Die 1927 gebaute Siedlung am Stuttgarter Weißenhof zeugte vom ambitionierten Aufbruch in die Moderne. 17 Architekten – unter ihnen Hans Scharoun, Mies van der Rohe und Le Corbusier – stellten exemplarisch vor, wie Menschen im 20. Jahrhundert leben könnten und sollten. Die Avantgarde-Siedlung, den Nationalsozialisten ohnehin ein Dorn im Auge, sollte 1939 dem Generalkommando V weichen. Dazu kam es nicht mehr. Nach dem Krieg geriet die Siedlung – als "Araberdorf" verrufen und zum Teil zerstört – etwas in Vergessenheit. Erst Anfang der Achtziger besann sich die Stadt des architekturgeschichtlichen Ranges der hoch über dem Talkessel liegenden Wohnbauten und begann zu renovieren. 2004 kaufte Stuttgart Le Corbusiers Doppelhaus, um seiner kulturellen Verantwortung für die Siedlung mit einem kleinen Museum nachzukommen. Denkmalgerecht wurde es jetzt von der Wüstenrot Stiftung renoviert. Nach 80 Jahren kann man nun endlich wieder in das Doppelhaus von Le Corbusier hinein und anschauen, wie dieser Protagonist der modernen Architektur sich die Wohnung des Mittelstandes dachte. Raffinierte Details an und in den Einbaumöbeln ermöglichten eine flexible Innenraumaufteilung, dazu ein farbenfrohes Interieur und fantastische Ausblicke von der Dachterrasse. Das muss man gesehen haben. UB

Kostenlose einstündige Führungen: 10. Dezember um 13 Uhr, 11. um 11 Uhr und 14. um 15 Uhr, Treffpunkt 10 Minuten vorher vor dem Corbusier-Haus, Rathenaustraße 1, Stuttgart, Öffnung mit Museumsbetrieb etwa Mitte 2006, Auskunft: Tel. 0711/562317, www.weissenhofsiedlung.de