Es scheint alles Routine zu sein - am vergangenen Dienstag gab Nordrhein-Westfalen, der mitgliederstärkste Bezirk der IG Metall, seine Empfehlung für die kommende Tarifrunde ab. Vier bis fünf Prozent mehr Lohn wollen die Metaller fordern. Das bewegt sich in der Bandbreite, die andere Bezirke schon formuliert haben. Und das würde den realistischen Verteilungsspielraum zwar mehr als ausschöpfen, am Ende landete man aber sowieso bei einem niedrigeren Abschluss. Dennoch zeigt sich schon jetzt: Die Lohnverhandlungen, die im Februar beginnen, unterscheiden sich von früheren Tarifrunden. Zum einen, weil die Positionen extrem weit auseinander liegen - die Metall-Arbeitgeber stellen nicht einmal einen Inflationsausgleich in Aussicht, sondern sprechen von sinkenden Reallöhnen. Zum anderen, weil gar nicht sicher ist, dass eine Tariferhöhung wirklich bei allen Beschäftigten ankommt. Das ist kein Selbstlauf mehr, warnte Detlef Wetzel, IG-Metall-Bezirksleiter in NRW, am Dienstag. Immer häufiger versuchen Betriebe, Öffnungsklauseln zu nutzen oder sich ganz von der Tarifbindung zu lösen. Stolz verweist Wetzel auf Erfolge im Kampf dagegen: 23 Unternehmen habe man in Nordrhein-Westfalen schon durch Betriebsversammlungen und Kampagnen zurück in den Flächentarif geholt. Neue Abschlüsse, sagt Wetzel, werden nur dort gelten, wo wir in der Lage sind, sie betrieblich durchzusetzen.