Gegen alle Widerstände
Auf einer Hamburger Tagung erzählen junge Einwanderer ihre Erfolgsgeschichten
Kinder aus Migrantenfamilien lesen schlecht, schreiben schlecht, machen keinen Schulabschluss - diese Stereotypen kennt jeder. Doch auch wenn die Bildungsstatistiken zum Teil ernüchternd sind: Es gibt viele Erfolgsgeschichten von Kindern und Jugendlichen aus bikulturellen Familien.
Die Körber-Stiftung hat kürzlich einige auf einer Tagung in Hamburg vorgestellt.
Da ist die Studentin Sarah Forster, Vater Engländer, Mutter Deutschpolin. Mit 13 Jahren kam sie nach Deutschland. Ihr Deutsch war nicht gut. Trotz hervorragender englischer Zeugnisse wurde sie zwei Jahre zurückgestuft. Sie bekam keinerlei Förderung. Zurück in England, machte sie die mittlere Reife, wieder in Deutschland, wurde die nicht anerkannt. Ihr Schulleben glich einem Hürdenlauf. Doch auch wenn ihr Deutsch immer noch nicht perfekt ist - Grammatik hab ich nie gelernt -, Sarah hat ein gutes Abitur gemacht. Sie will Lehrerin werden.
Oder Juri, ein Aussiedlerjunge aus Russland. Auch er hat nie Förderung bekommen und doch Abitur gemacht. Jetzt wird er bei der Bundeswehr dienen, später will er studieren. Juri erzählt von einer Ethiklehrerin, die freimütig bekannte: Ich mag Russen nicht. Rückblickend hat Juri vor allem einen Wunsch: Ich hätte lieber keinen so deutlich russischen Namen gehabt.
Die jungen Leute, die auf der Tagung der Körber-Stiftung und des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften ihre Geschichte erzählten und mit Experten diskutierten, wunderten sich, dass Migration von den Inländern so wenig als Chance, als Gewinn begriffen wird. Dass so wenig Interesse da ist.
Keiner hat je gefragt: Was brauchst du, Sarah? In die Freude über das Gelingen bikultureller Biografien mischt sich eine gewisse Ratlosigkeit über das Einwanderungsland Deutschland. Sarah Forster beklagt das Schicksal ihrer kleinen Schwester, die, nicht ein Deut dümmer, aber weniger selbstbewusst, in der deutschen Schule gegenwärtig komplett scheitert. Keiner macht ihr Hoffnung, und wenn die Hoffnung weg ist, dann sind die Kinder nicht mehr aufzufangen, sagt die große Schwester.
Dabei gibt es längst Programme, die solch Elend nicht mehr zulassen sollten.
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 49/2005
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