Volkskrankheiten Wenn die Welt verstummt

Hörgeräte werden immer besser. Sie unterdrücken Störgeräusche und orten Schallquellen. Nur wenige Kranke nutzen den technischen Fortschritt. Lieber leugnen sie ihr Problem. Denn Hörschwächen gelten als Zeichen von Vergreisung

Jürgen Kießling brach der Schweiß aus, als er Ende Oktober auf einer Hörgeräte-Konferenz in Manchester am Rednerpult stand. Der Chef der Audiologie an der Universitätsklinik Gießen hatte gerade seinen Vortrag beendet, da erhob sich jemand in der letzten Reihe und stellte eine Frage – ohne Mikrofon, auf Englisch. »Mein Gott«, dachte der Fachmann fürs Hören, »das hast du jetzt nicht verstanden.« Kießling trägt selbst ein Hörgerät, das wussten die meisten im Raum. Die Kollegen hätten Verständnis gehabt, wenn er nachgefragt hätte. Er aber versuchte lieber, mühsam den Sinn der an ihn gerichteten Worte zu erraten, und gab eine Antwort, die ungefähr dazu passte. Selbst einem Hörspezialisten kann es unangenehm sein, wenn er einem Gespräch nicht folgen kann.

Wie zugekorkt fühlen sich viele Menschen mit einem Hörverlust. Normalerweise gelangt der Schall durch das Außenohr in das Mittelohr, wo er über die Gehörknöchelchen (1) verstärkt und über das Trommelfell in das Innenohr (2) übertragen wird. In der zum Großhirn aufsteigenden zentralen Hörbahn (5) wird die Nervenerregung vielfach vorverarbeitet (etwa die Schallquelle geortet und Lärm von Sprache getrennt). Die Ergebnisse werden dann an den für das Hören verantwortlichen Großhirnbereich, den auditorischen Cortex (6) , weitergeleitet. Im Großhirn werden alle Hörinformationen zur Hörwahrnehmung zusammengefügt. BILD

Schwerhörigkeit ist mehr als das Nachlassen eines Sinnes. Die Ohren sind als Empfänger ein wichtiges Glied in der Kommunikationskette, sie stellen den Kontakt zu anderen Menschen her. Wenn diese Verbindung unterbrochen ist, hat das weitreichende Konsequenzen. Ohne akustische Reize lernen kleine Kinder nicht sprechen, und schwerhörige Erwachsene ziehen sich irgendwann aus der Gesellschaft zurück. Schätzungsweise 14 Millionen Deutsche leiden unter Schwerhörigkeit, doch nur ein knappes Fünftel von ihnen besitzt ein Hörgerät. Und viele, die eins besitzen, benutzen es nicht.

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Warum diese Verweigerung? Schwerhörige werden von ihren Mitmenschen oft als »begriffsstutzig«, »doof« und vor allem als alt abgestempelt – und wollen gerade deshalb kein Hörgerät. Es käme einem Eingeständnis von Schwäche gleich. Hörhilfen stehen für einen Makel, anders als Sehhilfen. Brillenträger galten schon immer als besonders belesen, intellektuell. Brillen sind als Modeaccessoire akzeptiert, Hörgeräte nicht. Selbst winzige, unsichtbare Im-Ohr-Apparate oder poppige Schmucktechnik konnten die Akzeptanz der Hörprothesen nicht steigern. Das hat paradoxe Auswirkungen: Weil der Schwerhörige das Hörgerät ablehnt, verliert er den Gesprächsfaden, antwortet unpassend und gilt dann erst recht als senil.

