Spiele Schlacht um die Wohnzimmerhoheit
Mit hochauflösender Grafik debütiert die Xbox 360, die erste Spielkonsole einer neuen Generation von Alleskönnern
Wir haben im ersten Durchgang viel ge-lernt«, sagte Bill Gates am Montagabend vergangener Woche in ungewohnter Bescheidenheit. Stunden später brachte Microsoft seine zweite Videospielkonsole auf den Markt. Es ist die erste einer neuen Generation von Spielgeräten. Von Freitag an gibt es sie auch in Deutschland, am Donnerstag nächster Woche folgt Japan.
Das Gerät im weißen, taillierten Gehäuse könnte der Startschuss für ein neues Kapitel der Unterhaltungselektronik sein – oder als Frühstart enden. Drahtlose Controller, Fernbedienung und eine simple, klare Oberfläche: Der Benutzer sieht von der Xbox 360 das Äußere eines freundlichen Spielzeugs. In ihrem Inneren hingegen werkeln Prozessoren, die zu einem Teraflop imstande sind. Das heißt, der Kasten kann eine Million mal eine Million Gleitkommaoperationen pro Sekunde durchführen – genug für einen Platz in der Liste der Supercomputer. Theoretisch wenigstens, denn die leistungsfähigen Grafikchips der Xbox 360 können nur sehr spezielle Berechnungen für den Bildaufbau durchführen.
Was früher als Kinderspielzeug galt, ist heute ein Supercomputer
Die schiere Rechenkraft birgt viele Möglichkeiten: Deutsche Hacker bastelten die erste Xbox zu einem leistungsfähigen Linux-Webserver um. Aus Konsolen der Playstation 2 von der Microsoft-Konkurrenz Sony bauten amerikanische Forscher einen Supercomputercluster. Lange als Kinderspielzeuge missachtet, sind Konsolen mittlerweile High-Tech-Produkte.
Früher konnte man die Generationen der Spielgeräte noch gegeneinander abgrenzen, indem man verglich: schon Farbe oder noch Schwarzweiß? Wie groß sind die Bildpunkte? Längst ist daraus ein abstraktes Zahlenspiel geworden. »Die Xbox 360 ist zwanzigmal so schnell wie die original Xbox von 2001«, sagt Boris Schneider-Johne, Xbox-Plattform-Manager bei Microsoft Deutschland. Leiser räumt Schneider-Johne auch ein, dass Sonys Playstation 3, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen wird, noch einmal doppelt so schnell rechnen wird. »Aber von der Größenordnung her ist das dann kein so großer Sprung mehr.« Bislang kontrolliert Sony mit seiner Playstation 2 fast drei Viertel des Weltmarkts. Vorsorglich hat Bill Gates bereits bekräftigt, auch wenn es mit der Xbox 360 wieder nicht gelinge, die Führung zu erobern, bleibe Microsoft am Ball: »Wir werden weiterspielen.« Es geht um die Führung in einem derzeit rund 25 Milliarden US-Dollar schweren Weltmarkt. In Deutschland wird mit Digitalspielen rund eine Milliarde Euro umgesetzt. Rund die Hälfte davon mit Konsolenspielen, Tendenz steigend.
Die Xbox 360 ist »HD-fähig«. Das heißt, sie kann 720 Bildzeilen auf einem Fernseher darstellen, nicht bloß 480. Die Spielestudios verpflichtet Microsoft denn auch, ihre Titel für die Xbox 360 mit entsprechend hoher Auflösung zu produzieren. So viel Pixel gab es noch nie in einem Videospiel. Parallel versucht die Unterhaltungselektronik-Branche auch Fernseher und Abspielgeräte für hochauflösende Spielfilme im Markt durchzusetzen.
Ein Déjà-vu. Sony reizte die Menschen schon von jeher mit weiteren guten Gründen, seine Spielekonsole zu kaufen: Auf der Playstation von 1994 liefen bereits Audio-CDs, als entsprechende Hi-Fi-Komponenten noch teuer waren. Die Playstation 2 spielte 2000 als eines der ersten Geräte Film-DVDs ab. Damals waren gewöhnliche DVD-Player noch kostspielige Accessoires. So ist die Playstation 2 nicht nur die meistverkaufte Spielkonsole, sondern auch der meistverkaufte DVD-Spieler der Welt. Microsoft wird dagegen auch die Xbox 360 nicht zum Abspielgerät für HD-Filme ausbauen.
- Datum 01.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 01.12.2005 Nr.49
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