Santiago

Die Bilder der 1,65 Meter kleinen Verteidigungsministerin auf dem Panzer, umgeben von Männern in Uniform, waren eine Sensation in Südamerika. Da stand eine Frau, die selbst unter dem Terror der chilenischen Militärs gelitten hatte, plötzlich an der Spitze der Streitkräfte und kämpfte um die nationale Versöhnung. Drei Jahre ist das nun her. Inzwischen strebt Michelle Bachelet nach einem höheren Amt. Bei der Präsidentschaftswahl in Chile an diesem Sonntag versprechen die Umfragen der sozialistischen Politikerin einen großen Vorsprung vor ihrem konservativen Kontrahenten. Selbst wenn es im ersten Wahlgang nicht für eine absolute Mehrheit reichen sollte, dürfte die Präsidentschaftskandidatin Bachelet doch als Favoritin in die Stichwahl Mitte Januar gehen.

Die 54-jährige Sozialistin wäre nicht nur die erste Präsidentin Chiles, sie wäre sogar die erste demokratisch gewählte Präsidentin in Südamerika.

Entsprechend selbstbewusst stellt Bachelet ihre Weiblichkeit in den Mittelpunkt ihrer Kampagne. Zeit der Frauen steht auf einem ihrer Plakate.

Zeit der Frauen? Chiles Frauen, argumentiert die Kandidatin, hätten in der Bildung mit den Männern gleichgezogen. In den Unternehmen, der Justiz, den Streitkräften, den Universitäten und den Gewerkschaften seien sie auf dem Vormarsch. Es bleibt nur noch, den Anteil der Frauen in der Arbeitswelt sowie in der Politik auszubauen.

Keine Sorge, scherzt die Kandidatin, wir werden uns auch um die Männer kümmern. Aber man müsse doch zugeben, dass die Frauen benachteiligt seien.

Als Präsidentin will sie Arbeitsplätze für Frauen und zusätzliche Kindergarten- und Krippenplätze für deren Kinder schaffen. Und sie will das Prinzip des gleichen Lohns - und der gleichen Rente - für die gleiche Arbeit durchsetzen. Bachelet spricht in einfachen, klaren Worten. Demagogie ist ihr fremd, damit hebt sie sich bewusst von ihren männlichen Konkurrenten ab.