Im Innenohr(2) setzen die feinen Haarzellen (3) den Schall in eine Erregung des Hörnervs (4) um. BILD

Das Gebrechen ließe sich leicht beheben, finden zumindest viele Außenstehende. Schließlich bringt die Industrie immer neue High-Tech-Wunder auf den Markt. Doch oft ist die Technik selbst das Problem: Viele, die sich schließlich zum Kauf eines Hörgeräts durchringen, sind danach nicht zufrieden. High-Tech-Produzenten und Anwender scheinen sich nicht besonders gut zu verstehen. Hörgeräteakustiker könnten vermitteln, häufig sind sie jedoch keine große Hilfe, auch weil das Geld für intensive Betreuung fehlt.

Bevor sich Ärzte und Techniker aber um Verständigung bemühen können, muss der Schwerhörige erst den Weg in die HNO-Praxis antreten. Das kann dauern. Auch der Hörspezialist Jürgen Kießling brauchte einige Zeit für sein Outing. Den Hörschaden hatte er als 20-Jähriger bei der Bundeswehr durch Schießübungen erlitten. Lange ahnte er nichts davon. Er dachte, er höre völlig normal. Mit 28 Jahren musste der angehende Audiologe dann erstaunt feststellen, dass sein Gehör bei weitem nicht so gut arbeitete, wie er geglaubt hatte. »Ich habe am Anfang etwas gebraucht, das zu akzeptieren«, sagt Kießling, »aber als Audiologe muss man ja mit gutem Beispiel vorangehen.«

Es dauerte noch ein paar Jahre, bis der Spezialist sich zwei Hörgeräte anpassen ließ, für jedes Ohr eines. Die einseitige Versorgung bringt wenig, weil das Hirn für die effiziente Interpretation des Gehörten die räumlichen Informationen von beiden Ohren braucht. In ruhiger Umgebung versteht Kießling jetzt alles. Situationen wie auf dem Kongress in England jedoch überfordern ihn.

Warum aber vergeht so viel Zeit, bis die Schwerhörigkeit überhaupt auffällt? Solange das Gehirn jung ist, kann es einen Hörschaden noch gut kompensieren, der Betroffene merkt nichts. Erst Mitte 40, Anfang 50, wenn die Flexibilität der Nervenzellen nachlässt, fällt vielen der Hörverlust auf. Spätestens wenn sie einem Gespräch auf einer Party mit starken Hintergrundgeräuschen nicht mehr folgen können, sollten sie den Arzt aufsuchen. Dort folgt heikle Aufklärungsarbeit. »Die meisten Menschen denken, die Hirnleistung lasse erst ab 70 nach«, sagt der Audiologe Kießling, »man muss die Zusammenhänge sehr vorsichtig formulieren. Sonst sagen die Leute nachher: ›Der hält mich für blöd.‹«

Nicht die Ohren, sondern die Nerven sind das große Problem. Über 80 Prozent aller älteren Hörgeschädigten können die akustischen Informationen nicht mehr richtig im Hirn verarbeiten; ihnen fällt die Ortung der Schallquelle schwer und damit das Verstehen. Sie hören nicht unbedingt weniger, sie hören anders. Sie nehmen Worte unklar oder verzerrt wahr, Sätze nur bruchstückhaft. Lautes Anschreien bringt nichts. Im Gegenteil. Zusätzliche Dezibel durch laute Stimmen oder klappernde Teller im Restaurant können Hörgeschädigten sogar wehtun. Reine technische Schallverstärkung ist nur akustischer Terror.

Die meisten Schwerhörigen sind um die 70 Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal einen HNO-Arzt aufsuchen – dabei erkrankt die Mehrzahl im Alter um die 60 Jahre. Im Schnitt müssen die Nervenzellen zehn Jahre darben. Das Gehör braucht aber einen kontinuierlichen Strom an Reizen, sonst baut es unweigerlich ab, die Nervenzellen der Hörbahn verkümmern. Das Hirn nimmt zwar noch den Schall wahr, aber es fällt ihm immer schwerer, den Sinn daraus zu extrahieren. Damit ist es dann so sehr beschäftigt, dass es für das eigentliche Nachdenken und Erinnern des Gesagten immer weniger Kapazität zur Verfügung hat. Die kognitiven Fähigkeiten lassen nach, und einmal mehr zweifelt die Umwelt am Verstand des Hörgeschädigten. Nach ständigen Missverständnissen ziehen sich Schwerhörige zurück. Erst meiden sie größere Gruppen, später kommunizieren sie auch im eigenen Umfeld nur noch eingeschränkt. Selbstwertverlust, Angststörungen, soziale Isolierung, Vereinsamung bis hin zur Depression sind die Folge. Beispielsweise werden Paare mit einem hörgeschädigten Partner häufiger geschieden.

