Wahnsinnige Gewinne

Eine neue Generation von Unternehmern spielt mit dem sozialen Frieden. Eine Polemik

Ist Anstand eine ökonomische Tugend? Nein, sagt der Ökonom. Und da nun diese Gesellschaft sich der Logik des ökonomischen Denkens unterworfen hat, herrscht, vom Aufschrei der Betroffenen abgesehen, eine erstaunliche Ruhe, wenn der Chef des Unternehmens X oder des Konzerns Y der Öffentlichkeit mit stolzgeschwellter Brust verkündet, man habe einen sensationellen Gewinn erzielt, und im gleichen Atemzug ebenso stolzgeschwellt wissen lässt, man werde Tausende von Mitarbeitern entlassen. Die sich häufenden Siegesmeldungen der Bosse bedeuten, wie jeder wissen kann, die Niederlage zahlloser beruflicher Biografien. Wenn ein Unternehmen Verluste macht, lautet die Antwort: Entlassungen. Wenn ein Unternehmen Gewinn erzielt, lautet die Antwort neuerdings erst recht: Entlassungen.

Wie soll man das nennen, wenn nicht Wahnsinn? Dessen Methode besteht darin, den Gewinn um jeden Preis zu steigern, und sie ist insofern vernünftig, als sie ökonomisch ist. Der Gewinn dient der Befriedigung der Aktionäre und der finanziellen Bevorratung für schwierige Zeiten. Die Reduzierung der Belegschaft dient der Steigerung der Produktivität. Dies sei, so sagt der Ökonom, angesichts des wachsenden globalen Konkurrenzdrucks zwingend geboten. Und wir, die Nichtökonomen, nehmen diese Weisheit zur Kenntnis, je nach Interessenlage beflissen oder beklommen.

Anzeige

Es ist an der Zeit, von Anstand zu reden. Der Chef eines Unternehmens trägt für jene, die von ihm abhängen, Verantwortung. Seine Aufgabe besteht nicht allein darin, Effizienz und Kurswert zu steigern und im Falle des Erfolgs die Prämie zu kassieren, im Falle des Misserfolgs die Abfindung. Er hat ebenso die Aufgabe, das Schicksal der ihm Anbefohlenen zu bedenken und das Gemeinwohl im Auge zu behalten. Anständig ist es, für den erzielten Gewinn jenen zu danken, die ihn erarbeitet haben, sie daran teilhaben zu lassen und ihn in neue Arbeitsplätze zu investieren. Unanständig ist es, die Verkündung des Gewinns mit der Androhung weiterer Grausamkeiten zu verknüpfen.

Selbst wenn Anstand keine ökonomische Tugend sein mag, so ist er doch die Tugend, auf der unser aller Zusammenleben beruht. Sie wächst nicht von selbst nach. Sie bedarf des gelebten Vorbilds durch die Elite, gerade der ökonomischen. Die aber hat sich dramatisch verändert. Der Zigarren schmauchende Unternehmerpatriarch, den die politische Satire zu verspotten pflegte, hatte immerhin das Eigeninteresse, in der Stadt, zu deren Honoratioren er sich zählte, geachtet und vielleicht sogar geliebt zu sein. Massenentlassungen ohne Not hätte er gescheut. Er gab sich gern philanthropisch, und nicht selten war er’s auch.

Diesen Unternehmer, man darf es nicht vergessen, gibt es noch, auch wenn er Zigarren kaum mehr raucht. Geliebt wird er selten, geachtet schon. Inzwischen aber sind wir Nichtökonomen – ernüchtert durch das haarsträubende Gebaren gewisser Wirtschaftslenker – durchaus so weit, die Wiederkehr des alten Patriarchen zu ersehnen.

Der neue Typus nämlich, den der amerikanische Soziologe Christopher Lasch in seinem Buch Die blinde Elite beschrieben hat, ist bedenkenlos fixiert aufs ökonomische Kalkül. Gestählt in den Ausbildungslagern der Business Schools, ist er ein Ministrant des Kapitals. Von Grund auf heimatlos, fühlt er sich in der weiten Welt zu Hause, in den klimatisierten Arealen der Abflughallen, Hotelzimmer und Vorstandsetagen, und wo immer er sich befindet, agiert er weltumspannend. Anständigkeit mag er im privaten Umgang für erstrebenswert halten, im Job ist sie ihm keine handlungsleitende Tugend mehr. Er arbeitet im zeitlich und sachlich begrenzten Auftrag, den er auf Gedeih und Verderb erfüllen muss. Ein Verantwortungsgefühl für die Kommunität einer Stadt, einer Region, eines Landes wird er nicht empfinden, es kann erst gar nicht entstehen.

»Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.« So lautet Artikel 14 des Grundgesetzes. Das ist kein Gebot, für dessen Einhaltung Polizisten sorgen könnten. Dass es Beachtung findet, ist die Sache aller, zuvörderst der Elite. Es schadet dem Gemeinwohl, wenn Unternehmer ausschließlich das Partikularinteresse der Eigner verfolgen und die Rationalisierungskosten einem Staat aufladen, der zusehends verarmt. Noch hält das soziale Netz, aber die Maschen sind größer, die Fäden dünner geworden.

Leser-Kommentare
    • wowman
    • 05.12.2005 um 11:07 Uhr

    Die meisten Artikel und Kommentare bewerten die Tendenzen zur Renditesteigerung ausschliesslich aus der Sicht der Angestellten.
    Schön und gut, nur:
    Wie stellt sich ein extrem gut verdienendes Unternehmen aus der Perspektive eines Kunden dar?
    Ich jedenfals freue mich auf Preisverhandlungen mit einem Verkäufer, dessen Arbeitgeber gerade 20% Umsatzrendite erwirtschaftet hat!

  1. Ein neues Gütesigel "Made in Germany" könnte Abhilfe schaffen. Gesetzlich müßte geregelt werden, dass alle verarbeiteten Einzelteile - bis zur kleinsten Schraube - in Deutschland produziert worden sein müßen, damit das Produkt im Regal dieses "Gütesigel" tragen darf. Der Konsument könnte dann gleich im Laden sehen, ob er asiatische oder osteuropäische Arbeitsplätze finanziert und ob sein Geiz gerade wirklich geil ist.
    Für alle übrigen Produkte könnte "Zutaten"-Liste verordnet werden: Chip aus Thailand, Elektromotor aus China, Display aus China, Akku aus Japan, Schrauben aus Pakistan, ...
    Wichtig ist daneben aber auch, die Globalisierung nicht als "Gewinnmaximierungsstrategie" zu verstehen, sondern als "Wohlstands-Ausgleich": Die Arbeiter in der chinesischen Chip-Fabrik erarbeiten nicht ihren eigenen Wohlstand, sondern unseren ("Geiz ist Geil") und den ihrer Nachfahren [wie die Arbeiter des Zeitalters der Industrialisierung hierzulande, die auch nicht viel vom Leben hatten, und deren erbe wir so gesehen gerade "verbraten"]. Die Frage die sich dabei stellen muß lautet: geht es dem Arbeitslosen hierzulande wirklich so schlecht im Vergleich mit dem chinesischen Industriearbeiter?
    Wer macht denn "unseren" Arbeitslosen das Leben schwer und warum? Der chinesische Vorstandsvositzende doch wohl kaum.
    Wer sich den 3. DVD-Player und das 5. Handy einreden läßt und sich minderwertig fühlt, weil er keinen großen BMW fährt hat eigentlich selbst schuld.
    Weniger Fernsehen, mehr Selbstachtung.
    Wenn es an der Zeit ist, von Anstand zu reden, dann auch für die Arbeitslosen, sich selbst gegenüber.

    • rohwer
    • 03.12.2005 um 18:23 Uhr

    sehr geehrte damen und herren,
    der verfasser des artikels meint doch nicht nur die unternehmen allein, unserem gemeinwesen wird von vielen zugesetzt. ich nehme hier ausdruecklich die als sozialschmarotzer bezeichneten aus.
    aber freuen wir uns und freuen wir uns doch mit denen, die fuer ihre zukunft vorsorgen.
    (wenn es denen gut geht, geht´s ja unserer gesellschaft immer noch gut genug)
    lassen wir ihnen die ruhe und die freiheit, die sie brauchen um ihren "geschaeften" nachzugehen. die frau dr. aus dem bundestag hat wohl genau diese freiheit gemeint. zb sind da die nicht reuigen steuer"suender", gewinnmaximierer, sogenannte "weisse-kragen-taeter", abzocker, abschoepfer, subventionsstrategen und nicht nur seit neuestem die panscher. gewoehnliche betrueger und bankraeuber sind heute doch krimminell. daher laesst auch der andere dr. vor ihr, schoen gruessen.
    warum sollte es heute schwieriger sein, als in der einheitseuphorie. lächelnd sand in unsere augen streuen und dann in irgendeine richtung schreien: haltet den dieb. wie das ablenkt. was geht einen das verursachte elend an. man muss auf sich selber achten.
    und es kostet ihnen ja auch keine arbeit (da mit moral pfunden?) geld mit geld zu vermehren. ihre ach so lieben mitsch(l)aefchen sind schon immer effizient in die irre gewandelt worden. und das soll morgen anders sein?
    die schneidigste waffe der politiker bleibt doch der appell, der wird aber so verlautbart, das kein echo entstehen muss. und handeln? macht doch nur arbeit. warum auch, es kostet ihnen allen (denen da oben genannten) ja keine gewoehnliche arbeit, das mit dem geld vermehren, dafuer muessen andere darben.

