Unglücklich

JULIAN NIDA-RÜMELIN kritisiert den Einstand seines Nachfolgers, des neuen Kulturstaatsministers Bernd Neumann

Hinter ihm schlagen die Flammen hoch, es lodert im Rücken von Julian Nida-Rümelin. Der Fernsehbildschirm im Cream, einem Lokal direkt hinter der Münchner Universität, zeigt ein flackerndes Kaminfeuer. Julian Nida-Rümelin sitzt auf einem Sofa und liest eines seiner Bücher: die Logik kollektiver Entscheidungen. Der Münchner Philosophieprofessor bereitet sich auf seine Vorlesung vor.

Nida-Rümelin trägt eine sehr schmale Lesebrille aus Stahl, er ist elegant und leger zugleich gekleidet, mit Pullover und Sakko, ein feingliedriger Ästhet.

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Als er unter Gerhard Schröder Kulturstaatsminister war, galt er als Schöngeist im Politikbetrieb. Der neue Kulturstaatsminister Bernd Neumann prägte ein anderes Wort. Er nannte seine drei Vorgänger Michael Naumann, Christina Weiss und auch Julian Nida-Rümelin kürzlich freischwebende Schwäne. Neumann ist das, was man einen Berufpolitiker nennt: seit 1979 Chef der Bremer CDU, seit 18 Jahren Abgeordneter im Bundestag.

Wie fühlt man sich als freischwebender Schwan, Herr Nida-Rümelin?

Nida-Rümelin nennt die Bemerkung Neumanns unglücklich. Er verwehrt sich gegen den Eindruck, er und seine Kollegen seien nur schöngeistige Seiteneinsteiger ohne Substanz gewesen. Das sei erstens nicht richtig, da Christina Weiss und er schon vorher als Kulturreferenten tätig waren, und zweitens ein schlechtes Signal. Dieses Amt versteht sich als Brücke zwischen Kultur und Politik, sagt er. Wenn es nun als reine Politikadministration verstanden werde, verfehlt das Amt seinen Zweck. Ein Kulturstaatsminister müsse Sensibilität für die Künste mitbringen, sagt er. Er hätte sich gewünscht, dass Kultur einen größeren Stellenwert bei den Koalitionsgesprächen zwischen CDU und SPD eingenommen hätte. Ich fand es alarmierend, dass das Thema keine Rolle gespielt hat, sagt er. Da werden wir Gerhard Schröder vielleicht noch vermissen.

Nida-Rümelin mag sie nicht, diese Unterscheidung zwischen der Politik und dem ganzen Rest, so als stünden sich zwei feindliche Lager gegenüber. Für ihn persönlich sei es schon immer so gewesen, sagt er, dass Wissenschaft und politisches Engagement zusammengehören.

Am Anfang seiner Zeit als Kulturstaatsminister hatte er manchmal das Gefühl, als dächten seine Gesprächspartner aus der Politik gelegentlich: Der ist doch nur der Philosoph. Sie sahen ihn als den von außerhalb. Diese Trennung - hier die Politiker, dort die übrigen Menschen - findet Julian Nida-Rümelin fatal.

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