Am Abend sind Schwerhörige vom Zuhören völlig erschöpft

Oft schleppen Verwandte die Schwerhörigen zum HNO-Arzt, weil sie das ewige Nörgeln über Verständnisschwierigkeiten leid sind. Dann sitzen diese zum Beispiel bei dem Hamburger HNO-Arzt Nikolaus Töpfner auf dem Behandlungsstuhl. Der schaut in die Ohren, studiert die Linien des Audiogramms und überbringt den Patienten die Botschaft, wie es um ihre Hörminderung steht. Äußerst angestrengt sehen seine Patienten aus. Aufmerksam starrt die rüstige Rentnerin auf den HNO-Arzt und verfolgt, wie der seinen Mund für jede Silbe betont langsam formt.

Sie besitzt schon seit einem Jahr ein stärkeres Hörgerät, aber es hilft nicht viel. Rätselnd beobachtet auch eine Frau Ende 60 den Arzt, ihr Mann wiederholt geduldig jeden Satz von Töpfner. Eine junge Frau rutscht beunruhigt auf dem Stuhl herum, weil sich ihr Ohr seit einem Hörsturz anfühlt wie mit Watte verstopft. »Am Ende eines Tages sind Schwerhörige fix und fertig«, sagt der Arzt hinterher, »ihr Gehirn leistet Schwerstarbeit.«

Vieles würde leichter fallen, wenn die Schwerhörigen früher eine Therapie angingen. »Der erste Schritt ist das Bekenntnis zur Hörminderung«, sagt Jürgen Kießling. Dass Schwerhörigkeit mit Alter zu tun hat, ist extrem fest in den Köpfen verankert. Die Gleichsetzung ist jedoch nur bedingt korrekt. Natürlich lässt die Flexibilität des Gehirns und des Gehörs mit der Zeit nach, aber der Hörverlust ist nicht einfach ein unausweichlicher Verschleiß. »Die Hörfähigkeit im Alter ist eher bestimmt von der Summe der kleinen Sünden, die man im Leben begangen hat«, sagt Jürgen Kießling. Lärm kann das komplexe System stören, aber auch Medikamente, Infektionen und vieles anderes mehr.

Auch die Ernährung könnte eine Rolle spielen. Mitglieder des südsudanesischen Volks Mabaan zum Beispiel haben weltweit die feinsten Ohren, auch noch im hohen Alter. »Mabaans hören mit 80 so wie in Europa 50-Jährige«, sagt Hasso von Wedel, Audiologe an der Universität Köln, »umgekehrt hören die Menschen in Ostfinnland mit 50 so schlecht wie viele 80-Jährige hier in Deutschland.« Eine Theorie besagt, dass die karge vegetarische Kost die südsudanesischen Ohren besser schützt als zum Beispiel die finnische Weihnachtsspeise Laskiaispullat, fette Hefeteiggebäckstücke mit Marzipan-Sahne-Marmelade-Füllung.

Aber warum gehen im Lauf des Lebens viele der 15000 Haarzellen verloren, die im Innenohr die Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln und zur Hörbahn ins zentrale Nervensystem senden? Warum verschwinden in jedem Lebensjahrzehnt 2100 der 35000 Hörneuronen, mit denen der Mensch auf die Welt kommt? Warum lösen sich die Nervenscheiden auf, lassen die Synapsen und Nervenzellen im Hirn nach? So richtig verstehen das auch die Experten noch nicht. Obwohl das Problem der Schwerhörigkeit so alt ist wie die Menschheit, fand erst im letzten Jahr der erste Weltkongress zur Hörminderung im Alter statt. Gesichert ist allein, dass auch genetische Komponenten einen Einfluss haben.

