Gefragt
Sie haben den Vendy-Preis für Ihren Würstchenstand in Manhattan erhalten. Wie haben Sie es als Deutscher geschafft, sich gegen 10 000 Konkurrenten durchzusetzen?
Ich verkaufe nicht nur zehn verschiedene Sorten echt leckere Wurst, Rotkohl, Sauerkraut und Bratkartoffeln, sondern auch die dazugehörige Philosophie.
Meine Kunden können zum Beispiel zwischen Democracy Special oder Dictator Special wählen. Demokratie ist teurer - für acht Dollar kann der Käufer selbst entscheiden, welche Wurstkombination er essen möchte. Diktatur kostet nur sechs Dollar, dafür bestimme ich, welche Würstchen der Kunde bekommt. Die meisten entscheiden sich für Diktatur, weil das billiger ist. So etwas lieben die Amis - die sind wie große Kinder.
Sind Ihre Kollegen neidisch, dass die Leute bei Hallo Berlin eine halbe Stunde für German Wurst anstehen und keiner mehr ihre Hot Dogs essen will?
Nein, ich bin mittlerweile eine echte Institution in Manhattan, und meine Kollegen haben großen Respekt vor mir. Alle haben mir gratuliert, als ich den Preis gewonnen habe. Außerdem sehen die ja selbst, dass es bei mir immer sauber ist und ich schnell und freundlich bin. Ich habe einen neuen Standard gesetzt mit meinen deutschen Tugenden.
Wie wird ein Ossi aus Hoyerswerda zum berühmtesten Wurstverkäufer von New York?
Ich wollte schon immer selbstständig sein, aber das konnte man ja in der DDR nicht. Deshalb habe ich 1974 einen Ausreiseantrag gestellt und bin ein Jahr später nach West-Berlin gekommen. Dort habe ich fünf Jahre lang jede Nacht Milch ausgefahren, aber das war auch nicht das Wahre. Also bin ich 1981 nach Amerika ausgewandert. Hier habe ich meinen Karren direkt neben dem Lufthansa-Gebäude auf der Fifth Avenue aufgestellt und bei Wind und Wetter meine Würstel angepriesen.
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 49/2005
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