommt, vergisst wo er herkommt. Und auch die zweite und dritte und auch die nächsten Generationen werden diese Geschichten mit sich tragen. Integration kann deswegen nur gelingen, wenn die Geschichten und Biographien dieser Menschen akzeptiert werden.
Mit Recht drängen sie darauf, dass nicht alles in Deutschland falsch läuft, dass auch Immigranten sich manchmal stur stellen. Auch Chinesen haben übrigens Probleme mit Anerkennung und Akzeptanz. Das ist nicht spezifisch türkisch, dass diese "Probleme" machen. Nur bilden die Immigranten mit türkischer Herkunft in Deutschland die größte Gruppe der Einwanderer, mit ca. 2,5 Millionen.
Nur können sie nicht erwarten, dass die Menschen ihre Herkunft, ihre Traditionen, ihre Religion und ihre Familie aufgeben, um am Ende nichts zu haben.
In Deutschland gilt heute gesetzlich nach wie vor, dass nur Deutscher ist, wer nach Blutsrecht vom Deutschen abstammt.
Sie können nicht immer auf die Türken schimpfen, von denen ein beachtlich großer Anteil schon seit 40 Jahren hier lebt, nie Probleme macht und immer nur arbeitet ohne mehr Rechte zu verlangen. Sie müssen diesen Menschen die Anerkennung geben, die sie verdienen und sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen. Sie auch entscheiden lassen, wer dieses Land regiert und wo eine Straße gebaut wird.
Sie müssen diese Menschen in Entscheidungsprozesse einbeziehen, damit jeder für sich die Vor-und Nachteile von Entscheidungen abwägen können.
Stattdessen verbietet man das Kopftuch und verhindert, dass Immigrantinnen, die sich durchaus integriert gefühlt hatten, sich wieder zurück ziehen. Diese Lehrerinnen, fühlen sich zu tiefst abgelehnt von dieser Gesellschaft, obwohl sie bereit waren, die Kinder dieses Staates für ein friedliches und tolerantes Miteinander zu erziehen. Yasemin Karakasoglu, Professorin an der Uni Bremen hatte ein Gutachten zum Kopftuchurteil verfasst. Sie hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Lehrerinnen, die mit einem Kopftuch arbeiten wollen, nicht fundamentalistisch gesinnt sind, sondern sehr stark für ein multikulturelles Miteinander stünden. Sie haben ja auch alle in Deutschland studiert. Was glauben sie denn, was an deutschen Universitäten gelehrt wird: Immanuel Kant, Karl Marx, Max Weber, Adorno, Horckheimer, Habermass, Lyotard, Fouckault....Und und und, wieso vertrauen sie so wenig dem deutschen Bildungssytem?
Wir sind alle Deutsche und wollen als Deutsche leben. Wir wollen alle unsere Kinder in Deutschland erziehen. Ich habe zwar keine, aber ich bin 12 fache Tante und von den 12 sind 6 in Deutschland geboren und leben auch dort. Ich hätte gerne, dass diese in einer akzeptierten Atmosphäre aufwachsen.
Au revoir de Paris!
Sakine Subasi
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