Teufelskerle der Wall Street

Hedge Fonds haben sich zur treibenden Kraft an den Aktien- und Finanzmärkten entwickelt. Doch die Skandale häufen sich von 

Es war das Ereignis der Saison. Über die Versteigerung von Nachkriegskunst Mitte November beim Edel-Auktionator Christie's in New York hatte die Szene monatelang geflüstert. Und so gaben sich Kenner und Sammler im Rockefeller-Saal ein Stelldichein. In der ersten Reihe saß Hollywood-Star Steve Martin. Doch weit mehr Getuschel löste die Tatsache aus, dass in einer der Logen über dem Saal Steven A. Cohen erspäht wurde. Der milliardenschwere Gründer des Hedge Fonds SAC Capital Management hat sich eine beachtliche Sammlung mit Werken von Jackson Pollock und Andy Warhol bis hin zu Claude Monet und Edouard Manet geleistet.

Geschmack an der Kunst hat auch Kenneth Griffin, Kopf des zwölf Milliarden Dollar schweren Citadel-Fonds, gefunden. Satte 60 Millionen Dollar blätterte Griffin unlängst für ein Stillleben von Cézanne hin. Für Hedge-Fonds-Manager geradezu Kleingeld: Eddie Lampert, der im vergangenen Jahr den 11-Milliarden-Dollar-Coup zwischen den US-Kaufhausketten Kmart und Sears einfädelte und als Wunderkind der Branche gilt, verdiente im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Dollar. Durchschnittlich trugen die 25 Spitzenkräfte der Hedge-Fonds-Gemeinde in den USA nach Berechnungen des Branchenblattes Institutional Investor's rund 251 Millionen Dollar nach Hause.

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Der schnelle Reichtum der Hedge-Fonds-Manager beeindruckt längst nicht mehr nur Broker und Banker. Regelmäßig tauchen sie in den Gesellschaftsspalten der New York Times auf. Ob als edle Spender auf Wohltätigkeitsgalas oder als Cocktail nippende Partyhelden exklusiver New Yorker Clubs - die Geldverwalter sind zu Society-Stars geworden. Hedge Fund Alley nennen die New Yorker inzwischen die Park Avenue dank der Nobelbüros der elitären Fonds. Wie weiland die Vanderbilts und Rockefellers bauen sie sich weitläufige Herrensitze vor den Toren Manhattans. Hunderte von Hedge-Fonds-Betreibern haben das Grenzgebiet zwischen New York und Connecticut zum wohlhabendsten Grünstreifen der Welt gemacht. Dort haben sich Giganten wie der 18 Milliarden Dollar schwere Fonds Bridgewater Associates angesiedelt.

Der Mix aus Geld und Glamour zieht Anleger magisch an

Hedge-Fonds-Manager gelten als die Teufelskerle der Wall Street. Gegenüber klassischen Fonds nehmen sie sich aus wie Michael Schumachers Ferrari gegenüber Papas Passat Kombi. Im Gegensatz zu ihren Investmentfonds-Kollegen sind sie frei, sich zusätzliches Kapital zu leihen und neben Aktien und Anleihen auch in Rohstoffe und allerlei Derivate zu investieren. Ihre Strategien hüten die Finanzjongleure wie Coca-Cola das Geheimrezept für die braune Brause. Mit komplexen mathematischen Modellen durchstreifen sie die Finanzmärkte auf der Jagd nach Traumrenditen. Dass kaum jemand versteht, wie sie ihre Gewinne zuwege bringen, trägt zu ihrem Nimbus bei.

Den Mix aus Geld und Glamour finden auch abgebrühte Investoren unwiderstehlich. Doch in den vergangenen Monaten mussten Hedge-Fonds-Anleger bei einer ganzen Reihe von Skandalen bitter den Unterschied zwischen Schein und Sein erfahren.

Selbst für die Luxusrentner-Enklave West Palm Beach im sonnigen Florida war der Lebensstil der Brüder John Kim und Yung Kim und ihres Freundes Won Sok Lee beeindruckend. Die Gründer von KL Capital fuhren im Maserati, Mercedes und Porsche spazieren, der hauseigenen Masseurin stellten sie einen Jaguar X-Type. Doch im Februar dieses Jahres waren die Fondsmanager plötzlich verschwunden - genauso wie die rund 250 Millionen Dollar ihrer Anleger. Zu deren böser Überraschung stellte sich heraus: Ihre Erfahrung hatten die dynamischen KL-Gründer keineswegs an der Wall Street gesammelt, sondern als Studenten im Internet-Daytrading.

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