Was Architektur ist? Aber das wissen doch alle?! Alle, die inmitten von Architektur leben, über ihre Erzeugnisse reden, meist darüber herfallen und vermeintlich überall "Beton, nichts als Beton" zu sehen glauben… Wie wunderbar, dass es nun ein handliches Buch gibt, das sich liest, als sei es von einem Menschenfreund geschrieben, der obendrein ein kultivierter Architekt ist: Architektur für die Westentasche von Stephan Braunfels (Piper Verlag, München 2005; 128 S., 9,90 €). Der Autor hat sich als Architekt mit der Pinakothek der Moderne in München und den Bundestagsgebäuden am Reichstag zu Berlin einen Namen gemacht. Man liest, als höre man ihm zu, wenn er erzählt: über Dach, Wand und Fenster, Balkon und Treppe, Stein und Holz, Form, Maß und Proportion, über Bauwerke, Stile und über Städtebau auch. Man liest alles dies wie eine Geschichte – schon weil der Autor einer guten Sprache fähig ist.

Dass Architekten nicht nur ans Nächste, sondern viel weiter denken und dabei sowohl das Glück der Einzelnen wie der ganzen zu behausenden Menschheit im Sinn haben, erfährt man in einem Buch des vielfach preisgekrönten Japaners Kisho Kurokawa. Es heißt Das Kurokawa-Manifest (jovis Verlag, Berlin 2005; 384 S., 25,– €). Darin breitet der gebildete Baumeister sein reiches, von aller Welt bewundertes Œuvre aus sowie seine Vorstellungen von einer vernünftigeren, "symbiotischen" Stadtplanung und einer korrespondierenden Architektur. 1993 hat er für dieses Buch den Großen Preis der japanischen Literatur bekommen – es liest sich genussreich. Manfred Sack