Rettet den Facharbeiter!

Wenn die deutschen Bildungspolitiker nicht aufpassen, wird die Berufsausbildung in Europa nach britischem Vorbild umgebaut - auf niedrigstem Niveau

Zurzeit spielt Großbritannien in Europa meist die Rolle des Klassenbesten, mit einem beeindruckendes Wirtschaftswachstum und einer niedrigen Arbeitslosenquote. Doch gleichzeitig und fast unbemerkt kämpft das Land mit einer beachtlichen Innovationsschwäche. Bestes Beispiel: Im Ursprungsland der industriellen Revolution gibt es bis auf Rover keine englischen Autos mehr. Das hat seinen Grund, denn Großbritannien verfügt über eines der schwächsten Ausbildungssysteme in Europa. Leider soll es nun als Vorbild für die ganze EU dienen.

Die ehemals im Vereinigten Königreich hoch entwickelte Ausbildung von Lehrlingen, Technikern und Meistern ist zu einer Anlerntradition geworden.

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Seit Mitte der achtziger Jahre gibt es den groß angelegten Versuch, ein umfassendes Zertifizierungssystem einzuführen - ein radikaler Bruch mit einer geregelten, nach Berufen geordneten Ausbildung. An deren Stelle tritt eine für Betriebe und Jugendliche unüberschaubar große Zahl definierter Fertigkeiten (National Vocational Qualifications, NVQ). Nach dem Ende der Schulpflicht mit 16 Jahren entscheidet jeder Einzelne, wo und wie er sich welche Fertigkeiten aneignet und von einer der zahlreichen Zertifizierungsstellen bescheinigen lässt, und dann heißt es Scheine sammeln.

Das Ziel, auf diese Weise im Vereinigten Königreich höchste Flexibilität bei der Qualifizierung von Fachkräften sowie im Arbeitsmarkt herzustellen, wurde gründlich verfehlt.

Diese Entwicklung in Großbritannien müsste weder Schüler noch Firmen in Deutschland sonderlich interessieren, wenn es nicht seit 2002 eine Vereinbarung der europäischen Bildungsminister gäbe, genau dieses System zum Vorbild für die Etablierung eines europäischen Berufsbildungsraumes zu machen. Damit könnten, so das überzeugend klingende Argument, Transparenz und Vergleichbarkeit hergestellt werden. Die Logik ist einfach. Je kleiner die Häppchen sind, in die man Berufe und berufliche Fähigkeiten unterteilt, umso besser lassen sich Qualifikationen international miteinander vergleichen.

Modularisierung ist das englische Rezept für die Realisierung eines europäischen Qualifikationsrahmens. Das klingt verlockend, wäre aber für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft fatal. Vor allem drei Gründe sprechen dafür, den Weg in eine Atomisierung beruflicher Qualifizierung nicht mitzugehen.

Eine gute Ausbildung garantiert Engagement

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