Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in die Öffentlichkeit! Zeigt, was ihr könnt, schließlich bezahlen wir euch! So schallt es den Wissenschaftlern seit Jahren entgegen. Mittlerweile hängt deren Renommee auch davon ab, wie oft sie in der Zeitung zitiert werden. Neuerdings jedoch kann die geforderte "Sichtbarkeit" auch gegen einen Denker verwendet werden. Das mussten die Göttinger Politologen Franz Walter und Bassam Tibi erleben. Ihr Universitätspräsident warf den mediengewandten Vielschreibern indirekt vor, sie würden zu wenig ernst zu nehmende Wissenschaft betreiben. Es fiel das Wort von den "Feuilletonprofessoren".

Nicht nur Feuilletonjournalisten fragen sich seither, wer ihnen die Seiten füllen soll, wenn Wissenschaftler statt Zeitungsartikeln wieder mehr Fachaufsätze schreiben müssen. Auch an den Universitäten geht die Angst um. Wirkt sich mein Buch auf der Bestsellerliste rufschädigend aus? Wird mein letzter Talkshow-Besuch zum Grund für eine Gehaltskürzung?

Die ZEIT veröffentlicht eine Liste der besonders gefährdeten Forscher . Sie bezieht sich hierbei auf den so genannten media citation impact factor der vergangenen fünf Jahre. Er setzt sich zusammen aus den Nennungen bei Google, den Auftritten bei Christiansenillnerkernerbeckmannmaischberger und der Platzierung des derzeit verkaufsträchtigsten Werks auf der Amazon-Bestsellerliste. Plus ihrer Nennungen in der Pressedatenbank Genios, die alle wichtigen deutschen Zeitungen und Zeitschriften dokumentiert. Aus den Daten lässt sich der habilitierte Quotenkönig berechnen. Bei den Königinnen fehlt nach den großen Zeiten von Elisabeth Noelle-Neumann und Gertrud Höhler der Nachwuchs.