Der musikliebende Fürst Leopold von Anhalt-Köthen leistete sich an seinem Hof ein Instrumentalensemble, das nicht sonderlich groß war, dafür aber exzellent. Auch die acht zugehörigen Cammer-Musici, die er teilweise aus dem von Friedrich Wilhelm I. aufgelösten Berliner Hoforchester übernommen hatte - Preußen hielt es schon damals mehr mit dem Militär -, waren ganz offensichtlich Spitzenmusiker. Denn was Johann Sebastian Bach dieser Truppe in seinen Brandenburgischen Konzerten BWV 1046 bis 1051 abverlangte, lässt keinen anderen Schluss zu. Bach war seit 1717 Kapellmeister in Köthen und hatte das Werk eigentlich dem Markgrafen von Brandenburg gewidmet, aber dessen Orchester hatte gar nicht erst den Versuch gewagt, die sechs Werke aufzuführen.

Es gibt halsbrecherisch virtuose Solopassagen in den Brandenburgischen Konzerten, aber solche Instrumentalakrobatik war für Bach nicht viel mehr als launig schmückendes Beiwerk. Nicht ihre Schwierigkeit hebt die Konzerte über alles Vergleichbare hinaus - sei es von Corelli oder Vivaldi, Händel oder Heinichen -, sondern die in dieser Form einmalige Mischung aus fantasievollen Instrumentenkombinationen, Klangebenen, satztechnischer Vollendung und musikantischem Elan. Die sechs Werke bilden den einsamen Gipfel des spätbarocken und vorklassischen Konzerts. Auch wenn das bei so viel gespielten Stücken schon mal in Vergessenheit geraten kann.

An guten Aufnahmen der Brandenburgischen Konzerte besteht kein Mangel. Aber so unverschämt lässig und elegant wie jetzt von Rinaldo Alessandrini und seinem Concerto Italiano hat man die sechs Meisterwerke noch nicht gehört.

Die Interpretationen sind voll von Überraschungen in den Phrasierungs- und Stimmführungsdetails, spieltechnischer perfekt und extrem klangschön. Eine Offenbarung. Seit längerem setzt Alessandrini mit seinem kleinen auf Originalinstrumenten spielenden Ensemble Maßstäbe, egal, ob es nun um Monteverdi, Vivaldi oder Scarlatti geht. Spätestens jetzt gilt das auch für Bach.

Johann Sebastian Bach: Brandenburgische Konzerte BWV 1046 bis 1051

Concerto Italiano, Ltg. Rinaldo Alessandrini

(naive OP 30412, inkl. DVD von einer Probe)