Porträt Und noch’n VersuchSeite 2/2
Dieser kleine ältere Herr hatte in einer alten Ausstellungshalle in San Francisco 1969 mit dem Exploratorium eines der ersten Science Center weltweit eröffnet und damit der Hands-on-Science-Bewegung den Weg bereitet. Mittlerweile hat jede größere amerikanische Stadt ihr Science Center. Etwa 1000 sind es weltweit. Als Ansel zum ersten Mal aus dem sauberen Lockheed Lab in das Chaos des Exploratoriums kam, war er irritiert. Und als ihn einer der von Oppenheimer geförderten Künstler fragte, wie man ein bizarres Problem für eine Installation lösen könne, dachte er nur: Die spinnen! Nach seinem Abschluss in Philosophie und einigen Aufträgen jedoch war er ein Teil des Experiments Exploratorium – die kreative Atmosphäre unter den Exponatebauern, Künstlern und Wissenschaftlern hatte ihn angesteckt.
Künstler hätten einen anderen Blick auf die Wissenschaft, sagt er. Sie eröffneten überraschende Perspektiven. »Kommen Sie mit!« Ansel eilt auf eine Ecke zu. Ein unscheinbarer roter Plastikvorhang, dahinter läuft im flackernden Stroboskoplicht ein mit surrealen Objekten gespicktes Laufrad. Das Gehirn des Betrachters montiert die Bilder zu einem 3-D-Film: Aus einer Dose steigt ein Gehirn nach oben, wird zum Ei, aus dem Ei kommt eine Hand, die Hand hält einen Hot Dog und lässt ein Papier fallen, das Papier wird zur Rose und landet auf dem Boden. Sinnfrei, aber schön. »Ich garantiere Ihnen, dass Kinder sich gegenseitig zurufen werden, dass sie das verrückte Ding in der Ecke sehen müssen«, kommentiert Ansel. »Aber vorher müssen sie an anderen Exponaten vorbei.«
Diese Art der Besucherführung hat System. Zwischen den nur lose nach Wissensfeldern wie Bewegung, Energie, Licht und Sehen geordneten Experimentierstationen bahnt sich jeder den Weg intuitiv. Vorgegebene Routen gibt es nicht. Damit sich keiner in den Höhlen, Kratern und Erhebungen des architektonisch anspruchsvollen Ausstellungsraums verliert, sind die Anziehungspunkte in den hintersten Ecken platziert.
»Wollen Sie ein Echo machen?« Ansel lässt seinen Blick über die Experimentierstationen gleiten. Man kann auch Nebel produzieren oder die eigene Reaktionszeit testen. Die Kunst, eine solche Ausstellung zu gestalten, bestehe nicht nur darin, interessante Exponate auszuwählen, sagt Ansel, es gehöre vielmehr auch die richtige Einschätzung dazu, wie sie zu handhaben seien, ob sie schnell kaputt gingen, großen Besucherströmen standhielten oder ob das Personal sie gut reparieren und austauschen könne. Ansel hat sich dieses Know-how am Exploratorium erworben, wo er von 1974 an die Exponate-Werkstatt leitete und ab 1982 im Direktorium saß. 1992 gründete er schließlich seine eigene Firma – eine der wenigen, die so große Ausstellungen seriös planen können, wie er meint.
Manchmal ist ein Exponat direkt aus dem Leben gegriffen – aus dem eigenen. »Haben Sie die Station dort drüben gesehen?« Ohne auf eine Antwort zu warten, geht Ansel los. Auf einem Experimentiertisch steht ein kleiner Parcours. Aus winzigen Löchern wird gerade so viel Luft schräg nach oben geblasen, dass weiße und blaue Schaumstoffscheiben ihre Bahnen ziehen können. Allerdings: Je mehr Schaumstoffteile auf den Parcours gelegt werden, desto schneller gibt es eine Karambolage und einen Stau. Die Idee dazu ist Ansel auf der A2 gekommen. Dort hat er einmal zwei Stunden gebraucht, um nach einem Auffahrunfall von einem Parkplatz runterzukommen.
- Datum 24.11.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 24.11.2005 Nr.48
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