Im Schlafanzug. Haare geföhnt, Decke ordentlich hochgezogen. Hände auf Decke. Wie konnte man das nur für eine Sensation halten, weshalb so viel Aufregung über die Fotos von John im Bett mit Yoko Ono, sie natürlich züchtig einen halben Kopf tiefer gesetzt als er. Das Bild stand für Verführung und Ehebruch und Lotterleben, für radikales Künstlerengagement: "Bed Peace" war mit großen Lettern auf die Panoramascheiben hinter dem Bett geklebt und "Hair peace" und dahinter eine Stadtlandschaft, stellvertretend für die kalte Welt, aus der junge Männer nach Vietnam geschickt wurden, zum Kämpfen und Sterben für die Freiheit, wie heute in den Irak.
Von heute aus gesehen, ist es eine Installation der Harmlosigkeit, gegen die Apokalypse. Das schien aber 1969 genug. Darin offenbart sich eine Ernsthaftigkeit, wie Kinder sie haben, und die rückblickend vielleicht als Inbegriff der siebziger Jahre gelten kann. Ein Glauben an die eigene Wirksamkeit. Die Verpflichtung, sich selbst "einzubringen", körperlich. Aber, rückblickend betrachtet: der Beginn einer medialen Preisgabe von Intimität, das gläserne Schlafzimmer von John Lennon und Yoko Ono als Keimzelle des Big Brother-Containers. Dass John Lennon und wir alle dachten, dass Musik friedlich macht und Drogen und Sex das Bewusstsein erweitern, geradezu komisch. Dass wir heute die Welt so melancholisch betrachten, wirkt morgen vielleicht nur albern. Damals fand ich das Paar im Doppelbett so mutig. Irre und aufregend. Ein schönes Gefühl. Und ein trauriges. Denn es kam hoch an dem Tag, als John Lennon starb.