DIE ZEIT: Herr Piebalgs, als europäischer Energiekommissar sind Sie mit verantwortlich für Europas Beitrag zum Treibhauseffekt. Wie gefährlich ist die Erderwärmung?

Andris Piebalgs: Ich weiß, dass es Leute gibt, insbesondere jenseits des Atlantiks, die den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt sehr gelassen beobachten. Ich gehöre nicht dazu. Ich halte die Erderwärmung für ein großes Problem, insbesondere für unsere Kinder und Enkel. Deshalb bin ich entschlossen, den Klimawandel zu bekämpfen – und zwar heute und mit wirksamen Methoden.

ZEIT: Tatsächlich hinkt Europa seinen eigenen Klimaschutzzielen hinterher. Laut Kyoto-Protokoll muss die EU ihre Emissionen bis zum Jahr 2012 um acht Prozent gegenüber 1990 reduzieren; geschafft ist bisher nur ein mageres Minus von 1,4 Prozent.

Piebalgs: Warten Sie ab. Im Übrigen wäre es keine Katastrophe, wenn wir unser Ziel nicht exakt erreichen. Entscheidend ist die Richtung der Emissionsentwicklung. Wenn die Tendenz stimmt, bin ich zufrieden. Schauen Sie sich doch die Emissionsentwicklung in anderen Industriestaaten an…

ZEIT: …plus 13 Prozent in den USA

Piebalgs: …deshalb müssen wird dafür sorgen, dass sich die Vereinigten Staaten am Kampf gegen den Klimawandel beteiligen. Zum Beispiel dadurch, dass wir sie von den Vorteilen des Emissionshandels überzeugen. Das muss auch in der europäischen Außenpolitik höchste Priorität bekommen. Hinsichtlich unserer eigenen Bemühungen bin ich zuversichtlich, dass wir mit unseren Initiativen in puncto Energieeffizienz und erneuerbarer Energien Erfolge haben werden.

ZEIT: Welche Initiativen meinen Sie?

Piebalgs: Ich meine vor allem, in Europa mit weniger Energie auszukommen. Das hat für mich oberste Priorität. Wir können unseren Energiekonsum um mindestens 20 Prozent vermindern, ohne dafür einen Cent zu zahlen. Und ohne dass deswegen unser Lebensstandard sinkt.

ZEIT: Was tun Sie dafür?

Piebalgs: Eine ganze Menge. Im Januar tritt eine Richtlinie in Kraft, die den Energieverbrauch von Gebäuden transparent machen wird; Mieter und Immobilienkäufer werden dann wissen, worauf sie sich beim Energieverbrauch einlassen, bevor sie ein Haus kaufen oder einen Mietvertrag unterschreiben. Des Weiteren haben wir uns auf die Ökodesign-Richtlinie geeinigt, die uns die Möglichkeit gibt, Mindeststandards für die Energieeffizienz von Elektrogeräten festzulegen. Wir wollen in Europa den Energieverbrauch drastisch senken – nicht dadurch, dass wir die Menschen drängen, abends im Dunkeln zu sitzen, sondern indem wir die besten Energiestandards etablieren.

ZEIT: Warum ist es so schwer, den Stand-by-Verbrauch von Elektrogeräten zu vermindern? In Deutschland beschäftigt allein dieser nutzlose Stromverbrauch zwei Großkraftwerke!