Der ZeichensetzerSeite 2/2

Für Nichtmuttersprachler ist das Armenische leicht zu erlernen: Es ist eine phonetische Schrift, jedem Buchstaben entspricht also ein Laut - gesprochen wird nur, was auch geschrieben steht. Die Armenier waren jedenfalls so zufrieden mit der Arbeit von Mesrop Maschtots, dass sie ihn zum Heiligen erklärten.

37 Zeichen hatte das Grabar, das Altarmenische, das auch als Jerkathagir - als Eisenschrift, nach dem damals häufig verwendeten Schreibgerät - bekannt ist. Sieben davon waren Vokale, die restlichen 30 Konsonanten. Das Grabar hatte noch keine Ligaturen oder Verbindungslinien, die Buchstaben waren klar voneinander abgesetzt. Noch bis ins 11. Jahrhundert schrieben die Armenier in der Jerkathagir, danach wurde sie von der Bolorgir (volle, runde Schrift) abgelöst. Im 13. Jahrhundert wurde das Alphabet um zwei Lettern erweitert, um o und f. Im Jahr 1512 erschien in Venedig das erste Buch in armenischer Schrift. Heute schreiben die Armenier in der modernen Handschrift Notragir, was übersetzt so viel wie kursive Schrift bedeutet.

Unklar ist bis heute die Verwandtschaft des armenischen Alphabets mit dem des Nachbarlandes Georgien. Der armenischen Legende nach ist Maschtots ebenfalls für dessen Erfindung verantwortlich. Ich glaube, dass es georgische Mönche in Palästina waren, die das Alphabet erfanden, sagt Werner Seibt. In einem großen Kloster lebten sie gemeinsam mit Syrern und Armeniern und sahen, wie die in ihrer eigenen Sprache die Bibel lesen und die Liturgie feiern konnten.

Das wollten sie dann auch.

 
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