In seinem Grundsatzartikel tut Herr Joffe dem amerikanischen Präsidenten viel Ehre an, wenn er ihn in die Reihe berühmter Staatsdenker hebt und seine Außenpolitik als eine Verbindung zwischen Realismus und Idealismus qualifiziert.

Ganz abgesehen davon, dass der Verfasser seine Gedanken aus unhaltbaren Vorstellungen über das Völkerrecht entwickelt und dass er eine sehr einseitige Auswahl so genannter Schurkenstaaten wiedergibt, muss vor allem daran erinnert werden, dass Herrn Bush die Idee des regime change als Rechtfertigung des Irak-Krieges erst im Nachhinein eingefallen ist - als nämlich die Unhaltbarkeit der vorgeschobenen Angriffsgründe für jedermann offenkundig wurde. Schon aus diesem Grund entbehrt die seither gültige Sprachregelung über die angeblichen Kriegsmotive der US-Regierung jeder Glaubwürdigkeit.

Wohin eine Außenpolitik führt, die sich allein am eigenen Ermessen und an der eigenen Macht als oberstem Maßstab orientiert (wie es der Verfasser offenbar richtig findet), hat auf Seite eins derselben Ausgabe Matthias Nass nachdrücklich und erschreckend vor Augen geführt.

DR. HELMUT MEISE, WENTORF