Dieses Buch erweckt den Eindruck, als sei die Weltgeschichte im Jahrzehnt zwischen 1980 und 1990 eine einzige große Verschwörung gewesen. Dass die Revolution der Staatenwelt in Europa und die Wiedervereinigung Deutschlands damals mit unvermuteter Plötzlichkeit dahergekommen sind, erscheint dem Autor Ferdinand Kroh schlankweg als unzutreffend. Seine These lautet vielmehr, dass eine intensive Zusammenarbeit des amerikanischen und sowjetischen Geheimdienstes die entscheidenden Grundlagen für den Wandel der Jahre 1989/90 gelegt habe, um einen großen Krieg zu vermeiden: "Diese Kooperation zwischen CIA und KGB, zu einer Zeit, als die Menschheit dachte, dies seien zwei zutiefst verfeindete Geheimdienste, war wohl wesentlich für den friedlichen Zusammenbruch des Sowjetimperiums."

Die kühne Annahme dient nicht zuletzt dem Versuch, Helmut Kohls historische Leistung als "Kanzler der Einheit" infrage zu stellen. Lange Zeit, so möchte der Autor es plausibel machen, habe der Bundeskanzler vielmehr zur nationalen Wiedervereinigung Deutschlands deutliche Distanz gehalten. Auf Anspielungen, ja auf Angebote der sowjetischen Seite, das geteilte Deutschland zu vereinen, sei er, weil er befürchtet habe, gesamtdeutsche Wahlen nicht gewinnen zu können, einfach nicht eingegangen.

Betrachtet man die angedeuteten Beispiele näher, stellt sich umgehend heraus, dass Helmut Kohl sich in der Tat Sirenengesängen gegenüber, die Wiedervereinigung zum Preis der Neutralität oder der Aufgabe der Nato-Zugehörigkeit zu erkaufen, taub gestellt hat: Er wollte ebendas erreichen, was er schließlich erreicht hat, nämlich Einheit und Freiheit, Wiedervereinigung und Sicherheit in einem, aber keine Lösung der deutschen Frage unter Verzicht auf den unabdingbaren Schutz durch die westliche Allianz.

Diese Feststellung führt dazu, zumindest eine der vielen Schwächen des Buches beim Namen zu nennen: Die Quellengrundlage ist nämlich mehr als dürftig und höchst problematisch. Ein Großteil der herangezogenen Materialien beruht auf Gesprächen des Autors mit damals handelnden Personen ganz unterschiedlicher Provenienz. Zudem hat der Verfasser von einer Benutzung einschlägiger Darstellungen zum Untersuchungsgegenstand, die unverzichtbar sind, abgesehen.

Vor dem Leser wird somit ein Bilderbogen entfaltet, der Maßgebliches und Unmaßgebliches ganz undifferenziert nebeneinander stellt. Er reicht von der Großen Politik der Vier Mächte, die eher gestreift als untersucht wird, bis zu den Morden an Gero von Braunmühl, Alfred Herrhausen und Detlev Karsten Rohwedder, die der Autor auf das Konto geheimdienstlicher Aktivitäten zu buchen bemüht ist.

Ungeachtet der Tatsache, dass der säkulare Untersuchungsgegenstand der deutschen Wiedervereinigung die Historiker auf absehbare Zeit beschäftigen und dass in diesem Zusammenhang noch so manche bislang unbekannte Tatsache zutage treten wird, sind Ferdinand Krohs scheinbar verblüffende Wendemanöver alles andere als überzeugend: Geschichte ist in jeweils ganz unterschiedlicher Mischung das Produkt aus Absicht und Zufall, aus intentionalem und funktionalem Handeln, aber mit Sicherheit nicht die gezielte Abfolge einer langfristig geplanten Verschwörung. Klaus Hildebrand