Aus der Werkstatt

Die Herausgabe von Texten, die, wie im Falle von Wilhelm Heinse (1746 bis 1803), als Entdeckung gelten dürfen, lenkt unschwer die Aufmerksamkeit der Kenner und Liebhaber auf sich. Die oft nicht minder wichtige Erarbeitung des Kommentars hingegen, der sich hier auf Texte aus fünfunddreißig langen Lese- und Reisejahren, aus mehreren Sprachen wie Autoren von Hesiod bis Hemsterhuis, Malern von Apelles bis Mengs, Musikern von den Amati bis Méhul bezieht, wird nur zu gern als selbstverständliche Zugabe, nicht selten unbedankt, entgegengenommen.

Die Hefte mit Heinses handschriftlichen Aufzeichnungen liegen weder systematisch noch chronologisch (auch nicht vollständig!) vor, was die Arbeit nicht eben sehr viel leichter machte. Wir haben es weder, wie bekannte Gelehrte etwas voreilig wähnten, mit Aphorismen noch mit Werkstattmaterialien, weder mit einem reinen Tagebuch noch mit einer bloßen Exzerptenfolge zu tun. Die Hefte enthalten von all diesem genug, wozu noch die zuweilen scheinbar bloß hingeworfenen meisterhaften Beschreibungen von Kunstwerken, Bildern und Landschaften treten. Hier nun, im Kommentar, der ausführlich und genau ist, werden Quellen, Interessen, Anregungen deutlich.

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Erkennbar wird gelegentlich auch, wie sehr die viel gerühmte Spontaneität Heinses vorbereitet ist, sie wird also fiktiv. So wendet sich Heinse gleichsam aus dem Kunstwerk heraus erzählend an einen imaginären Betrachter.

Wenn die umfassende und schwierige Kommentierung, die so rasch nur durch eine Arbeitsgruppe geleistet werden konnte, alles Lob verdient, so hat auch der Hauptherausgeber in seinem Nachwort eine gute Biografie geliefert, deren man sich gern bedienen wird und die durch einige neu aufgefundene Briefe ergänzt werden konnte. Wenn sich nun ein Verlag dafür entscheiden könnte, eine neue Werkausgabe zu veranstalten, so wären die Herausgeber belohnt, das lesende Publikum aber bereichert.

Wilhelm Heinse: Die Aufzeichnungen

Frankfurter Nachlass - Band III, IV und V, hrsg. von Markus Bernauer u.a., Kommentar 1 und 2, sowie Verstreute Texte und Briefe, Bibliographie etc. in Aufzeichnungen - Hanser Verlag, München 2005 - 1679, 1255 u. 925 S., je Band 68,- e

 
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