Man kann glatt dran vorbeirauschen an dieser Prager First-Class-Adresse. Eine nüchterne Fassade des frühen 20. Jahrhunderts, nebenan eine studentisch-bunte Cevapcici-Beize, in ein paar Metern Entfernung die scheppernden Straßenbahnen der Verkehrsschneise Karmelitska - das Fünf-Sterne-Hotel Aria an der Straße Trzistfl, dem früheren Kleinseitner Marktplatz, verblüfft mit Understatement in Reinkultur. Jenseits der Glastür freilich entfaltet sich dann mit Macht die Glamour-Welt des Versace-Designers Rocco Magnoli: polierte Hochmoderne, eine knallrote Lederbank schlängelt sich vor der Rezeption, in der Lounge Damastsofas von Stretchlimousinen-Format, opulente Floristen-Arrangements. Im glasüberdachten Atrium üppig lindgrün aufgepolsterte Rattan-Fauteuils, Chaiselongues, eine plätschernde Wasserfallwand. Rotgolden mit Kaminfeuer der Musiksalon.

Wir haben es mit einem sehr schicken, zeitgeistigen Hotel zu tun, einem Boutique-Hotel mit 52 Zimmern und Suiten. Vielleicht das perfekteste Exempel jenes smarten Prager New Look, der trendy ist und glitzernd - Mailänder Design, internationale Cuisine, Englisch als Lingua franca - und der jeden Verbindungsfaden gekappt zu haben scheint zu jenem etwas düsteren und modrigen, aber auch zeitverloren-geheimnisvollen Prag. Die Stadt ist bunt, sehr bunt geworden, so wie der elegante Hotel-Wintergarten des Aria. Auch der herrliche terrassierte Vrtba-Barockgarten, der südlich an das Hotel anschließt, erinnert, frisch aufgeschönt und picobello clean, kaum noch an die efeuüberwachsene, bemooste Verwunschenheit früherer Jahre. Die nobelsten, südseitigen Zimmer und Suiten des Hotels öffnen sich, mit großen Fenstertüren, zu dieser erstrangigen Kleinseitner Sehenswürdigkeit, zu den Brunnen, Balustraden und Statuen des großen Barockbildhauers Matthias Braun.

Das Aria nennt sich Konzepthotel, und sein Generalthema ist die Musik. Über ein Notenmosaik wandelt man in der Rezeption, Noten sind in die flauschigen Wollteppiche der Zimmer gewebt, und silberne Noten tanzen auf den Frotteepantöffelchen, die man im Bad vorfindet. Was zunächst eher nach Gag klingt, ist jedoch sehr durchdacht und sinnreich konzipiert. Jedes - schallisolierte - Zimmer hat einen Flachcomputer (mit freiem Internet-Zugang) und eine erstklassige CD-Anlage. Jedes Zimmer ist nach einem Komponisten oder nach Jazz- oder Rockmusikern benannt, von denen eine Werkauswahl auf dem Rechner gespeichert ist. Das geht von Bach über Rossini und Dvorák bis zu Miles Davis oder Abba. Außerdem gibt es eine von einer Musikwissenschaftlerin vorzüglich betreute musical library mit Tausenden von CDs und DVDs - ideale Begleitumstände für einen, der an der musikalisch so überreichen Prager Stadtgeschichte interessiert ist.

Der Komfort der - alles andere als kostengünstigen - Gemächer ist allerdings auch nicht zu verachten: kreislaufmobilisierende Rain-Forest-Duschen, ägyptisches Leinen in den Betten. Anstatt einer 4-Quadratmeter-Goldleder-Bettrückwand jedoch hätte man sich eher einen bequemen Lese- und Hörsessel gewünscht, aber derartiges Polstermobiliar gibt es wohl erst in der Kategorie Junior Suite (425 Euro pro Nacht). Die über 100 Quadratmeter großen Suiten wie Smetana oder Mozart haben dann natürlich Kuschelsitzplätze ohne Ende - und kosten für eine Nacht das Eineinhalbfache eines tschechischen Monatseinkommens. Der ewig verschuldete Mozart hätte für dieses Sang-&-Klang-Luxushotel, das seiner Musik viel Ehre antut, jedenfalls einen potenten Mäzen gebraucht.

Aria Hotel, Trzistfl 9, 11800 Prag 1, Tel. 00420-2/25 33 41 11, www.ariahotel.net, Zimmer und Suiten von 350 bis 975 Euro