Börse: Fußballverrückt
Was bringt die Fußballweltmeisterschaft für die Börse? Fallende Kurse, sagt ein Forscherteam von drei internationalen Business Schools. Die Experten haben mehr als 1100 internationale Fußballspiele und ihren Effekt auf Aktienkurse untersucht. Ergebnis: Wenn ein Nationalteam ein wichtiges Match verliert, reagiert die heimatliche Börse mit einem Kursabschlag. Umgekehrt gibt es keinen messbaren Effekt, wenn ein Sieg errungen wird.
Der Dämpfer durch Niederlagen fällt umso stärker aus, je wichtiger ein Spiel ist - also je nachdem, ob es etwa um die Qualifikation zur WM geht oder um das Ausscheiden in der Endrunde. Vor allem in fußballbegeisterten Ländern ist die Wirkung zu beobachten. Doch die Forscher haben in anderen Staaten einen ähnlichen Zusammenhang bei Niederlagen in Kricket-, Rugby- oder Basketballturnieren nachgewiesen. Als Erklärung für die Börsenreaktion taugten nüchterne ökonomische Faktoren nicht, etwa geringere Konsumlust, sagen die Experten. Studien wie unsere zeigen, dass die Wirtschaft von Kräften beeinflusst wird, die mit rationalem Denken wenig zu tun haben, erklärt Diego Garcia, Assistant Professor an der Tuck School of Business at Dartmouth.
Müssen Anleger vor der WM also auf fallende Kurse spekulieren? Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Wie sich der Gewinn der Weltmeisterschaft im eigenen Lande - wenn man denn dran glaubt - auf die Börse auswirkt, darüber können Forscher nichts sagen. Um sichere Aussagen abzuleiten, ist diese Konstellation zu selten - aber unmöglich ist sie nicht.
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 49/2005
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