irak Ende der Unschuld
Susanne Osthoff wollte den Opfern des Irak-Krieges beistehen. Es hat ihr nichts genützt
Plötzlich hat der Krieg im Irak für uns ein Gesicht bekommen. Wir hatten die Opfer der Kämpfe und der Terroranschläge ja nur noch als Zahlen wahrgenommen, als eine Statistik des Grauens: mehr als 2000 getötete GIs, Zehntausende toter Iraker. Die verwundeten Soldaten, die verletzten Zivilisten – wurden sie je gezählt?
Und jetzt ist eine Deutsche verschleppt worden, die 43 Jahre alte Susanne Osthoff aus Bayern. Eine Bundesbürgerin als Opfer eines Krieges, an dem sich die Bundesrepublik aus guten Gründen militärisch nicht beteiligt hat.
Mehr als 200 Ausländer sind im Irak seit dem Sturz Saddam Husseins gekidnappt worden. Von ihnen wurden mindestens 35 ermordet, oft auf viehische Weise vor der Videokamera erschossen oder enthauptet.
Und immer wieder hat es gerade die Mutigsten getroffen, die Engagiertesten. Frauen, die gegen den Krieg gestritten hatten und die nun helfen wollten. Wie Margaret Hassan, die britische Leiterin der Hilfsorganisation Care International im Irak, die sich um die Wasserversorgung in Bagdad kümmerte und um die Ernährung kranker Kinder. Im vergangenen November wurde sie von ihren Entführern erschossen. Oder wie Simona Pari und Simona Torretta, die »beiden Simonas« im Dienst von Unicef, die unversehrt blieben.
Und wie Giuliana Sgrena, die italienische Journalistin und Mitarbeiterin der ZEIT, die im Februar dieses Jahres in Bagdad entführt wurde. Sie kam nach einem Monat Geiselhaft frei. Aber der mutige Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari, der sie in Empfang genommen hatte, wurde auf der Fahrt zum Flughafen an einem amerikanischen Kontrollposten erschossen.
Ein Zufall ist es nicht, dass Journalisten und humanitäre Helfer besonders häufig entführt werden. Sie können und wollen sich nicht mit einem Sicherheitskordon umgeben, sie dürfen sich nicht abschirmen von den Menschen, denen sie beistehen, über die sie berichten wollen. Giuliana Sgrena hat ihre Arbeit unter das Motto gestellt: »Hingehen und hinsehen. Nichts glauben, was man nicht selbst gesehen hat.« Sie war sich der Gefahr bewusst, in die sie sich täglich begab.
Das gilt auch für Susanne Osthoff. Auf eigene Faust und auf abenteuerlichen Wegen hat sie Medikamente in den Irak transportiert, angetrieben von einem bedingungslosen Hilfswillen und einer großen Liebe zum Zweistromland, dessen Sprache und Geschichte sie studiert, in dem sie als Archäologin gearbeitet hat.
Ob nun fanatische Islamisten oder gewöhnliche Kriminelle, die das Kidnappen als Geschäft betreiben, die Deutsche entführt haben: Die Rohheit dieses Krieges macht keinen Unterschied zwischen seinen Gegnern und seinen Befürwortern. Es gibt kein Gütesiegel »Germany«, das unsere Bürger besser schützt als Amerikaner, Briten oder Italiener.
Wer dies glaubte, hätte nichts begriffen. Mag die Bundesregierung und mit ihr die Mehrheit der Deutschen gegen den Irak-Krieg gewesen sein: Der Terror, mit dem die Dschihadisten den Westen überziehen, bedroht uns nicht weniger als jene, die im Irak intervenierten. Die deutschen Städte sind denn auch so wenig vor Anschlägen sicher wie New York, London oder Madrid.
Gerade deshalb aber ist es wichtig, dass Amerikaner und Europäer in aller Offenheit und Ehrlichkeit, die zwischen Verbündeten selbstverständlich sein sollten, miteinander über einen Ausweg aus dem Irak-Debakel streiten. Ehrlichkeit heißt für uns: Abschied zu nehmen von der Illusion, wir lebten in größerer Sicherheit, seien kein Angriffsziel des internationalen Terrorismus. Ehrlichkeit heißt für Amerikaner und Briten: Schadensbilanz zu ziehen in einem Krieg, der dem Terror nicht Grenzen gesetzt, sondern ihm ein neues Aufmarschgebiet und zahllose neue Aktivisten beschert hat.
Priorität aber hat heute das Leben von Susanne Osthoff. Natürlich darf der Staat keiner Erpressung nachgeben. Aber diese Forderung ist so wahr, wie sie wohlfeil ist. Wenn Lösegeld Leben retten kann, dann müssen Regierungen es auch zahlen – auf welchem Weg und unter welcher Camouflage auch immer. So haben es die Italiener und die Franzosen gehalten. Sie haben nicht verantwortungslos gehandelt.
Wir von der ZEIT haben im Frühjahr vier Wochen lang um das Leben unserer mutigen Kollegin Giuliana Sgrena gebangt. Heute sind unsere Gedanken bei Susanne Osthoff. Möge sie gesund heimkehren.
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 01.12.2005 Nr.49
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Nicht eine Aussage von der entführten Frau Osthoff zeigt auch nur irgend eine Kenntnis von der tatsächlichen Brisanz der Situation im Irak.
Auch wenn alle Gutmenschen in Europa "Helfen" grundsätzlich positiv bewerten und dann ab sofort alles Nachdenken über Folgen dieses "Helfens" unterlassen:
Es ist falsch, mehr noch:
Es ist ein Schlag in das Gesicht Derer, die sich dort WIRKLICH Mühe geben.
Die Mühe besteht genau darin, Hilfe zur Deseskalation der Lage im Irak zu leisten,
eben NICHT Hass und Feindschaft zu säen (unter dem Mäntelchen der Hilfsbereitschaft), sondern gleichzeitig selbst Verständnis für ALLE Beteiligten zu lernen und zu vertreten.
Frau Osthoff hat dieses nicht geleistet - in allen Aussagen Ihrerseits ist einseitige Parteinahme zu erkennen, ihre "Hilfe" ist (mehrfach von ihr betont!) eher eine Unterstützung der antidemokratischen Kräfte.
Auch wenn dieses besonders vielen Deutschen entgegenkommt (wird doch dadurch Deutschlands sehr unrühmliche Rolle im illegalen Ölhandel bis zur Entmachtung des Hussein-Regimes durch die USA im Mai 2003 sauber verdrängt),
es ist NICHT Aufgabe selbsternannter "Helfer", Hass und Feindschaft zu schüren.
Es gibt sehr viele Opfer dieser Entführungstaktik, die sich wirklich Mühe gegeben haben, zu helfen, und die verdienen auch Respekt.
Frau Osthoff gehört nicht in diesen Kreis.
Klar ist doch, daß Deutschland nach der Wahl von Merkel zur Kanzlerin ganz zentral im Fadenkreuz der internationalen Terroristen steht.
Derzeit gibt es zwei konkurrierende Ziele:
1. Merkel will auf die Bush-Ranch.
2. Die deutschen Bürger wollen keinen Terror im Land.
Mal sehen, wie es ausgeht. Die erste große Hürde wird die Fußball-WM sein.
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