Immer auf die Kleinen
Die Deutsche Bahn erweist sich als schlechte Verliererin. In Schleswig-Holstein behindert sie einen kleinen Konkurrenten
Hamburg/Westerland
Muffige Waggons mit Postkutschen-Charme, die Türen zu öffnen eine Kraftprobe, die Toiletten, nun ja - eine Fahrt mit der Regionalbahn in Schleswig-Holstein trug bisher nur selten zur Vorfreude auf Nordseeurlaub bei. Doch am 11. Dezember soll alles anders werden. Reisefreude in 60 nagelneuen, klimatisierten Waggons verspricht die Nord-Ostsee-Bahn (NOB). Das Tochterunternehmen des französischen Regionalverkehrs-Konzerns Connex hat den Zuschlag erhalten, als das Land Schleswig-Holstein die 240 Kilometer lange Strecke Hamburg-Westerland auf den Markt warf. Deutschlands Jetset atmet auf.
Endlich freie Fahrt mit der Bahn von München nach Sylt!
Freie Fahrt? Ach wo! Von Süden kommend, ist am Hamburger Hauptbahnhof Schluss. Dort hat der Reisende nach dem Willen der Deutschen Bahn seinen Intercity zu verlassen. Er hat sein Gepäck treppauf, treppab zur S-Bahn zu schleppen, welche ihn quer durch die Hamburger Innenstadt, wo die Bahn gerne ihren Firmensitz ansiedeln würde (Seite 29), zum Altonaer Bahnhof befördert.
Dann nur noch ein paar Treppen, schon ist der schicke neue Zug der NOB erreicht.
Ginge es vielleicht auch etwas weniger umständlich? Auf diese Frage gibt es drei Antworten. Die erste stammt von der Deutschen Bahn und lautet: Nein, keinesfalls. Die zweite stammt ebenfalls von der Bahn, wurde allerdings nach einer Intervention des Eisenbahn-Bundesamts zugunsten des kleinen Konkurrenten und einem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln in dieser Sache zugunsten der Bahn erteilt. Sie lautet: Etwas einfacher ginge es schon - der eine oder andere Güterzug könnte ein bisschen warten, sodass die Konkurrenz wenigstens manchmal bis zum Hauptbahnhof durchfahren könnte - ein Angebot, das die NOB dankend ablehnte: zu viel Unregelmäßigkeit im Fahrplan schadet dem Geschäft.
Die dritte Antwort stammt von Joachim Kemnitz vom Fahrgastverband Pro Bahn.
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 49/2005
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