Am 26. Mai 1945, gerade zwei Wochen nach Kriegsende, berichtete Josef Furtmeier aus München: "Sie sind weg! Sie sind fort! Der Orkus hat sie verschlungen! … Es hat so lange gedauert, und es war so schwer! Das Jahr 1943 weißt Du! Hans Scholl, seine Schwester, Christl Probst, Prof. Huber und die Andern, liebe Freunde – alle tot, alle fort – gemordet:! Als wären sie nie gewesen! 6 Tage nach Hans Scholls Tod wurde ich auch verhaftet. Sie brachten nichts heraus! Nach vier Wochen wurde ich wieder entlassen!"

Der Münchner Justizbeamte, den die Nazis vom Dienst suspendiert hatten, zählte zum weiteren Umfeld der Weißen Rose. Hans und Sophie Scholl schätzten ihn und nannten ihn den "Philosophen". Die jetzt veröffentlichten Briefe, die er zwischen 1938 und 1947 an ein befreundetes Ehepaar in der Schweiz adressierte, sind bemerkenswert, nicht nur wegen der unbedingten Ablehnung des NS-Regimes, sondern vor allem wegen des sehr kritischen Blicks auf die unmittelbare Nachkriegszeit. Furtmeier wirkte bei der "Entnazifizierung" mit und musste hier manch bittere Enttäuschung erleben. Im Dezember 1946 schrieb er desillusioniert: "Es ist alles vergessen: Die Kriegserklärungen, der Überfall auf die Nachbarstaaten, die Gestapo, die Vergasungen, die K.Z. Lager, die Ghettos, die Verschleppungen. Dieses deutsche Volk … fängt an, seine verminderten Fettrationen gegen Auschwitz aufzurechnen." Volker Ullrich