Schach
Der russische Schachweltmeister Wladimir Kramnik (29), der im Jahre 2000 seinem ehemaligen Mentor Garry Kasparow den WM-Titel überzeugend und ohne Verlustpartie abnahm und diesen Ende vergangenen Jahres gegen den Ungarn Peter Leko mit einem 7:7-Unentschieden durch einen Sieg in der allerletzten Partie gerade noch verteidigte, befindet sich seit etwa zwei Jahren in einer schwierigen Phase. Seine Turnierergebnisse sind für einen Weltmeister mäßig, manchmal wirkt er trotz seiner jungen Jahre kraftlos und ausgelaugt.
Das Dortmunder Sparkassen Chess Meeting im Sommer sollte eine Wende einleiten: Hier, »in seiner guten Stube«, wo auch sein Freund und Manager Carsten Hensel wohnt, hatte er in der Vergangenheit ein ums andere Mal aufgetrumpft, doch diesmal schaffte er nur 50 Prozent der Punkte.
Kramnik äußerte sich in New in Chess: »Es ist frustrierend. Du verstehst das Spiel. Du weißt, welchen Zug du machen musstest und aus irgendeinem Grund nicht machtest. Nicht, dass du schlecht gespielt hättest; ich habe nicht den Eindruck, an Spielstärke einzubüßen. Ich glaube, wenn ich einfach weitermache, wird’s schon wieder klappen.«
Um dann humorvoll hinzuzufügen, er hoffe nicht, dass die Dinge sich wie in der Geschichte der zwei Männer entwickelten: Als der eine den anderen nach dem Befinden fragt und Letzterer antwortet: »Es ist schrecklich. Meine Frau betrügt mich, wir werden geschieden, mein Sohn nimmt Drogen, und zu allem Übel habe ich meine Arbeit verloren.« Sagt der andere: »So etwas passiert. Manchmal hast du eine weiße, manchmal eine schwarze Phase.« Sechs Monate später treffen sie sich wieder, und auf die kürzliche Frage nach seinem Befinden meint er: »Erinnerst du dich, was du mir über diese weißen und schwarzen Phasen sagtest? Nun, meine damalige stellte sich als weiße heraus!«
Vermutlich wird es im Rahmen der Einigung der Schachwelt zu einem Titelkampf zwischen ihm und Wesselin Topalow (Bulgarien) kommen. Vielleicht kann Kramnik dann wieder an seine Glanzzeiten anknüpfen, beispielsweise als er im Frühjahr 2003 in Monaco schon am Ende einer fantastischen Kombination jenen Topalow mit einem wunderschönen Zug zur Aufgabe bewegte! Was zog er als Weißer am Zug? Helmut Pfleger
Auflösung aus Nr. 48:
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 01.12.2005 Nr.49
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