    aber mal ehrlich: rezepte, taktik oder sogar strategien dagegen gibt´s mit dieser heutigen politik doch nicht. nach dem die arbeitende bevoelkerung schon jetzt in sippenhaft von globalisierern steckt, was tut da das hohe haus. richtig: mitheulen! krokodilstraenen sind auch eine form von anstand und moral. und sie kommen jetzt auch noch mit der ollen kamelle artikel 14 grundgesetz, den eh keinen interssiert. viel schlimmes laesst mich ihre anmerkung zur sozialen marktwirtschaft befuerchten. was wollen sie denn da neues?
    als kritischem staatsbuerger sind ihnen kriegshandwerk und kunst als avantgarde ja bestens vertraut. diese verfuegt naemlich ueber kenntnisse, die voraussehend heute gueltige maßstaebe der allgemeinheit verrueckt. und die politik? die m(w)erkelt, waehrend die opposition doch nur maekelt. ist die kritisch?

    zu den fakten gibt es viele anmerkungen. davon unten ein paar.
    nicht nur teile der ostdeutschen bundeslaender sind schon heute die alleinigen armengebiete, die hartz IV ler verstaerken die zukuenftigen hotspots der gesellschaft. im land meck-pom z.b. gibt es gebiete mit arbeitslosenquoten von fast 30 prozent. politiker begreifen immer noch nicht, daß diese gebiete unsere zukunft darstellen. von ihnen wird der eigentlich gravierende unterschied uebersehen, der die stattfindenden veraenderungen in der gesellschaft genau benennt.
    die demonstrationen und flucht von menschen fegte nach 1989 einen staat aus der welt. heute, 2005 gibt es jedoch eine neue rollenaufteilung. ein teil der gesellschaft geht auf die straße und demonstriert. dieser teil sagt, er sei das volk und er werde bleiben, auch, weil es nicht anders kann. den part der ausreiseantraege und der flucht ins ausland hat dagegen das kapital uebernommen. es flieht nicht nur seit 1989 mit billigung der politik in die erreichbaren billiglohnlaender und "steueroasen".
    die eine flucht erfolgte ins konsumparadies, das ziel der anderen ist das produktions- und steuerparadies. die eine flucht kam und kommt uns teuer, die andere wird sehr viel teurer und kostet uns moeglicherweise die demokratie.
    alle staaten haben verschiedene funktionen zu erfuellen, die wichtigste aus der sicht des staates ist die verteidigung seiner selbst. gegen aeußere und innere feinde hat jeder staat der welt nur eine einzigen grundlage, die steuer. wird ihm diese, egal wie, entzogen, stuerzt er wie ein kartenhaus in sich zusammen. dieser existenziellen grundlage als zwangsmaßnahme durfte und konnte sich seit der erfindung des staates bisher keiner entziehen. die globalisierung beendete diesen zwang, fuer eine wirtschaftsmacht wurde die steuer verhandelbar.
    die globalisierung, das nutzen und ausnutzen von unterschieden in lebensstandard, loehnen und steuergesetzen setzte verstaerkt anfang der neunziger jahre ein. es entwickelte sich nach zoegerlichen beginn rasant und fundamental. einschneidend steuerbar ist diese entwicklung für den einen staat nicht. der global operierende profiteuer wird von nationalen gesetzen kaum erreicht. die staatsmacht, das nationale gesetz, ist an grenzen gebunden. und die gesetzgebung der eu endet nicht erst an den außengrenzen. es gibt europaeische staaten, die dem ausreisewilligen kapital schon vor 1989 heimat anboten, um die existenz und das ueberleben der eigenen bevoelkerung zu sichern. dieses kapital ist von nur nationalen regierungen nicht zu halten.
    bei dieser flucht hat eine regierung kaum spielraum, die deutsche so wenig wie jede andere europaeische. es sei denn, das land gehoert bereits zu den neu eroberten paradiesen des profits. oder europa entschließt sich, einen nicht unter nur wirtschaftlichen gesichtspunkten gemeinsamen weg zu gehen.
    die bereits erfolgte flucht und die schon gestellten ausreiseantraege lassen jeden staat einknicken. er kann die geforderte steuererleichterung oder gar steuerbefreiung nicht abwehren, da andernfalls die ausreise realisiert wird. der staat ist gezwungen auf die steuer zu verzichten und fuer weitere arbeitslose zu sorgen.
    weder ein buergermeister noch ein finanzminister koennen heute einer geforderten befreiung von der steuerlast allein mit dem verweis auf die fuer alle gueltigen gesetze begegnen, da die konzerne in diesem fall ihre angekuendigte ausreise durchfuehren. dem staat wie der kommune entgeht dann die steuer und das heer der arbeitslosen vergroessert sich, jene menschen, fuer die sie zu sorgen haben. für die sie aber immer weniger sorgen koennen, weil ihnen die einnahmen fehlen.