Die Industrie ersinnt unterdessen im Kampf gegen die Schallmauer im Kopf immer neue Finessen. Seit zehn Jahren löst Digitaltechnik die grobe analoge Elektronik ab. Inzwischen unterteilen Mikroprozessoren mit zehn Millionen Transistoren die Schallsignale in 16 Frequenzbänder. In jedem einzelnen Band wird der Schall verstärkt und dabei werden gleichzeitig Stör- und Windgeräusche unterdrückt. In jedem Ohr horchen drei Mikrofone in die Umwelt und orten die Schallquellen, Richtmikrofone stellen sich automatisch auf die Gesprächspartner ein. Im neuesten Siemens-Produkt sind beide Hörgeräte über Funk gekoppelt und gleichen automatisch ihre Einstellungen ab.

Maßgefertigte Hörgeräte wachsen aus einer Kunststofflösung

Mit immensem Aufwand fertigt der Weltmarktführer individuelle Im-Ohr-Geräte. In der Siemens-Niederlassung in Erlangen treffen täglich Hunderte von blauen und grünen Abdrücken von Gehörgängen aus ganz Deutschland ein. Die Gummimodelle sind Vorlagen für die maßgefertigten High-Tech-Apparate. Techniker stecken sie in schuhschachtelgroße Geräte, die in wenigen Minuten millimetergenau jede Windung und jeden Wulst digital abtasten. Die dreidimensionalen Abbilder erscheinen auf den Monitoren der Modellierer, die mit der Computermaus flink die Überstände abschneiden. Dann verlegen sie im virtuellen Ohrstück einen kleinen Lüftungskanal und prüfen, ob die Elektronikplatine hinterher in das am Rechner getunte Kunststoffgehäuse passt.

Eine schrankgroße Maschine in einem separaten Raum empfängt die fertigen Datensätze. Dort strahlt jede Nacht ein starker Laser in eine milchige Kunststofflösung und härtet sie Schicht für Schicht aus; so lange, bis sich einhundert passgenaue Ohrstücke materialisiert haben. Die Bauteile werden mit Steinchen zusammen gebadet; das glättet die Oberfläche. Nichts ist für Hörgeräteträger quälender als drückende Rillen und Riefen im schwitzenden Gehörgang. Schließlich pflanzen Techniker noch die Elektronik in die Maßgehäuse und unterziehen das Ganze einem akustischen und elektronischen Härtetest.

Doch trotz aller Akkuratesse sind nur 20 Prozent der Betroffenen mit ihrer Hörhilfe zufrieden. Schätzungsweise die Hälfte der Geräte verschwindet ungeliebt in der Nachttischschublade. Wie gut ein Patient mit seiner Hörhilfe zurechtkommt, entscheidet sich häufig beim Hörgeräteakustiker. Dort muss oft eine falsche Erwartung korrigiert und die Anpassung der Elektronik mit Fingerspitzengefühl betrieben werden. Ein Hörgerät darf nicht wie eine Brille nur bei Bedarf getragen werden, sondern sollte den größten Teil des Tages die Ohrnerven beschallen. Denn ein untrainiertes Ohr muss behutsam wieder an den Schall gewöhnt werden. Der Betroffene, zuvor jahrelang in Watte gepackt, ist meist überwältigt von den Geräuschen, die plötzlich auf ihn einrieseln. »Das Rascheln der Zeitung ertragen viele dann nicht mehr«, sagt Jörg Rehkopf, Chefaudiologe bei Siemens. Er plädiert dafür, dass Hörgeräte allmählich und nicht sofort »scharf« gestellt würden. Viele Hörgeräteakustiker aber lehnen solche Ratschläge als Einmischung in die inneren Angelegenheiten strikt ab.

