Billig geht Kultur zugrunde

Marcus Rohwetter: Alle unter Kontrolle, ZEIT Nr. 47

Der Verfasser lässt einen wichtigen Grund für die schlechte Behandlung und Bezahlung völlig außer Acht. Der eigentliche Beweggrund, das sind nämlich wir. Wir Konsumenten, von denen bestimmt 70 Prozent bei Aldi, Lidl oder Schlecker einkaufen.

Wir fordern Lebensmittel zu minimalen Preisen, reagieren sofort gereizt, wenn der Nachschub aus dem Lager nicht in Sekundenschnelle im Regal liegt, warten nervös an der Kasse und sind gottfroh, wenn die Kassiererin 120 Artikel möglichst schnell über die Kasse zieht. Außerdem sind wir es, die möglichst lange Öffnungszeiten wünschen.

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Ist es nicht klar, dass die Filialleiter versuchen, möglichst effizient zu wirtschaften? Die Verkäufer/-innen werden getrimmt, um den Kunden möglichst zufrieden zu stellen. Und mehr Arbeiter als unbedingt nötig kann und will heutzutage keiner beschäftigen.

Wir finden, dass man die Ursachen für solche Missstände etwas tiefgründiger suchen sollte. Es genügt nicht, die Chefs als böse und geldgierig zu betiteln, sondern man sollte sich vielleicht auch an die eigene Nase fassen.

KATHARINA SENGER, ANNE GALLMANN, KATHARINA MUTTER, SCHEFFEL-GYMNASIUM BAD SÄCKINGEN, KLASSE 12

Wir erleben eine umfassende Aldisierung der Gesellschaft, in der man uns glauben machen will, alles sei nicht nur jederzeit und überall, sondern auch fast umsonst zu haben. Neben der Erfahrung, dass das Billige nicht das wenige Geld wert ist, werden jetzt die zerstörerischen Einflüsse der Geil-&-blöd-Kampagnen auf den Arbeitsmarkt und damit die Kaufkraft offenbar.

Im Sog dieser Abwärtsspirale gehen neben ökonomischen Werten auch unverzichtbare soziale und kulturelle Mechanismen verloren. Der König Kunde sitzt mit dem Galeerensklaven auf demselben sinkenden Schiff!

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