Es gibt Momente, da möchte man katholisch werden. Zum Beispiel, wenn man in eine fremde Stadt kommt, in der gerade ein Evangelischer Kirchentag stattfindet, und man sich plötzlich umzingelt sieht von Tausenden lila betuchten Jugendlichen, die unentwegt beschwingt mit den Füßen wippen und dazu das Terrorlied Danke singen. Es gibt aber auch Momente, an denen man gleich ganz vom Glauben abfallen möchte.

Der Münchner Generalmusikdirektor Christian Thielemann hat einen Ruf, gegen den er sich mit Worten gern wehrt, den er jedoch mit Taten fleißig pflegt. Der Preuße mit mächtigem Kinn gilt als Reaktionär unter den derzeit wohlbestallten Dirigenten. Am liebsten lässt er Wagner, Strauß und Pfitzner spielen. Und am liebsten auf eine Weise, die vergessen machen will, dass es nach Furtwängler und Karajan Kapellmeister gab, die das Hören als erlernbare demokratische Tugend begriffen, statt sie in deutsch-romantischem Klangrausch zu ertränken. Thielemann gibt der Welt, den Deutschen und dem Papst ein Konzert. Das ist jetzt auf DVD erschienen, mit freundlicher Unterstützung von Bild- Zeitung und Air Berlin. Mit dabei: Wagnerpfitznerlisztundverdi – dunkel, breit und raunend. Als Bonusmaterial gibt es Exklusivinterviews mit den Musikkritikern Christian Ude, Kardinal Lehmann und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Der heiligen Scheibe ist ein Heftchen beigelegt, das sie Booklet nennen. Darin sind viele bunte Bildchen, die allesamt mit goldig-goldenen Rähmchen umrahmt sind. Eines der Fotos zeigt unseren Benedikt, wie er einem gegelten Herrn das Händchen patscht. Der Herr heißt Kai Diekmann und ist Chefredakteur von Bild. Ein Papst, der sich für so was hergibt, muss kein anderes Verbrechen begehen, um in die Kriminalgeschichte des Christentums aufgenommen zu werden. Wenn ich das nächste Mal nach Rom komme, werde ich DOOF an die Hauswand des Heiligen Vaters schreiben. Das hat er dann von seinem schlechten Geschmack.

Das Ganze hat die Wirkung eines Nugatbarrens. Am Ende wälzt man sich papst…, nein, pappsatt auf dem Boden und sehnt sich nach der Fastenzeit. Oder nach der wunderschönen Aufnahme mit Werken von Bach, die Nikolaus Harnoncourt im Kloster Melk aufgenommen hat . Matthias Altenburg