    dieser staat darf schon lange die kapitalflucht nicht mehr bagatellisieren und der staat darf sich nicht erpressbar machen, er darf dieser erpressung nicht nachgeben – so wie bei terroristischen anschlaegen, da gilt der konsens in allen demokratischen staaten.
    wenn einem staat jedoch seine existenzgrundlage entzogen werden kann, ist diese staatsdoktrin offensichtlich obsolet. noch viel schlimmer, der staat konterkariert sich selbst. um unternehmen im land zu halten, werden geschenke verteilt: grund und boden werden kostenfrei ueberlassen und die erschließung wird von der kommune uebernommen. selbst die steuerbefreiung ist dann das kleinere uebel, um das groeßere fernzuhalten. und nichts wird ein- oder zurueckgefordert.
    zusaetzlich wird das soziale netz den ausbleibenden einnahmen gemaess hartz IV angepasst, da wird nicht nur die luft duenn. diese politik ist einfallslos und blind. und ein ende ist nicht absehbar, denn osteuropa und asien machen den mund waessrig, demnaechst vielleicht auch, wegen seiner migration, der afrikanische kontinent. in saigon z.b. zahlen die europaeischen arbeitgeber einen stundenlohn von ueber 6 cent, die vietnamesischen noch weniger.
    die globalisierung wirkt total und hat einen weg eingeschlagen, der auf eine anpassung hin zur dritten welt hinausläuft. aber nicht der wunsch nach einer gerechteren welt ist das ziel, sondern die nutzung von vorhandenem gefaelle zur profitmaximierung, natuerlich(e) kostensenkung genannt. diese laufrichtung ist selbstmoerderisch. fuer asien, zumal fuer china und indien, stellt diese art der globalisierung einen entwicklungsschub dar, der die beiden staaten moeglicherweise an die spitze der weltwirtschaftsmaechte befoerdert.
    in europa werden weiterhin arbeitsplaetze auswandern und verschwinden. deswegen sparen die menschen heute immer noch(zum schaden der konjunktur), weil sie glauben, wenigstens in der not etwas zu haben. denn das soziale netz wird zum strick, der nichts mehr auffangen kann. es ist global gesehen gegenueber dem 6 cent-job auch nicht zu halten. sollten die menschen sich nicht gegen diese politik der verarmung wehren, werden verwerfungen in gesellschaft und gemeinwesen fortschreiten.
    die alte weisheit eines henry ford ist vergessen, wonach nicht allein produkte, sondern auch konsumenten produziert werden muessen. die von der produktion zunehmend ausgeschlossenen europaeer werden dann kuenftig als konsumenten mangels finanzmasse ausfallen, die mit cents entlohnten arbeiter in asien werden weder ihre nationalwirtschaft noch die weltwirtschaft durch einen verstaerkten konsum ankurbeln. es fehlt die steuernde und ausgleichende umverteilung. unser wertezusammenbruch ist absehbar.
    nicht der fall der mauer war der epochenbruch, dieses ereignis ermoeglicht ihn erst. der wahrhafte epochenbruch ist das ende der aufteilung der welt in eine erste, zweite und dritte. und da die erste und zweite nicht mehr bezahlbar sein wird, verbleibt fuer uns alle nur die dritte welt. das ist unvorstellbar, gewiss. aber daß eine große kulturnation dem faschismus auf den leim ging, war einst auch unvorstellbar. ebenso unvorstellbar, wie der gewaltfreie zusammenbruch des hoch geruesteten moskauer imperiums. »unvorstellbar« bedeutet geschichtlich nicht viel, es zeigt nur die beschraenkte vorstellung.
    darum werden weiterhin unsere regierungschefs ohne gegensteuern ihre leeren taschen vorweisen und bestaendig vom wirtschaftlichen aufschwung reden. was sich aber ereignen wird, ist ungewiss. nach den geschichtlichen erfahrungen werden radikale parteien in europa vermutlich an macht und einfluss gewinnen und versuchen auf ihre weise das ruder herumzureißen.
    der bolschewismus kristallisierte sich um den kern namens „klasse", der hitlerismus um den namens „rasse" - und ein dritter versammelt sich heute um den fetisch „kasse“. das verheißt wieder nichts gutes.
    wenn der mammon regiert, pervertiert das lebensmittel geld zum einzigen lebenszweck und humanes vegetiert im „human-kapital". die entsolidarisierung schreitet dann maechtig voran. der andere, der naechste hat einem gleich, also egal, naemlich „wurscht" zu sein, zu der er dann auch noch gemacht wird. habgier und raffsucht überlagern alles, was gemeinwohl heisst und ziel allen demokratischen handelns sein sollte.
    „die zivilisierte welt" geht schon diesen scheideweg, angesichts dessen stellt der islamistische fundamentalismus eher eine ablenkung dar. nicht die splitter in fremden – bei den handelnden sind die balken in den eigenen augen also das problem. steuerfreiheit fuer arbeitsplaetze bringt in unserer heutigen situation fuer unser gemeinwesen mehr als steuerfreiheit fuer arbeitsmittel.
    mfg
    h. rohwer