Ohne Audiotherapie sind viele Patienten überfordert

Die Hörgeräteakustik, einst ein Goldgruben-Business, ist unter Druck. Die Krankenkassen zahlen nur noch rund 800 Euro Festbetrag. Viele Spezialisten lassen sich deshalb nicht mehr genug Zeit bei der Anpassung. Die Folge: Viele Anwender verlieren die Lust am neuen Gerät. Der ideale Einstieg in den Klub der Hörgeräteträger wäre ein Hörtraining oder eine Audiotherapie. Dort lernen Patienten wieder den feinen Unterschied von »Haus« und »Haut« und üben, das Rauschen eines Regengusses vom Rauschen der Klospülung zu unterscheiden. Aber die Audiotherapie zahlen die Krankenkassen nur denen, die sich eine aufwändige, 40000 Euro teure Cochlea-Prothese implantieren lassen. Dabei wird ein feiner Draht in das Innenohr eingeführt. Bis zu 22 Elektroden ersetzen die Funktion der verloren gegangenen Zellen in der Hörschnecke und stimulieren den Hörnerv direkt. Diese Patienten müssen das Hören völlig neu lernen. Vielen Erwachsenen fällt dies schwer; der Erfolg ist ungewiss.

Nicht gerade hilfreich für schwerhörige Patienten sind die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Medizinern und Technikern. »Die Hörgeräteindustrie berücksichtigt nicht genug, dass bei Hörminderung im Alter meist die Verarbeitung im Hirn betroffen ist«, sagt Gerhard Hesse von der Tinnitus-Klinik Arolsen. Hörgeräte für alte, zentral-hörgeschädigte Menschen müssten eine maximale Störgeräusch-Unterdrückung bieten. »Eine Forderung, die die Industrie meiner Ansicht nach nicht erfüllt«, sagt Hesse, dessen Spezialgebiet Hörminderungen im Alter sind. Jörg Rehkopf, der Siemens-Audiologe, spielt den Ball an die Mediziner zurück: »An der Digitaltechnik lässt sich inzwischen so viel einstellen, dass wir dringend neue Informationen von den Wissenschaftlern brauchen, welche Einstellungen überhaupt günstig sind.«

Mit den existierenden Geräten lässt sich gut arbeiten – aber sie erfordern Geduld. Hesse begleitet in seiner Klinik die Anpassung der Hörgeräte hörtherapeutisch. »Wir erreichen eine Akzeptanz von über 90 Prozent.« 85 Prozent seiner Patienten würden von der intensiven Betreuung profitieren, »außer diejenigen, die grimmig sind und nichts machen wollen«.

Viele ältere Menschen fürchten sich in einer jugendfixierten Welt vor dem Altersmakel Hörgerät. Sie leugnen oder bagatellisieren das Problem und wehren sich oft gegen die akustische Krücke. Nikolaus Töpfner, der HNO-Arzt am feinen Hamburger Jungfernstieg, erlebt das häufiger. »Gerade hatte ich eine ältere Dame mit Facelifting hier sitzen«, sagt er, »die will doch nichts von ihrer Schwerhörigkeit oder einem Hörgerät wissen.«

