Mark Spörrle, ZEIT-Redakteur, im Lexus RX 400 Hybrid Der Erbsenzähler
Eine Fahrt im Hybrid-Lexus – so schön kann Physikunterricht sein!
Wenn es in Deutschland um Autos geht, geht es – statt um Autos – immer gleich ums große Ganze, deshalb direkt zur Kernfrage: Bricht mit diesem Auto eine neue Ära an? Endet nun endlich die Zeit der zwei unvereinbaren autoökologischen Charaktere?
Bis jetzt gab es ja zwei Sorten von Autofahrern: die, denen die Umwelt egal war, denn ihr Nachbar wollte sie schließlich auch nicht retten. Und jene, die einen spritsparenden Kleinwagen fuhren oder gar ein Elektroauto oder ein Hybridfahrzeug (das nicht so heißt, weil es auch schwimmt, sondern weil es Benzin- und Elektroantrieb kombiniert). Diese mussten leiden. Unter höhnischen Blicken, wenn sie versuchten, mit ihren lausigen paar PS im Verkehr mitzuziehen. Unter dem Verzicht auf Großeinkäufe, Urlaub, Kinder, dafür war das Auto zu klein. Und unter der Angst vor der Autobahn voller Protzer, Drängler und Primitivlinge der ersten Sorte.
Doch nun kommt dieses Auto aus Fernost, das einerseits ein umweltfreundlicher Hybrid ist und andererseits ein geräumiger Allrad-SUV mit jeder Menge Kraft: Ein Auto zum Spritsparen und Spaßhaben zugleich – ist für Umweltfreunde das Dasein als Öko-Märtyrer also endlich Geschichte? Und für Protzer das Schicksal als Umweltsau?
Aufs Angeben muss man jedenfalls nicht verzichten. »Der Hybrid, richtig?«, fragt der junge Mann mit Blazer und Seidentuch, der mit der perlentragenden Frau Mama vorbeiflaniert. Man gehört zu einem exklusiven Kreis: In Deutschland werden dieses Jahr nur 600 Stück ausgeliefert; 400 waren schon reserviert, bevor der RX 400 h auf den Markt kam.
Kaum weniger beeindruckend das Anfahren. Beim Drehen des Zündschlüssels passiert – nichts. Kein Motor brummt, grollt, egal, wie heftig man auch dreht. Nur ein leises Piepsen und die Anzeige »Ready« verraten, dass man längst losfahren kann, lautlos wie ein gut geölter ICE: Bei langsamer Fahrt zieht allein der vordere Elektromotor den Lexus, Fußgänger starren einem nach und Radfahrer verreißen geschockt den Lenker, überholt man sie von hinten. Erst ab etwa Tempo 30 übernimmt sanft der Verbrennungsmotor. Beim kräftigen Tritt aufs Gas schaltet sich der vordere Elektromotor wieder dazu, bei Bedarf noch der hintere. Dieses Drehmoment! Fliehkräfte pressen einen in den Sitz, man hört sich das Thema von Raumschiff Enterprise trällern, die Drängler und Primitivlinge auf der linken Autobahnspur flüchten seitwärts, kaum haben sie das Geschoss im Rückspiegel gesehen, man möchte »Warp-Antrieb!« rufen. Doch bei 200 km/h regelt der Lexus automatisch ab, um die Elektromotoren zu schonen.
Solcher Spaß hat seinen Preis. Auf der Testfahrt mit einem subjektiven Mix aus Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn (bei teils hoher Reisegeschwindigkeit) verbraucht der Lexus eben doch neun Liter. Für jedes schmalbrüstige Fünf-Liter-Gefährt unglaublich viel. Für einen Benzin-SUV unglaublich wenig, auch wenn mancher Diesel-SUV im Verbrauch ähnlich liegt. Aber erstens kann der Schritt, spritsparende Umwelttechnik auch für Hedonisten selbstverständlich zu machen, ruhig einmal gefeiert werden (auch wenn man hofft, dass Ingenieure längst an noch sparsameren Nachfolgern tüfteln). Zweitens hat der Lexus im städtischen Flaniertempo, der bevorzugten Geschwindigkeit heutiger SUVs, dank Elektroaggregat einen unschlagbaren Vorteil – Benzinverbrauch null! Und drittens schluckt dieses Auto ohnehin immer weniger, je länger man es fährt.
Das liegt vor allem an dem Display in der Mittelkonsole.
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Serie Autotest
- Quelle (c) DIE ZEIT 01.12.2005 Nr.49
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