  2. Fakt ist, Deutschland ist ein Hochlohnland!
    Fakt ist, um konkurrenzfähig zu sein müssen die Kosten runter!
    Fakt ist, Mitarbeiter werden entlassen um Kosten zu sparen!

    Wovon aber keiner spricht ist, dass die Löhne in Deutschland so hoch sind, da auch die Lebenshaltungskosten in Deutschland hoch (teilweise sehr hoch)sind.

    Eine Phantasie:

    Alle Kosten die einem Arbeitnehmer entstehen könnten werden halbiert. Dann ist es dem Arbeitnehmer möglich seine Arbeitsleistung zum halben Preis, sprich zum halben Gehalt / Lohn anzubieten.

    Man muss zugeben, dass das nicht nur den Unternehmer betrifft sondern natürlich auch Vermieter usw.

    Aber schreiten wir in meiner Phantasie mal fort und unterbreiten dem Unternehmer ein Angebot.

    Das Angebot an den Unternehmer:

    Senkung der Produktpreise für die Endverbraucher um 50%, gleichzeitig ein 50% Lohnverzicht der Arbeitnehmer !

    Würde er das tun?

    Meiner Meinung nach Nein!
    Er würde die Preise auf gleichem Niveau belassen und durch die Ersparnis seine Gewinnmarge drastisch erhöhen.

    Außerdem hat er trotz extrem gesunkener Lohnkosten immer noch das Druckmittel der Produktionsverlagerung ins Ausland. Irgendwo auf dieser Welt wird es wahrscheinlich immer noch Personen geben die ihre Arbeitsleistung billiger anbieten als ein Arbeitnehmer in Deutschland. Dieses Spiel wird solange funktionieren bis auf der ganzen Welt das gleiche Lohnniveau herrscht. Die vermeintlich „reichen“ Industrieländer und ihre Bevölkerung werden ärmer, die „armen“ Länder inkl. Bevölkerung werden reicher. Man wird sich irgendwann in der Mitte treffen.

  3. Ob die Gewinne wirklich wahnsinnig sind kann angezweifelt werden. Nehmen wir an, sie seien normal. Was wichtig waere ist die in diesem guten Artikel angesprochene Verpflichtung des Eigentums in den Vordergrund zu stellen. In den USA ist der Privatsektor, angefangen mit Gates, ueber Stiftungen sozial enorm aktiv. Bei uns sollte der Gedanke des Wohlfahrtstaates, des Lastenausgleichs, des nationalen Zusammengehoerigkeitdgefuehls - unter Einbeziehung der Eingebuergerten - zu einer "sozialen Wertschoepfung" fuehren koennen, die im Endresultat die neiderweckenden sogenannten "wahnsinnigen Gewinne" in den Schatten stellen wuerde.
    Klaus Moll