 
Leser-Kommentare
  1. Die Zeitung mit diesem Artikel kamm irgendwie zufällig in meinen Briefkasten. Vielleicht einer von meinen Bekannten, die mein Problem kennen und etwas Mitleid mit diesem Leiden haben, wollten mir in diese Art und Weise einen Tipp geben, oder war's das Schützängelchen, das mich aufmuntern wollte...Ich weiß es nicht. Einfach Schicksal...Der Artikel hat mich genau in die Mitte getroffen. Seit ca. 2 Jahre habe ich bei mir das Problem festgestellt, dass ich immer noch nicht nachvollziehen kann. Ich höre eigentlich gut... aber verstehe manchmal ganz schlecht. Der HNO Ärzte haben bei mir Tieftonverlzust festgestellt und die Hörhilfe verordnet. Leider konnten die Akustiker nicht helfen, ganz im Gegenteil. Ich war total enttäuscht, und zwar von mir. Dass ich, noch nicht 30, die vor 9 Jahren eine Musikschule abgeschlossen hat, und vor 4 Jahren eine Hörverstehenprüfung im Rahmen der Deutschen Oberstufenpüfung erfolgreich bestanden hat, nun Schwierigkeiten hat, die gesprochene Sprache zu verstehen. Da ich mich gerade vor den Abschlussprüfungen in der Uni befinde, fällt es mir besonders schwierig, mit den Ansprechspartnern klar zu kommen. Gerade in dieser Phase muss man mehrere Kontakte knüpfen, na ja, zumindest mit den prüfungszuständigen Professoren und deren Assistenten sich gut verständigen. Und wie kann ich erklären, dass ich nicht den Deutschkurs brauche, wenn ich sie nicht verstehen kann, sondern einfach mal Geduld und mehrfache Wiederholung des gerade Ausgeschprochenen?..Viele staunen nur: "Wie denn? Sie hören doch? Aber nicht verstehen? ja, ja Deutsch ist echt schwierig." Da will ich schreien: "Nein, das ist doch nicht das Problem. Das Deutsch lässt sich erlernen. Und das habe ich doch gemacht.Ich verstehe Sie deswegen schlecht, das Ihre Stimme für mich im Tieftonbereich liegt....." Das ist wirklich frustrierend.
    Ich möchte mich jetzt für den Artikel ganz herzlich bedanken. Der hat einige meinen Fragen beantwortet. Mein Selbstwertgefühl und Respekt zu sich selbst lässt sich wieder hoch ziehen :-) Ich würde so gerne Kontakte mit den betroffenen Personnen aufnehmen. Vielleicht könnten wir von unseren Erfahrungen etwas neues lernen im Bezug zum Umgang mit Schwerhörigkeit; weiter recherchieren, andere Lösungen suchen, Forschungsinstituten, etc..Na, vielleicht, koennten wir zusammen etwas zur allgemeinen Aufklärung beibringen, so dass Hörschwäche keine Indizen der niedrigen Intelligenzquote ist, sondern einfach zu gesundheitlichen Schwächen gehört. Wie im Artikel erwähnt wurde, das ist alles Nervensache. D. h. Schwerhörigkeit kann einen Indiz dafür sein, dass diejenigen, die spannendes oder leidenschaftliches, also tief emotionales Leben gelebt haben, die alles durch ihren Herz gehen lassen, haben ihre Nerven und somit auch Ohren sehr belastet. Vielleicht ist die Schwerhörigkeit einfach die Wehr-Reaktion des Körpers zur Belastung? Es gibt tausende Sachen, die man zusammen besprechen könnte. Ganz kurz gesagt, nur wir, also die Betroffenen, wenn wir uns aktiv machen, können zusammen eine Lösung finden. Wie mal von einem Philosoph gesagt wurde: "Jede Tür kann man aufschliessen, man muss nun den richtigen Schluessel haben."

    Ich würde mich auf alle Kontakte sehr freuen.

