Mit schwarzer Schuhcreme hatte man die ledrige Totenhaut aufpoliert, die Haut "El Negros", des "Schwarzen", der seit 1911 das düstere Prunkstück im Naturkundemuseum des spanischen Städtchens Banyoles war – ein ausgestopfter Mensch, mit Stroh zwischen Knochen und unter der afrikanischen Haut. Weil der große Gleichmacher diese Haut im Lauf der Zeit erbleichen ließ, griff man schließlich zum Putzmittel – ein bizarres Mittel des musealen Rassismus im Kampf gegen die Vergänglichkeit.

Der Autor Frank Westermann war 1983 19-jährig im Urlaub auf El Negro gestoßen. Ein Schock, der den Holländer Jahre später zur detektivischen Recherche anregte. Ihr Ergebnis ist weit mehr als dieses Buch, das El Negros Weg anhand von Briefen, Inventaren, forensischen Befunden nachzeichnet – der anonyme, lediglich (und falsch) als "Buschmann" bezeichnete Tote erhält mit seiner Geschichte ein Stück Würde zurück. Nur beim Begriff El Negro bleibt Westermann, es ist ja, mittlerweile, fast ein Name.

Was ist bekannt über El Negro? Fest steht, dass der etwa 27-jährige Mann 1831 in Südafrika eines natürlichen Todes starb und dass dabei wohl Jules Verreaux zugegen war, Erbe von Europas größtem Handelshaus für Exotika und Ausgestopftes. Jedenfalls grub Verreaux nächtens die bewachte Leiche aus, es "hätte mich fast das Leben gekostet", schrieb er nach Paris, im Begleitbrief des bereits präparierten Schwarzen. Dort wird dessen Spur undeutlich, bis der spanische Naturkundler Francisco Darder zur Weltausstellung in Barcelona 1888 "das einzigartige Präparat eines Kaffers" zeigt. Aus Darders Sammlung geht 1911 das Museum von Banyoles hervor.

Reportagenhaft schildert Westermann die Stationen seiner Suche – Paris, Barcelona, Südafrika – und wirft dabei Schlaglichter auf den Kolonialismus und pseudowissenschaftlichen Rassismus im 19. Jahrhundert. El Negro ist freilich mehr als deren Relikt: Er wurde zum Symbol der Narben Afrikas, worauf man ihn zu guter Letzt in Botswana beisetzte.

So weit die Geschichte des Buches. Eine andere verfolgt über Jamaika und Sierra Leone den Weg des ehemaligen Entwicklungshelfers Westermann zur Erkenntnis, dass auch seine Hilfe auf weißem Überlegenheitsgefühl basiert – heute ist er Journalist. Von El Negro erzählt Westermann ohne süßliche Betroffenheit. Das Buch ist eine Art Wiedergutmachungsgeste – und entsentimentalisierend dennoch. Wenn Westermann seine Verspottung als "whity" auf Jamaika beschreibt oder das "weiß machen" von Schwarzen mit Milchpulver in Sierra Leone, dann kehrt das Schicksal El Negros wie im Negativ eines Fotos wieder. Es sind die stärksten Momente des Buchs: Sie machen klar, wie jene Politik und Geschichte, mit der die eigene Haut gefärbt ist, zugleich subjektiv und wertungsfrei erzählt werden kann.

Seit fünf Jahren ruht El Negro im Tsholofelo-Park, Botswana. Ein zugescharrtes Loch, durch ein Schild markiert, keine Grabplatte, geschweige denn das geplante Denkmal.