Die Paris Bar ist pleite, jetzt gehen alle hin

Alle haben hier gefeiert: Claudia Schiffer, Madonna und David Bowie. Die Paris Bar ist seit den siebziger Jahren eine Westberliner Institution. In den vergangenen Jahren feierten die Hauptstädter und ihre Gäste aber immer öfter im ehemaligen Osten Berlins. Jetzt ist die Paris Bar pleite, dafür aber so beliebt wie schon lange nicht mehr. Die Schließung des Restaurants ist noch nicht beschlossene Sache, aber man konnte bereits seitenlange Nachrufe lesen, in denen sogar die als Harnsteinzimmer bekannt gewordene Toilette beweint wird.

Ortstermin: An den Wänden hängen Gemälde, die Gäste sitzen an dicht gestellten Tischen. Das gehört zum Konzept. Die Enge führt dazu, dass man nicht nur Gerhard Schröders Zigarrenqualm einatmen darf, sondern auch noch Otto Sander anrempelt, wenn man sich an ihm vorbei zum Klo drängelt, erklärt einer, der den Laden gut kennt. Heute Abend ist noch kein Prominenter in Sicht. Ein freier Stuhl aber auch nicht. Kein Platz, Madame!, raunzt der Kellner und verbannt uns in den benachbarten Ableger Bar du Paris. Der ist genau so pleite, aber weniger mondän.

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Hinter dem Tresen stehen fünf Menschen. Ihre langen, weißen Schürzen lassen vermuten, dass sie Kellner sind, ihr Verhalten nicht: Sie rauchen und schreiben SMS. Der schlechte Service gehört hier dazu, erklärt eine Dame mit toupiertem Haar und lila Kostüm. Sie weiß das aus der Zeitung, denn heute ist sie zum ersten Mal hier. Ich habe die letzte Chance ergriffen, damit ich mitreden kann, wenn der Laden dichtmacht, verrät sie. Dann geht sie die Toilette besichtigen. Ein anderer kennt die Bar seit über 30 Jahren. So voll sei es in den Monaten vor dem Bankrott nie gewesen: Die drohende Schließung ist eine unglaubliche Werbung.

 
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