    • iceman
    • 13.05.2007 um 21:01 Uhr

    om mani padme hum

  4. Die Demokratie lebt vom gesunden Mittelstand. Je mehr die Unmoral der Unternehmer zunimmt, um so mehr nimmt der noch von Moral getragene bürgerliche Mittelstand ab. Die Folgen sind verheerend. Ich werde vermutlich mit meinen 84 Jahren die allgemneinen Straßenschlachen nicht mehr erleben, wie ich sie als Kind noch aus den Jahren 1930/1931 vor unerem Hause erlebt habe.
    Aber wie soll ich wissen, welche Firmenchefs in der im Artikel angesprochenen Weise ihren Betrieb führen? Sofort würde ich mich im Einkauf danach richten, auch wenn es nur ein winziges Mittelchen ist. Kater

  5. Sehr geehrter Herr Ulrich Greiner,

    vielen Dank für Ihren Artikel, der richtig gut getan hat.

    Angestellte/r eines Unternehmens zu sein, bei dem ganau diese Argumente benutzt werden - Steigerung der Produktivität durch Reduzierung der Mitarbeiter - bedeutet auch gleichzeit nicht offen über Misstände innerhalb des Unternehmens reden zu können.

    Jedem "Querulanten" könnte da Morgen schon die "betriebsbedingte Kündigung" auf den Tisch flattern.

    Deshalb brauchen wir dringend Menschen und die Presse, die für uns diese Dinge öffentlich aussprechen.

    Solange man nicht selbst betroffen ist, funktioniert der Verdrängungsmechanismus gut: mir!, uns! kann das ja nicht passieren.... ein altbekanntes Angstmuster- aber auch Überlebensmuster.

    Nicht nur das Rückrat zum Anstand ist das Problem, sondern auch die nicht so einfach aufzuhebenden Miswirtschaften und Bruderschaften innerhalb des Managements.

    Da wurde für den Golfkumpel mal eben kurzerhand ein Management-Posten kreiert, konstruktive Kritik dem Management nicht mehr vorgetragen, um bei der nächsten Beförderungsrunde nicht übergangen zu werden.

    In "satten" Zeiten kann sich ein Unternehmen solche "Freundschaftsdienste" leisten... warum auch nicht?
    Aber jetzt, jetzt sind Menschen gefragt, die mutig und stark genug sind neue Wege zu gehen, die genügend "Freigeist" bewahrt haben, um neue Ideen für die Effektivität eines Unternehmens zu entwickeln.

    Nur jetzt funktioniert dieses langjährig aufgebaute Macht-Abschirmungssystem zu gut. Das Management schützt sich selber und schottet sich noch mehr ab, gegenüber den Angestellten - aber auch leider gegenüber Innovationen.
    Es soll alles so bleiben, wie es ist!

    Einzige Alternative besteht im Abbau der Gehaltsempfänger.

    Dabei gäbe es soviele andere Alternativen
    - Erhöhung der Wochenarbeitszeit
    - Mitarbeiter, die als Springer eingesetzt werden -dafür weniger Agenturkräfte
    - Europäische Auslandseinsätze der Mitarbeiter als Alternative zu Entlassungen (nicht, wie zur Zeit ausgeübt, als hochsubventioniertes Bonussystem für auszuzeichnende Mitarbeiter o.ä., sondern als Lösung für europäische Unternehmen, Engpässe oder Projekte in Nachbarländern zu bewältigen)
    - Weniger Management - mehr Angestellte (Gehaltstrukturen runterschrauben)

    Vielleicht arbeitet ein Osteuropäer für 1/4 weniger Gehalt genauso qualifiziert, wie ein Westeuropäer. Jedoch wird er dann auch nur 3/4 des Produktes kaufen können?

    Sie haben Recht, niemand geht auf die Straße, niemand wehrt sich wirklich.

    Aber ist es nicht nur die Angst um den eigenen Arbeitsplatz, die zur Zeit die Arbeitnehmer schweigen lässt?
    Die Fassungslosigkeit, dass "uns" das passiert? Das "Nicht-realisieren-wollen", dass sich die Arbeitswelt gewaltig ändert und damit der Arbeitnehmer mit ändern muss?

    Eine starke Gewerkschaft fehlt doch schon lange um die Interessen der Angestellten deutlich zu machen.

    Schreiben Sie weiter über die Wandlungen in unserern Wirtschaftsunternehmen! Machen Sie Mut zu neuen Ideen und Gedanken - oder bestärken Sie das Gemurmel der Angestellten oder auch der Manager... geben Sie uns eine Stimme... wir können es selber nicht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service