Ob Figaros Hochzeit, ob Zauberflöte - all diese wundervollen Werke der Weltmusikgeschichte sind ohne den politischen Hintergrund jener Zeit, in der sie komponiert wurden, nicht zu denken. Wolfgang Amadeus Mozart und die Politik: Auch darüber wird zu diskutieren sein im bereits heftig annoncierten Mozart-Jahr 2006.

Eine große Rolle spielt dabei die Freimaurerei. Am 14. Dezember 1784 wurde der Komponist in die Wiener Loge Zur Wohltätigkeit aufgenommen, dessen Meister vom Stuhl, Otto Freiherr von Gemmingen-Hornberg, ein Förderer der Familie Mozart war. Er selber dürfte den 28-jährigen Musiker für die Maurerei gewonnen haben. Die Loge war im Februar 1782 gegründet worden. Mozart wurde hier Geselle, wenig später Meister – wie Vater Leopold, der, wohl auf Betreiben des Sohnes, im April 1785 ebenfalls Aufnahme unter den Freimaurern fand.

Und Mozart war mit Leidenschaft bei der Sache. Die Ziele des Bundes haben ihn offensichtlich überzeugt und befeuert: Toleranz, freie Entwicklung der Persönlichkeit, Brüderlichkeit über alle Standesgrenzen hinweg, Menschenliebe und das stetige Plädoyer für eine Politik des Vertrauens, des friedlichen Ausgleichs. Es war der Glauben an eine Verbesserung des Menschengeschlechts durch die "Arbeit am rauhen Stein". Die Begeisterung für die Freimaurerei spiegelt sich in seinen Kompositionen für die masonischen Zeremonien wider. Bis zu seinem Tod im Dezember 1791 hat er musikalisch viel für den Bund geleistet und wurde zum Hauskomponisten seiner Loge. Auch Die Zauberflöte, in Mozarts letzten Lebenstagen noch uraufgeführt, ist ein ganz und gar "freimaurerisches Werk", wobei Ignaz von Born, der Meister vom Stuhl der Wiener Eliteloge Zur wahren Eintracht, möglicherweise als Vorbild für die Gestalt des Sarastro diente.

Unter dem jungen Reformkaiser Joseph II., dem Sohn Maria Theresias, hatte sich die Freimaurerei in Österreich rasch verbreitet. Doch so aufgeklärt sich Joseph gab, er blieb doch absoluter Monarch, der keinen Parallelstaat im Staat duldete. 1785 erließ er ein "Freimaurerpatent", das die Gesellschaften sowohl sanktionierte als auch reglementierte und bald zu ihrem Niedergang führte, eine Entwicklung, die Mozart sehr enttäuschte.

Zweifellos aber ahnte der Kaiser, dass sich aus der Freimaurerei heraus politische Opposition entwickeln könnte. Und so kam es denn auch. Viele der nachmals so genannten Wiener Jakobiner waren aktive Freimaurer, manchem von ihnen wird Mozart begegnet sein. Mit dem Beginn der Französischen Revolution 1789, den Joseph II. gerade noch erlebte (er starb im Februar 1790), radikalisierte sich die Szene.

Es war eine sehr bunte Szene. Einige dieser frühen Menschen- und Bürgerrechtler stammten direkt aus der Sphäre des Hofes, wie der Baron Andreas Riedel, der die Söhne von Josephs Bruder und Nachfolger Leopold II. erzogen hatte. 1791 entwarf dieser hoch gebildete Mann – wohl mit dem stillen Einverständnis Leopolds – einen Verfassungsentwurf, der auf die Umwandlung des Habsburgerreiches in einen modernen konstitutionellen Staat hinauslief. Ein anderer wichtiger Kopf war der Militär Franz Hebenstreit von Streitenfeld aus Prag, ein eigensinniger Zeitgenosse, der sich mit urchristlichen, urkommunistischen Ideen trug. Daneben gab es noch weitere Gruppen, die des Dichters und Freimaurers Aloys Blumauer zum Beispiel oder die des Lotteriebesitzers Johann Hackel. Oder den Kreis um Gottlieb Wolstein, der viele Intellektuelle anzog wie den Dichter und Magistratsrat Martin Joseph Prandstetter, den Advokaten und ehemaligen Grazer Professor Neupauer und den aus Vorarlberg gebürtigen Advokaten Jakob Ignatz Jutz. Die meisten Mitglieder dieser Kreise waren beamtete Staatsdiener auf verschiedenen Stufen der Hierarchie, ehemalige Anhänger der josefinischen Reformen allesamt.