Karrierefrauen geht es bezüglich der Treue ihrer Ehegatten nicht besser oder schlechter als ihren Geschlechtsgenossinnen aller Bildungsgruppen. Frauen haben alle Jahrhunderte die Menschheit vorangebracht. Sie haben Kinder geboren, ernährt und sterben sehen, während die Männer in einen der vielen Kriege für ihre oder für fremde Herrscher zogen. Frauen haben die Wunden der Heimkehrer versorgt, bis sie wieder von dannen gezogen sind - ein weiteres Kind geboren, den Acker bestellt ...

Heute können Männer keine Heldengeschichten mehr auftischen, sie lassen sich dank der Medien allzu leicht widerlegen. Der stattfindende Wirtschaftskrieg ist auch den Frauen nicht unbekannt. Ein sehr großer Prozentsatz der Männer möchte sich nicht von der Wunschvorstellung verabschieden, ein Held zu sein, anerkannt und bewundert zu werden. Junge Mädchen und junge Frauen, noch relativ unerfahren im Berufs- und Privatleben, lauschen geduldig diesen Geschichten, aus denen sie lernen und ihre Schlüsse ziehen.. Spätestens mit 40 Jahren aber ist jede von ihnen einem solchen Mann überlegen, und die Beziehung scheitert.

Es gibt Männer, die vorausschauend erkennen, dass sie auch im Alter eine verlässliche Frau benötigen, die Verständnis für das Altwerden mit all seinen Begleiterscheinungen hat, weil sie während der vielen vergangenen, angenehmeren, jungen Jahre Freud und Leid geteilt haben. Leider sind diese Männer nicht sehr zahlreich.

MARITA BERGMANN, PINNEBERG

Die Erfahrungen der Verlassenen taugen nicht dazu, die Ehemänner erfolgreicher Frauen, die eines Tages die Flucht ergreifen, über einen Kamm zu scheren. Dass es den geschilderten Typus Abschnittspartner gibt, wird keiner bestreiten wollen.

Man weiß, es gibt sie gar nicht so selten, die strebsame Ehefrau mit großen Erfolgen im Berufsleben, die dennoch für Ehemann, Familie und Freunde ein liebenswerter, sozialer Mensch bleibt. Aber wer hat ihn noch nicht beobachtet, den in beiden Geschlechtern auftretenden, langsam wachsenden, die Persönlichkeit verändernden, zerfressenden, kalten, nackten Ehrgeiz, der eines Tages den Partner geradezu zur Flucht nötigt?

PROF. GERD SCHMUTZLER, HEILIGENHAUS