Jazz ist die Art wie, man etwas spielt", erklärt der schwarze Bassist Walter Payton in einem Film über New Orleans und spricht ganz nebenbei Großes gelassen aus. Wie man eine Trompete spielt, das ist nicht neu zu erfinden, zentnerschwer lastet die Vergangenheit auf jedem Novizen. Zwischen Louis Armstrong und Miles Davis, zwischen Dizzy Gillespie und Tomasz Stanko schwankt der Ton, die Phrasierung, verblüffend also, wenn da mitten in Deutschland eine Stimme durchklingt, die aufhorchen lässt, ruhig, aber nicht traurig, ein melodienahes Singen auf der Trompete, das auf jeden Schmelz verzichtet.

Thomas Siffling, 1972 in Karlsruhe geboren und in Mannheim beheimatet, hat mit Change eines der spannendsten und zugleich entspannendsten Alben der jüngeren deutschen Jazzgeschichte eingespielt. Ohne den Druck eines Labels, das ihm Rolle und Repertoire nahe legt, ohne jung, deutsch und trendy sein zu müssen, einfach durch sein Spiel. Er ist eins der Kinder deutscher Jazz-Musikhochschulen, die, anfangs belächelt – Kann man Jazz lernen? –, inzwischen ein breites Spektrum seltsamer Eigensinniger hervorgebracht haben, die sich auf beiden Seiten des breiten Flusses ihr musikalisches Leben suchen. Er leiht schon mal den Söhnen Mannheims seinen Klang, führt eine Big Band, ist dem Label Jazz ’n’ Arts verbunden und hat mit Jens Loh (Bass) und Markus Faller (Schlagzeug) ein schlafwandlerisch sicheres Zuhause gefunden.

Mannheim hüben, Ludwigshafen drüben, Heidelberg um die Ecke, und so wechselt Thomas Siffling auch die musikalischen Räume, hat mit Human Impressions nun dem Chill-out-Standort Tribut gezollt. Takatak, dazu wummbrummt der Bass, vor dem geistigen Auge ziehen Autobahnpanoramen vorbei, Fuß vom Gas und dann wieder beschleunigen, Takatakwummbrumm, unklar, ob die Band die Trompete grundiert oder der Trompeter die Rhythmusspur mit ein paar Farbspritzern dekoriert. Angenehm und doch ein bisschen einschläfernd läuft dieser Film, würde er nicht von diesen fließenden Trompetenlinien geadelt, setzt Thomas Siffling ein, ist (fast) alles gut. Human Impressions reicht locker von Mannheim nach Heidelberg und zurück, mit Change kommt man überallhin. Konrad Heidkamp