Das große Rätselraten
Vor einem Jahr begann der Falk-Prozess. Er galt als einer der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Nun zeigt sich: DieBeweise sind unerwartet dünn
Der Falk-Prozess hat Geburtstag. Vor einem Jahr begann am Hamburger Landgericht das Verfahren gegen den so genannten Stadtplan-Erben, das sogleich zu einem der größten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte hochgejubelt wurde - der Name Falk hat, jedenfalls in Hamburg, glamouröses Gewicht.
Zum Feiern bietet das Jubiläum naturgemäß keinen Anlass. Aber Beteiligte und Beobachter erleben so etwas wie eine Zäsur. Oder einen Scheitelpunkt, wie Gerhard Strate, einer der Verteidiger, sagt. Denn niemandem, auch den Anklägern nicht, kann verborgen bleiben, dass es, dezent formuliert, außerordentlich schwer fallen wird, einen Schaden nachzuweisen. Darauf aber kommt es an in einem Betrugsprozess wie diesem.
Und so rätselten die Beobachter auf den Fluren, wie es dem Gericht gelingen könne, der neuen Lage ohne Gesichtsverlust zu begegnen. Die Lösung war konsequent, wenn auch in ihrer Unmittelbarkeit überraschend: Die ausgesetzten Haftbefehle werden aufgehoben, denn die Kammer sehe diesbezüglich keine hinreichend hohe Wahrscheinlichkeit mehr, dass sich der Tatbestand eines vollendeten Betruges auch hinsichtlich des Merkmals eines Vermögensschadens als erfüllt erweisen werde. So kann man es auch sagen.
Zur Erinnerung: Alexander Falk hatte in den Jahren vor der Jahrtausendwende in der Schweiz und in Deutschland ein Gespinst von Internet-Dienstleistern aufgebaut, unter dem Dach der Ision AG. Ende 2000 verkaufte er sein Lebenswerk an den britischen Telekom-Anbieter energis plc - zu einem auch in Zeiten des verblichenen Neuen Markts ansehnlichen Preis von 762 Millionen Euro. Zwei Jahre später waren alle miteinander in die Pleite gestürzt, aber das tut hier nichts zur Sache.
Falk und fünf anderen Exmanagern wurde bald vorgeworfen, sie hätten das Ision-Zahlenwerk geschönt, um den Preis für die Braut hochzutreiben. Betrug, Kursbetrug, Bilanzfälschung, Steuerhinterziehung, so lauten die einschlägigen Fachbegriffe. Als Schadensumme standen, bis vor ein paar Tagen, noch gut 46 Millionen Euro im Raum, die Staatsanwälte hatten auch mal 530 Millionen ausgerechnet.
Schon vor Prozessbeginn war so einiges aus dem Ruder gelaufen. Der Hinweis darauf, dass Falk da schon unglaubliche 18 Monate in Untersuchungshaft saß, es wurden schließlich 22, mag das belegen - Richter wurden wegen Verdachts der Befangenheit abgelehnt - Akten führten ein sonderbares Eigenleben - das Klima war vergiftet.
Den Anklägern brechen die Argumente weg
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 49/2005
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