Bei den Datenmassen, welche EU-Rat und -Kommission in Brüssel über die telekommunizierenden Bürger gespeichert wissen wollen, wird einem schwindelig: Allein am Internet-Knoten De-CIX in Frankfurt hätten die Provider pro Tag ausgedruckt 81 Millionen Aktenordner voller technischer Informationen aufzubewahren. Irrtümlich schrieben wir, dass damit 639 000 CDs pro Sekunde gefüllt würden (ZEIT Nr. 49/05). Aber auch entsprechend viele CDs pro Tag, wie es hätte heißen müssen, sind sehr viel. Dennoch haben sich die EU-Justizminister inzwischen verständigt, die elektronischen Spuren der Nutzer von den Providern für sechs bis 24 Monate speichern zu lassen. Streit gibt es nur noch um die Kostenerstattung. Sollten sich die Abgeordneten Mitte Dezember nicht anders besinnen, wäre die Schwelle von der freiheitlichen Informationsgesellschaft zum digitalen Überwachungsstaat überschritten, warnen Datenschützer. Ermittler könnten dann minutiös nachvollziehen, wer wo im Internet gesurft hat und wer wann mit wem per Telefon, Handy oder E-Mail kommuniziert hat. Den Ministern werfen die Hüter der Privatsphäre eine grundrechtliche Verrohung vor, weil diese ihr maßloses Papier als Kompromiss bezeichnen.