ausstellung Tunnel nach Nirgendwo

Horror in Hannover: Die Ausstellung »Night Sites« erkundet die Mechanik der Angst

Es ist das Klopfen, das so unangenehm ist. Tooock, tockkk, toock macht es, ganz sanft, ganz bedeutungslos eigentlich, in einem eigenen Rhythmus, mit einem ruhigen Schlag. Das schwarze Ding, das da gegen die Wand stößt, sieht aus wie eine Kugel, die mit Klebeband umwickelt ist. Es könnte alles sein, ein Ball oder ein Spielzeug oder ein Kopf. Das Dunkel ist ein eigentümlicher Spiegel; jeder kann darin sehen, was er will.

Tockk, toock, toooock; kurz geht das Licht an, die Lampen strahlen grell, dann ist da wieder nur diese Filmprojektion auf das Brett, das hier schräg lehnt, an der Mauer aus schweren Steinen, mit einem Projektor, der surrt, und Kabeln, die herumliegen, und ein paar Lampen. Vor einer Weile hätte man den formalen Aufbau dieser Installation der Künstler Stephanie Smith und Edward Stewart beachtet; heute, im Zeitalter der Angst, sucht das Auge unweigerlich nach etwas anderem, nach etwas Bedrohlichem, nach einer dunklen Andeutung. Wir leben, so scheint es, in einem Hallraum latenter Furcht, da wird aus dieser an sich harmlosen Hand, die mit glänzend schwarzem Tape umwickelt ist, schnell ein Bild von Schock und Folter.

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Die Dämonen kommen nachts, das war schon immer so. Was sich ändert, ist die Art und Weise, wie wir unsere persönlichen Teufel begrüßen.

Der Doktor Freud, der vor etwas mehr als hundert Jahren seine Traumdeutung unternahm, suchte im Dunkel des Bewusstseins noch nach einer Bedeutung für das Leben; die Künstler, die heute ihre Albtraumdeutung unternehmen, lassen alles Psychologisieren beiseite und erkunden lieber direkt die Mechanik der Angst. Sie zerlegen unsere Wahrnehmung, um zu verstehen, wie die Furcht funktioniert; und nicht, was das bedeutet.

Im Kunstverein Hannover wurde einigen von ihnen jetzt zu diesem Zweck ein kleiner Parcours eingerichtet, eine Art Geisterbahn der Gegenwart, eine dunkle Ausstellung, die Night Sites heißt und gleich mit einer Verbeugung vor einem der heutigen Ahnväter der Angst beginnt, vor dem Bildermacher des Unbehagens, vor David Lynch also. Der Ort, wo der Horror dieser Tage zu Hause ist, ist ja eigentlich das Kino und nicht das Museum; es ist auch kein Zufall, dass Freuds Traumdeutungen und die ersten Filmvorführungen fast zur gleichen Zeit begannen.

Denn das Dunkel braucht das Licht, wer wüsste das besser als die Filmemacher. Die kleinen Kameras und Scheinwerfer im ersten Raum der Ausstellung greifen wie gierige Arme nach den Miniaturfiguren, die die beiden Amerikaner Jennifer und Kevin McCoy aufgebaut haben. Ein weißer Gartenzaun mit Blumen davor, eine Frau in der Küche, Nachbarn, Bäume, Hunde, der Friede der Vorstädte. Soft Rains, Suburban Horrors heißt der arglose Puppenschrecken, den die McCoys da auf zwei Tischen hergerichtet haben – jedes Spielzeug-Element ein eigenes Filmsetting, von wo das Geschehen mit den Kameras live auf eine Leinwand übertragen wird. Aus der Künstlichkeit und Kindlichkeit der statischen Szenerie wird so allein durch die Schnitte ein Film, der seine eigene Dynamik bekommt, vom Idyll am Anfang bis zum blutigen Eifersuchtsdrama am Ende. Und doch geht diese Arbeit nur einen Teil des Weges, zeigt allzu direkt, was wir schon wissen: Die Wirklichkeit ist eine Konstruktion, die wir Film nennen, und nur die Angst ist real.

Die Furcht ist da, das mögliche Verbrechen, der spurlose Schnee

Und nur die Angst hievt uns über die Untiefen der Zeit. Bei Lynch sind es die Pubertät und das sexuelle Erwachen, die den Ausgangspunkt seiner Erkundungen bilden. Die beiden McCoys gehen mit ihrer zweiten Arbeit Double Fantasy noch einige Jahre weiter zurück, in ein Unschuldsreich vor dem Begehren – die gekippte Installation mit ihren Hochzeits- und Ritterfantasien hängt allerdings doppelt schräg im Raum und auch zwischen den Zeiten, da sie dem Gefühl des Dunklen nichts Greifbares gibt und sich nicht zwischen Zeigen und Erklären entscheiden kann.

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