Es ist furchtbar, sich in dieser Weise outen zu müssen, aber an DEM Tag habe ich gar nichts gemerkt. Ich war 13, und ich sah noch nicht regelmäßig Nachrichten, und selbst wenn ich es getan hätte, wäre mir die Dimension der Katastrophe vermutlich entgangen, weil – ich zögere wirklich, es zuzugeben – also, WEIL ich damals gar nicht sicher gewesen wäre, wer das sein sollte, John Lennon.

Dass man es wissen müsste, erkannte ich erst am Wochenende darauf, als wir Freunde meiner Eltern besuchten. Sie hatten einen Sohn, der zwei oder drei Jahre älter war als ich. IHN fand ich gut, und als er mich mit tragisch verhangener Stimme fragte, wie ich ES erfahren hätte (ihn habe seine Mutter schon mit der Nachricht geweckt, und es sei dann ein absolut grauenhafter Tag geworden), da empfand ich eine so weit reichende, erschütternde kulturelle Randständigkeit, ein so heilloses OFF-Gefühl wie nie zuvor und nie seither in meinem Leben: Klar! Klar! Klar! Wie konnte man die Beatles kennen, Abbey Road sogar gelegentlich auf einem orangefarbenen Kofferplattenspieler dudeln UND NICHT WISSEN, WER JOHN LENNON IST?

Mit Musikhören habe ich danach gar nicht mehr so richtig angefangen, ich hatte den Eindruck, meine Chance verspielt zu haben. Stets fürchte ich, dass mir noch einmal etwas so Wesentliches entgeht: dass ich zum Beispiel die CDU kenne, aber nicht weiß, wer Angela Merkel ist.