DIE ZEIT: In der kommenden Woche treffen sich in Hongkong die Handelsminister aus 148 Ländern. Doch für ihr gemeinsames Ziel, die Liberalisierung des Welthandels, sehen viele schwarz. Haben Sie Fortschritte zu melden?

Peter Mandelson: Nicht die, auf die ich gehofft hatte. Immerhin sind wir beim Angebot für die ärmsten Entwicklungsländer weitergekommen. Ich hatte im Oktober zum ersten Mal vorgeschlagen, unser "Alles außer Waffen"-Programm auf die OECD-Länder auszuweiten. Es ermöglicht Produkten der ärmsten Länder den zollfreien Zugang zu unseren Märkten. Sowohl die USA als auch Japan, die lange nichts davon gehalten haben, haben sich nun bewegt. Das Programm ist der Rettungsanker für die Ärmsten. Es könnte durch seine Ausweitung den Süd-Süd-Handel stärken. Und es gibt dem Treffen in Hongkong ein menschliches Antlitz.

DIE ZEIT: Sie klingen wie der Nikolaus. Wenn man aber den Entwicklungsländern zuhört, dann sind die über Ihre Geschenke bisher nicht sehr glücklich.

Mandelson: Das nehme ich anders wahr. Sie wollen den Zugang zu unseren Märkten, oder?

ZEIT: Ja. Aber sie fürchten auch, dass die Industrieländer ihre Dienstleistungsmärkte dominieren. Sie sind unzufrieden mit der europäischen Agrarpolitik oder damit, wie stark hiesige Patente durch das Trips-Abkommen geschützt sind, beispielsweise für lebenswichtige Medikamente.

Mandelson: Gerade bei Trips sind die Entwicklungsländer tatsächlich sehr zufrieden mit uns. Mit anderen Industrieländern nicht. Wir ermutigen aber etwa die USA, weiterzugehen.

ZEIT: Die bösen Buben im Spiel sind also die USA?

Mandelson: Darum geht es nicht. Wir wollen ein Handelsabkommen. Noch Fragen?

ZEIT: Lassen sie uns über den Agrarmarkt sprechen. Da klagen nicht nur Organisationen wie Oxfam, sondern auch die USA und andere heftig, dass Sie die EU-Handelsschranken nicht weit genug abbauen. Haben Sie eigentlich noch Verbündete?

Mandelson: Am lautesten fordern die USA, Brasilien, Argentinien, Australien, also die Cern-Gruppe, dass wir unseren Markt öffnen. Unsere Verbündeten sind hingegen die Länder, die nur ein oder zwei Produkte an uns verkaufen. Die wollen eher nicht, dass wir weiter liberalisieren. Sie würden dadurch nämlich verlieren. Und dann gibt es noch die divergierenden Interessen der EU-Mitgliedsländer. Ich versuche, zwischen allen ein Gleichgewicht zu finden …