Teufelskerle der Wall StreetSeite 3/3
Schon längst liefern Hedge Fonds nicht mehr die Traumrenditen früherer Zeiten. Im laufenden Jahr lagen die Spekulantenfonds Ende Oktober laut dem CSFB Tremont Index, dem Branchenbarometer, mit mageren 4,36 Prozent im Plus.
Das ist zwar immer noch besser als der S&P 500 - der Aktienindex, der die Messlatte bildet, schaffte im selben Zeitraum 0,41 Prozent. Doch es ist weit entfernt von den Renditen über 20 Prozent, mit denen Hedge Fonds ihre Anleger in den neunziger Jahren verwöhnten. Die Investoren sind enttäuscht, räumt Howard Kapiloff vom Branchendienst Hedge Fund Alert ein. Er erkennt Parallelen zu den hochfliegenden Erwartungen während des Internet-Booms und der geplatzten Spekulationsblase. Es wird eine Marktbereinigung geben.
Doch Schadenfreude über Pleiten, Pech und Pannen bei den Hedge Fonds wäre fehl am Platze. Längst büßten nicht mehr nur ein paar Superreiche. Ein Hedge-Fonds-Debakel träfe inzwischen Renter, Studenten genauso wie Sozialhilfeempfänger. Pensionskassen und Stiftungen haben Milliarden in die spekulativen Geldpools gepumpt. Selbst die katholische Kirche kommt in Versuchung. Gleich mehrere Fondsgesellschaften werben für Hedge Fonds, deren Strategien päpstlichen Segen erhalten könnten. Nach einer Umfrage der State Street Bank haben bereits 35 Prozent institutioneller Anleger einen Anteil von 10 Prozent ihres Portfolios in Hedge Fonds investiert, und die Hälfte der Befragten will den Anteil in den kommenden Jahren mindestens auf diesen Prozentsatz erhöhen.
Mit Sorge beobachten Aufsichtsbehörden auch die Symbiose von Hedge Fonds und Banken. Die Banken sind zunehmend abhängig von den Einkünften aus dem Hedge-Fonds-Geschäft: Sie leihen den Fonds Geld, führen deren Handelsaufträge aus und tüfteln an neuen Finanzprodukten, mit denen die Fondsmanager spekulieren dürfen. Allein im vergangenen Jahr erwirtschafteten nach Berechnungen der Credit Suisse First Boston Investmentbanken 25 Milliarden Dollar mit den Hedge Fonds - das entspricht einem Achtel ihrer gesamten Erträge. Rund 30 Prozent des gesamten Aktienhandels wird inzwischen durch Hedge Fonds angetrieben.
Nicht nur die Wall Street ist mit den Fonds-Finanz-Akrobaten dick im Geschäft: Die Deutsche Bank hat sich für die lukrative Klientel einen Namen als Broker gemacht, die Schweizer UBS mischt kräftig als Vermögensverwaltungsanbieter mit.
Zentralbanken und Regulierer sind deshalb in Habachtstellung. Die Börsenaufsicht SEC will für mehr Transparenz sorgen. Von Februar an müssen Hedge Fonds sich in den USA registrieren lassen. Ein recht zahmer Vorstoß des Wall-Street-Wachhunds. Wenn die Investoren irgendwann ihr Geld vermissen, hilft das vermutlich auch nicht weiter.
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 49/2005
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren