geheimdienst Otto Schily wehrt sich
Von CIA-Flügen habe er nichts gewusst, sagt der Ex-Innenminister
Der Entlastungsangriff aus Washington kam einen Tag vor der Ankunft von Condoleezza Rice in Berlin. Irgendjemand aus der Regierung Bush muss der die Geschichte gesteckt haben, der damalige US-Botschafter Daniel Coats habe im Mai 2004 Bundesinnenminister Otto Schily aufgesucht und ihn über die heimliche Verschleppung Khaled El-Masris durch die CIA und – da sich der Terrorismus-Verdacht gegen den Deutsch-Libanesen nicht erhärtet habe – dessen bevorstehende Freilassung informiert.
Otto Schily, seit dem 22. November einfacher SPD-Abgeordneter, will zu einem Gespräch mit Botschafter Coats nichts sagen. Nur so viel: Er habe als Bundesinnenminister keinerlei Kenntnis über geheime CIA-Flüge oder über angebliche Gefängnisse und Verhörzentren des amerikanischen Geheimdienstes gehabt.
Er habe, sagt Schily, keine Informationen bekommen, »die mich in die Lage versetzt hätten, dafür zu sorgen, dass einem deutschen Staatsbürger kein Leid geschieht – zu einem Zeitpunkt, wo ich hätte eingreifen können«. Er habe aber, als der Fall El-Masri ruchbar wurde, die amerikanische Seite aufgefordert, den deutschen Ermittlungsbehörden gegenüber klar Auskunft zu geben. Das sei »leider nicht in angemessener Form geschehen«.
Schily wehrt sich vehement gegen in der Öffentlichkeit erhobene Vorwürfe, er selbst, und mit ihm die Bundesregierung, sei im Fall El-Masri zum Mitwisser geworden und habe, obwohl die Münchner Staatsanwaltschaft in dieser Sache ermittelte, Stillschweigen gewahrt. Äußerungen wie die des stellvertretenden CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Bosbach, in den öffentlich diskutierten Behauptungen stecke »der erhebliche Vorwurf, dass der deutsche Innenminister, der zugleich Verfassungsminister ist, die Entführung eines deutschen Staatsbürgers stillschweigend hingenommen hätte«, findet Otto Schily empörend. »Ich bin nicht der Ermittlungsgehilfe der Staatsanwaltschaft.«
Nein, von CIA-Flügen und Gefängnissen habe er nichts gewusst. Auch auf den Sitzungen der EU-Innenminister sei das nie ein Thema gewesen. »Dass das völlig inakzeptabel ist, dass hier in Europa Leute hops genommen werden, darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten.«
Im Übrigen, und daraus habe er auch gegenüber den Amerikanern nie einen Hehl gemacht, sei er immer ein Kritiker von Guantánamo gewesen. »Die Amerikaner kennen mich. Sie kennen aber auch meinen klaren Standpunkt: Es darf im Kampf gegen den internationalen Terrorismus keine rechtsfreien Räume und erst recht keine Folter geben.«
Mehr zum Thema:
Innerhalb der Sendung "Die Woche bei n-tv" wird diese Woche Jan Ross aus der Hauptstadtredaktion der ZEIT im Studio sein
Thema: "CIA- Was wusste die Bundesregierung?"
(Samstag um 9.35 Uhr und Sonntag um 7.35 Uhr und 12.35 Uhr auf n-tv)
- Datum 08.12.2005 - 13:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 08.12.2005 Nr.50
- Kommentare 9
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Standardsatz aller Politverbrecher, wenn sie dann doch irgendwann vor einem Ausschuß oder Gericht landen.
Wie lange wird es dauern, bis wir diesen Satz auch von Schily hören? Tippe auf nicht allzu lange.
Leider ist es nicht geschehen, dass Otto Schily, gelernter Jurist und laut Parteibuch bekennender Sozialdemokrat, ein seinem langjährigen Status als Verfassungsminister und dem Amtseid entsprechendes Verhalten an den Tag gelegt hat.
Er sei kein "Erfüllungsgehilfe der Staatsanwaltschaft", lässt er sich zitieren. Es ist für mich sehr traurig zu sehen, wie ein alter Mann, dessen Lebensleistung man Respekt zollen muss, im Laufe seiner letzten politischen Jahre offenbar einiges an Maßstäben ( und somit Format ) verloren hat.
Noch trauriger für den deutschen Staatsbürger, der mehr als eineinhaöb Jahre nach seiner völkerrechtswidrigen Verschleppung noch immer auf Aufklärung wartet, geschweige denn auf eine Entschuldigung...
Besonders bedrückend ist seine Aussage ( zitiert laut zeit.de ): "Ich bin nicht Erfüllungsgehilfe der Staatsanwaltschaft".
Ein Innenminister erlangt Kenntnis über die Hintergründe der Entführung eines Landsmannes und Staatsbürgers, und zugleich lässt er die zuständige Staatsanwaltschaft monatelang im Nebel stochern.
Peinlich... und, vor allem: sehr sehr traurig !
RAF "Verteidiger", Friedens-"aktivist", Grünenaktivist, Spd-mitglied, SPD-abgeordnente,Innenminister,basiert das alles nur auf Opportunismus? ich möchte sehr ehrlich eine Antwort auf diese Frage, bevor ich diese Welt verlasse ,wie mein Freund Dr. Amusegar am vergangenen Freitag.
Seit mehr als 35 Jahren ist Schily im Umkreis des Terrorismus und seiner prominentesten Vertretern tätig.
Es gibt mehrere Formen des Terrorismus: religiös, politisch-wirtschaftlich-ökologisch, nationalistisch, staatlich.
Die ganze Karriere de Herrn Schily ist darauf aufgebaut, ständig irgendeine dieser Erscheinungsformen zu unterstützen oder zu verteidigen. Prinzipien und Skrupeln hatte Bürger Schily kaum, sonst ist es schwer zu erklären, wieso er im Laufe seines Lebens ziemlich allen Schattierungen des Terrorismus als [..…] gedient hat.
Jetzt lügt Otto Schily, vorsichtig bemüht, derartige Formulierungen zu benutzen, die ihn nicht so leicht hinter Kittchen befördern können, aber er lügt in allen Punkten, die im Artikel angesprochen wurden. Darüber hinaus
zeigt seine Rechtseinstellung ein weiteres Mal, dass Otto Schily ein Demokratieverständnis hat, dwelches ihn von Extremisten aller Couleur nur in Nuancen unterscheiden. [...]Otto Schily ist seit 25 Jahren der vollkommenste Vertreter der politischen Verkommenheit in Deutschland, und damit einer der gefährlichsten Feinde der Demokratie in diesem Land.
Ich habe mich bemüht, höflich zu bleiben. Das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass ich meine, Bürger Schily gehört wenn nicht hinter Gittern, dann mindestens in die politische Verbannung.
Otto(!) - find ich mies!
Es ist schon erstaunlich lesen zu müssen, welche Probleme einige der Kommentatoren mit den Strafverteidigern Schilly und Clark haben.
Wo bin ich denn? Was lese ich denn für eine Zeitung? Alles Nazi-Pack?
Auch einen Terroristen oder einen Diktator vor Gericht zu verteidigen, ist eine höchstanständige und zwingend notwendige Aufgabe. Daraus einen schäbigen Vorwurf abzuleiten, demaskiert.
Also, wenn ich mich erinnere, wie selbstverständlich Schily noch vor kurzem den überzogenen (weil in der Durchführung weit über den bezogenen Fall hinausgehenden) Zugriff durch die Staatsanwaltschaft auf einen Cicero-Redakteur genehmigte, und dies dann hinterher - wie üblich - hochtrabend und herablassend rechtfertigte, dann frage ich mich schon, ob er sich die edle Unabhängigkeit immer auf die Fahnen schrieb.
Auch seine krakenhafte Gier nach dem vollständig durchsichtigen Bürger (Biometrie, Kontenabfrage, Speicherung von Telekommunikationsdaten...) dürfte ihn zum Schutzheiligen der Staatsanwälte gemacht haben.
Die gebetsmühlenhafte Wiederholung "mit diesem Einzelfall war ich nicht intensiv befasst" - und zwar immer dann, wenn es später unangenehm wird - kann nicht gelten. Ein von einem befreundeten Staat verschleppter und gefolterter deutscher Staatsbürger, ein riesiges Sicherheitsleck im BND - wofür bräuchten wir einen Innenminister, wenn er sich mit solchen Angelegenheiten nicht intensiv befasst? Für Talkshows?
Einerseits glaube ich in der Tat auch nicht, dass sich an Schilys Arroganz und Ignoranz noch etwas ändern wird.
Aber ihn deswegen "in Ruhe lassen", wie vorgeschlagen wurde? Das wäre doch DIE Einladung für alle seine Nachfolger, sich sofort nach Ablegen des Amtseids in eine ganz eigene Art von "Parallelwelt" zu abzusetzen.
Welch erstaunliche Parallelen sich doch zuweilen ergeben - Otto Schily, der als Strafverteidiger einer Terroristin begann (Triumph des Rechtsstaats, dass auch diese gerecht behandelt werden) und schliesslich Minister wurde, wird einerseits zum deutschen Ramsey Clark, der Justizminister war und nun Saddam Hussein verteidigt. Andererseits wird sein Abgang zur Kopie des Helmut Kohl'schen, mit "Ehrenwort" und gedeckten (amerikanischen) Hintermaennern.
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