Reporter, die am Mittag des 27. September ins Ludwig Erhard Haus in der Berliner Fasanenstraße strebten, machten eine ungewöhnliche Erfahrung. Bevor sie den Eingang zur dort anberaumten Pressekonferenz mit dem Klonforscher Hwang Woo-Suk passieren durften, wurden ihre Personalausweise kontrolliert. Sicherheitsgründe, hieß es. BILD

In Wahrheit dürfte die Gefahr für ihn vor zwei Monaten weit geringer gewesen sein als heute. Denn das war, bevor der Skandal um illegal für Forschungszwecke gespendete Eizellen aufflog. Im September war der Veterinärmediziner aus Südkorea noch der große Star der Klonwissenschaft, im eigenen Land als Nationalheld abgöttisch verehrt. Die koreanische Post hatte eine Sonderbriefmarke zu seinen Ehren herausgegeben, sein Fanklub im Internet zählt 15000 Mitglieder. Und Korean Air bedachte den "Schatz der Nation" mit kostenlosen First-Class-Tickets für die nächsten zehn Jahre.

Auf der Berliner Pressekonferenz konnte Hwang noch stolz seine Erfolge präsentieren: Snuppy, den ersten geklonten Hund der Geschichte, die Gewinnung der ersten Stammzellen aus einem geklonten menschlichen Embryo, die Herstellung patientenspezifischer Stammzellkulturen aus geklonten Embryos – alles Experimente, die den vor wenigen Jahren noch völlig unbekannten Forscher von der Seoul National University ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit katapultiert haben.

Hwang traf in Berlin auch auf den deutschen Stammzellforscher Hans Schöler. Der Direktor am Münsteraner Max-Planck-Institut für molekulare Medizin ist mit Hwang gut bekannt und lächelte ein bisschen verlegen, als er vom Klonkönig als "best friend from Germany" angesprochen wurde. Ob diese Freundschaft Bestand hat, ist derzeit offen. Und das hat mit der unbequemen Frage zu tun, die Hwang sich nach seinem Vortrag von einer Journalistin gefallen lassen musste: Ob es wahr sei, dass Frauen aus seinem Team für sein Forschungsprojekt eigene Eizellen gespendet hätten? Hat Hwang also gegen die Deklaration von Helsinki und damit gegen den internationalen Ethikstandard der Ärzte verstoßen? Hat er Abhängige missbraucht, um an den wertvollen Rohstoff für seine Arbeit zu kommen?

Eizellen sind unabdingbar für Klonprojekte, und das erstmals 2004 von Nature kolportierte Gerücht, Hwangs Doktorandinnen hätten sich an dem Eispendeprogramm beteiligt, war nie verstummt. Hwang hatte diese Vorwürfe stets dementiert. Auch in Berlin beteuerte er freundlich lächelnd, alles sei mit rechten Dingen zugegangen (ZEIT Nr. 22/05). Das war voreilig.

Am 12. November trennte sich sein amerikanischer Kooperationspartner, der Stammzellforscher Gerald Schatten von der Pittsburgh University, unter Verweis auf fragwürdige Praktiken in Hwangs Labor von dem Südkoreaner. Unter dem wachsenden internationalen Druck musste dieser schließlich in der vergangenen Woche eingestehen, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zutreffen.

Nun steht der Weltstar als Lügner da. Es hilft wenig, wenn er beteuert, nur zwei seiner Mitarbeiterinnen hätten – gegen seinen Willen und ohne sein Wissen – unter falschem Namen gespendet. Als obendrein bekannt wurde, dass 20 weitere Frauen für ihre Eispende mit je 1200 Euro honoriert worden waren, behauptete er wiederum, dies sei ohne sein Wissen geschehen; er habe erst später von den Vorgängen erfahren.