Vom Computer zur Rarität gemacht
Der Markt für Architekturzeichnungen bleibt klein. Heute entstehen Entwürfe am Rechner
Spröde Aufrisse, präzise Konstruktionen, feine Ornamente und kolorierte Details machen den Charme von Architekturzeichnungen aus. Bereits in der Renaissance wurden sie geschätzt und gesammelt. Aber seitdem gab es nie einen richtigen Markt dafür, sagt Ernst von Loesch. Als einer der ganz wenigen deutschen Kunsthändler hat er sich in Berlin mit dem Nischengebiet etabliert. Neben Zeichnungen des 18. und 19. Jahrhunderts bietet er auch Modelle und Baufragmente an. Nur so lässt sich Baugeschichte sammeln und ausstellen, sagt von Loesch.
Als Erbe des Kunst- und Einrichtungshauses seiner Großmutter Susanne Gropp und mit der Begeisterung am Zeichnen begann er zu sammeln. 1995 verschickte er seinen ersten Katalog an die gesamte Architektenelite, aber nur ein Einziger meldete sich zurück: Oswald Mathias Ungers. Meine Klientel ist ein fachlich interessiertes Laienpublikum, das Blätter zwischen 500 und 5000 Euro erwirbt, sagt von Loesch. Um seine Bestände um jährlich maximal 30 Blätter aufstocken zu können, reist er zu Antiquariaten und Messen mit Handzeichnungen. Fündig wird er meistens in London, Paris und Italien, wo das Sammeln von Architekturzeichnungen traditionell gepflegt wird. Als von Loesch auf der Berliner Ars Nobilis im Jahr 2003 eine ganze Kollektion von farbig gefassten Korkreliefs zeigte, wie sie im 18. und 19. Jahrhundert von Fürsten in Auftrag gegeben wurden, standen die Besucher staunend davor, berichtet der Händler. Verkauft habe ich sie dann nach Amerika.
Ein ganz anderes Geschäft mit Architektenzeichnungen wurde als Hilfe für das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt abgewickelt. Dessen Freundeskreis erbettelte anderthalb Jahre lang Zeichnungen, Modelle, Fotografien und Drucke von 51 namhaften Architekten, darunter Frank Gehry, Hans Kollhoff und Alvaro Siza Vieira. Vor gut einem Monat wurden sie versteigert. Neben 17 595 Euro erhielt das Museum die nicht verkauften Objekte als Dauerleihgabe für das Archiv. Das Interesse vor allem an den Handzeichnungen dürfte nicht zuletzt deshalb groß sein, weil in den meisten Architektenbüros am Computer gearbeitet und nicht mehr gezeichnet wird.
Ähnliches erfährt der Hamburger Kunsthändler Martin Moeller, der alle drei Jahre eine auf Architektur spezialisierte Zeichnungsausstellung organisiert.
Viele angehende Architekten trauen nicht mehr der präzisen Beobachtung und deren Übertragung auf Papier, sondern glauben, dass sich alles viel besser scannen lässt.
Ein ganz anderes Interesse hat vor 25 Jahren zur Gründung von Aedes in Berlin geführt, der ersten privaten deutschen Architekturgalerie. Wenn jemand bei uns eine Zeichnung vermittelt bekommen möchte, ist das kein Problem, sagt Hans-Jürgen Commerell, der Partner der Gründerin Kristin Feireiss. Aedes versteht sich jedoch in erster Linie als Labor, das im urban-gesellschaftlichsoziologischen Kontext Debatten schüren will, etwa zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Aedes ist inzwischen ein Markenzeichen geworden, das sich der Unterstützung internationaler Architekten und Theoretiker sicher sein kann.
Den Diskurs über das Berufsbild des Architekten wollen der Student Patrick Ehrhardt und der in Wien ansässige Architekt Wolfgang Fiel, die beide bei Coop Himmelblau gearbeitet haben, neu in Gang setzen. Dafür haben sie im Juni dieses Jahres das Institute for Cultural Policy (ICP) in Hamburg gegründet.
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 49/2005
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