Stimmt’s? Schlaflos glücklich

Depressionen sollen angeblich nicht nur mit Medikamenten oder Psychotherapien, sondern auch durch Schlafentzug geheilt werden können. Stimmt das? Benedict Münter, Düsseldorf

Fast jeder von uns kennt diesen seltsam euphorischen Zustand, den man manchmal nach einer durchfeierten Nacht erlebt. Man fühlt eine wohlige Aufgedrehtheit, obwohl der Körper doch eigentlich vollkommen erschöpft ist. Erst Stunden später übermannt einen dann umso heftiger die Müdigkeit.

Offenbar geht dabei irgendetwas im Gehirn vor. Was genau geschieht, ist wissenschaftlich allerdings nicht geklärt. Durch viele Versuche konnte aber bewiesen werden, dass diese Stimmungsaufhellung auch bei depressiven Menschen sehr gut funktioniert. Deshalb wird bei ihnen der Schlafentzug als Therapie angewandt. In einer kontrollierten klinischen Umgebung bleiben die Patienten entweder die ganze Nacht wach, oder sie werden – bei einem partiellen Schlafentzug – nur in bestimmten Schlafphasen, dem Tiefschlaf, aufgeweckt.

Der Vorteil dieser Therapie liegt auf der Hand. Sie hat außer einer gewissen Müdigkeit keine Nebenwirkungen, im Gegensatz zu Psycho-Medikamenten. Der Nachteil: Leider hält die Wirkung maximal ein paar Tage an, von einer Heilung kann keine Rede sein. Deshalb empfehlen viele Therapeuten depressiven Menschen, ein bis zwei Nächte pro Woche auf den Schlaf zu verzichten. Christoph Drösser

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Audio: www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Schlaf und Schlafen, Träume und die Ruhe in der Nacht spielen für unsere menschliches Leben, wie auch für sämtliche Lebewesen eine ganz wichtige Rolle. Das Immunsystem wird unter anderem im Schlaf aufgebaut, Abwehrkräfte gesammelt und das Hormonsystem kommt zur Ruhe. Schlafentzug ist aus meiner Sicht grundsätzlich zu unterlassen. Vielmehr sollte man nach den Ursachen der Depression fragen und sie in ihrer Ursache nach auf den Grund gehen und behandeln. Es gibt viele Behandlungsformen, auch ohne Medikamente. Gruß vom Allgemeinarzt der oft Patienten mit Depressionen behandelt.

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