DIE ZEIT: Herr Grass, Sie haben für die nächste Woche ein knappes Dutzend Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu einem Treffen eingeladen. Planen Sie eine neue Gruppe 47?

Günter Grass: Vor der Bundestagswahl hatte ich schon einmal ein paar jüngere Autoren eingeladen und gefragt, ob sie nicht Wahlkampf machen wollten. Daraus wurde ein Streitgespräch, ob man sich überhaupt politisch engagieren soll. Anfangs waren alle unschlüssig. Wenn man so etwas macht in Deutschland, wird man zur Zielscheibe des Feuilletons, mit den albernsten Vorwürfen: Politik verderbe nicht nur den Charakter, sondern auch den Stil und was weiß ich nicht alles. Ich hatte gleich beim ersten Treffen gesagt: Das soll nicht nur eine Veranstaltung sein, die den Wahlkampf betrifft. Lasst uns ins Gespräch kommen zwischen den Generationen, das soll in jedem Fall eine Fortsetzung finden. Jetzt ist der Wahlkampf vorbei, nun hab ich sie wieder eingeladen in mein Lübecker Büro.

ZEIT: Dieses Treffen hat nun keinen dezidiert politischen Hintergrund mehr?

Grass: Sicher werden wir auch über Politik reden. Aber ich habe vorgeschlagen, da wir in erster Linie Schriftsteller sind, über Literatur zu reden und auch vorzulesen, aus dem Manuskript, ein Werkstattgespräch zu machen.

ZEIT: Fürchten Sie nicht, dass nun gelästert wird: Das ist nur die Fortsetzung des Wahlkampfs mit anderen Mitteln?

Grass: Nö. Ich fürchte überhaupt nichts. Es gab ein Interesse daran, miteinander zu reden und auf zivilisierte Art zu streiten. Bei vielen kamen Terminprobleme dazwischen. Die jungen Autoren heute sind ja unentwegt unterwegs. Das wird eine meiner Fragen bei dem Treffen an die jüngeren Kollegen sein: Wann sie überhaupt zum Arbeiten kommen.