Der Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft fragt, weshalb Theatergänger und Opernbesucher mit ihrer Eintrittskarte nur etwa 16 Prozent dessen bezahlten, was das alles koste. Herr Kroker, das ist eine gute Frage! Dieses Land kann erst dann gesunden, wenn die Kosten auf dem Tisch sind und ein jeder das bezahlt, was er nutzt und verbraucht. Nehmen wir zum Beispiel an, Herr Kroker besuche die Aida und leiste sich für 40 Euro einen Platz mittlerer Güte. Eigentlich hätte er 250 Euro bezahlen müssen und eigentlich für den in der Pause verzehrten Kartoffelsalat mit Würstchen ein Vielfaches, weil ja die EU jede Linda und jedes Schwein hoch subventioniert. Und was sehen wir da an seiner Seite? Diese attraktive Dame, ehemals Studentin der Kunstgeschichte, auf Staatskosten teuer ausgebildet, macht was? Sich und ihm ein schönes Leben. Auf Kosten der Allgemeinheit. Und angenommen, unser Mann (es wird nicht Herr Kroker sein) fahre mit dem ÖPNV nach Hause, schon kann er sich, während der gut beheizte und fast leere Nachtbus durch die Straßen rumpelt, im Stillen ausrechnen, was er an diesem Abend alles gespart hat oder was er für Aida und Schwein und Linda und Bus eigentlich hätte bezahlen müssen.

Es sei hier der Hinweis erlaubt, dass auch diese Glosse mehr als nur die erbärmlichen drei Euro wert ist, die der geneigte Leser dafür entrichtet hat, weil zusätzlich zu den sowieso anfallenden Kosten Ausgaben für eine Flasche Mineralwasser (0,75 l) und eine Tasse Kaffee entstanden sind, die Abnutzung der Kleidung sowie der Gehirnzellen nicht eingerechnet, ganz abgesehen von den Umweltschäden, die das bei dieser aufreibenden Tätigkeit erhöht ausgestoßene Kohlendioxid (Atemluft!) zwangsläufig verursacht. Die Klimakatastrophe verschlimmert sich mit jedem Atemzug: Das sind Kosten, Herr Roker!

Auch die ZEIT muss sehen, wo sie mit diesen Kosten bleibt. Deshalb hat sich der Verlag entschlossen, eine Idee Christian Morgensterns endlich in die Tat umzusetzen: "Korf erfindet eine Mittagszeitung, / welche, wenn man sie gelesen hat, / ist man satt. / Ganz ohne Zubereitung / irgendeiner andern Speise. / Jeder auch nur etwas Weise / hält das Blatt." Falls der Leser am Ende dieser Spalte eine Sättigungsgefühl empfinden sollte: Er möge sich darüber ebenso wenig wundern wie über den naturgemäß damit verbundenen höheren Bezugspreis. Denn den Kosten entgeht keiner.