Medien Die Sendungsbewussten

Sie sprechen in jedes Mikrofon. Die Auftritte der Starprofessoren provozieren Neider und Kritiker. Die ZEIT präsentiert die Quotenkönige der Wissenschaft -

Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in die Öffentlichkeit! Zeigt, was ihr könnt, schließlich bezahlen wir euch! So schallt es den Wissenschaftlern seit Jahren entgegen. Mittlerweile hängt deren Renommee auch davon ab, wie oft sie in der Zeitung zitiert werden. Neuerdings jedoch kann die geforderte »Sichtbarkeit« auch gegen einen Denker verwendet werden. Das mussten die Göttinger Politologen Franz Walter und Bassam Tibi erleben. Ihr Universitätspräsident warf den mediengewandten Vielschreibern indirekt vor, sie würden zu wenig ernst zu nehmende Wissenschaft betreiben. Es fiel das Wort von den »Feuilletonprofessoren«.

Nicht nur Feuilletonjournalisten fragen sich seither, wer ihnen die Seiten füllen soll, wenn Wissenschaftler statt Zeitungsartikeln wieder mehr Fachaufsätze schreiben müssen. Auch an den Universitäten geht die Angst um. Wirkt sich mein Buch auf der Bestsellerliste rufschädigend aus? Wird mein letzter Talkshow-Besuch zum Grund für eine Gehaltskürzung?

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Die ZEIT veröffentlicht eine Liste der besonders gefährdeten Forscher . Sie bezieht sich hierbei auf den so genannten media citation impact factor der vergangenen fünf Jahre. Er setzt sich zusammen aus den Nennungen bei Google, den Auftritten bei Christiansenillnerkernerbeckmannmaischberger und der Platzierung des derzeit verkaufsträchtigsten Werks auf der Amazon-Bestsellerliste. Plus ihrer Nennungen in der Pressedatenbank Genios, die alle wichtigen deutschen Zeitungen und Zeitschriften dokumentiert. Aus den Daten lässt sich der habilitierte Quotenkönig berechnen. Bei den Königinnen fehlt nach den großen Zeiten von Elisabeth Noelle-Neumann und Gertrud Höhler der Nachwuchs.

 
Leser-Kommentare
    • fogg
    • 12.12.2005 um 1:41 Uhr

    Ein weiterer Beitrag unseres "Lieblingsautors" Spiewak. Eigentlich wollte ich ja schon mein Zeit-Abo wegen ihm kündigen. Aber jetzt finde ich seine Beiträge doch nur noch mild amüsant. Viellicht können wir ihn ja für eine Frühpensionierung vorschlagen!?

    Er scheint (genauso wie ich) die Beurteilung der niedersächisschen Kommission nicht nachvollziehen zu können. Im Unterschied zu mir hat er aber noch nie darin mitgearbeitet noch hat er überhaupt eine Idee, worum es überhaupt in dem Wissenschaftsgebiet geht. Genauso wie die Aufgeführten erliege ich gerne dem Anreiz, mich öffentlich zu äußern. Bisher ist das nicht gegen mich ausgelegt worden und wird tatsächlich von unserer Uni-Öffentlichkeitsstelle unterstützt (Überraschung!).

    Insgesamt würde ich es begrüßen, wenn Herr Spiewak - und andere deutsche Wissenschaftsjournalisten - sich zuerst über die wissenschaftlichen Problem informieren würden (wohlmöglich durch Lesen der Originalliteratur), bevor sie ihre Meinung über Probleme in dem Gebiet äußern. Meine Erfahrungen mit deutschen "Wissenschafts"-Journalisten sind jedenfalls dahin gehend, dass sie meist nicht wissen, was überhaupt das Problem ist! Im Gegensatz dazu haben anglo-amerikanische Wissenschaftsjournalisten (Wired, New Scientist, National Geographics u.a.) eine präzise Idee, worum es geht (sie informieren sich z.B. über das Web!), bevor sie bei mir anrufen. Basierend auf diese Erfahrungen werde ich weder Focus, Spiegel noch ZEIT in näherer Zukunft ein Interview geben.

    Ein deutscher Professor, der das Schlechtschreiben der deutschen Universitäten satt hat, und der fordert, dass die deutschen Wissenschaftsjournalisten mindesten den Doktorgrad haben sollten!

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