    Vielen Dank.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Naturis

    • wilden
    • 20.12.2005 um 9:48 Uhr

    „ Die Zeit“ vom 08.12.2005 St. 42

    Vielen Dank für Ihren Beitrag „ Wenn die Welt verstummt“.
    Leider transportieren Sie darin weiterhin die altbekannten Irrlehren bezüglich des Hörens und der Schwerhörigkeit an die Leser.
    Der Satz „ Nicht die Ohren, sondern die Nerven sind das grosse Problem“ ist falsch.
    Die Schwerhörigkeit ist die Folge der, mittels der Hörprüfung (Audiometrie) messbaren nachlassenden biologischen Qualität der 25000 Hörzellen in der Hörschnecke.
    Die Audiometrie dokumentiert eindeutig die biologische Situation des Hörorgans (Ohrs) und nicht die des Gehirns („Nerven“).
    Sowohl die Verordnung von Hörgeräten (und damit der Anspruch auf Kassenleistungen), als auch richterliche Entscheidungen bezüglich eventueller Rentenansprüche, z.B. bei beruflich bedingter Schwerhörigkeit beruhen weltweit auf den Ergebnissen der Hörprüfung und nicht etwa auf Messungen der „Flexibilität der Nervenzellen“.
    Ebenso falsch ist die in Ihrem Artikel aufgestellte Behauptung:„ Ein Hörgerät darf nicht wie eine Brille nur bei Bedarf getragen werden, sondern sollte den grössten Teil des Tages die Ohrnerven beschallen“.
    Fakt ist, dass ein Hörgerät überlastete und erschöpfte Hörzellen über ihre Schallverstärkung zwingt zu arbeiten und es von daher jeder Hörgeräteträgerin bzw. Hörgeräteträger ( insbesondere Kindern) dringend anzuraten ist, ihre überlasteten z.B. Hörorgane soviel wie möglich vor unsinnigen Schallbelastungen zu schützen. D.h. die Hörgeräte während Flugzeugreisen, Bahn, Bus und auch Autofahrten ( als Passivfahrer) abzuschalten bzw. durch Ohrstöpsel zu ersetzen,um so die völlig nutzlose aber schädigende Schallverstärkung der Fahrtgeräusche zu vermeiden.
    Ausführliche Informationen zur Anatomie und Funktion der Hörorgane sowie zur Prophylaxe von Hörschäden und zur Selbsthilfe bei bereits spürbar gewordenen Innenohrüberforderungen finden Sie und interessierte Leser unter www.dasgesundeohr.de.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Lutz Wilden

  2. Als schwerhöriger Finne muss ich gegen zwei Behauptungen in Ihrem Bericht protestieren. Die Ostfinnen hören nicht schlechter als sonst der Finne. "Laskiaispullat" ist kein finnisches Weihnachtsessen. Herr Albrecht sollte sich die Mühe geben bessere Nachforschung zu üben. Die Schweden essen dieses Gebäck genau so gerne, wie hören sie wohl? Marmelade und Marzipan werden auch nicht gemischt. (Laskiaispulla/semla = Fastensemmel, sagt wohl wann dieses Gebäck gegessen wird?).
    Vor 15-20 Jahren wurde die Gesundheit der Ostfinnen viel studiert und weltweit diskutiert unter Medizinern. Forschern konnten einen Zusammenhang zwischen Herzkrankheiten und fettes Essen, wenig Obst und Gemüse finden, da ging es nicht um das Hören.

    motz

  3. Also ich weiß nicht. Mir ist gerade ein Hörgerät verordnet worden. Nur für das linke Ohr, und es soll auch als Tinnitusnoiser fungieren. Ich stelle es mir schrecklich vor, wenn beispielsweise bei einer bremsenden Lokomotive das Hörgerät eingeschaltet ist, wo ich mir doch, seitdem genau so eine Maschine den Tinnitus ausgelöst hat, die Ohren zuhalte.
    Auch wenn das Hören, wie so viele andere Dinge auch, "im Kopf" stattfindet, muß man sich wirklich quälen? Ich bin mit 55 noch einer der "jüngeren", und ich denke gar nicht daran, mich zurückzuziehen. Mich stört nur eines: Lärm, unnötiger Lärm, und der würde mit einem HG wohl nur noch potenziert werden. Aber vielleicht war das so im Jahr 2005, wir sind ja schon ein bißchen weiter.
    Klaus

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