Schwarz sein Helm, sein Schild, sein Wams und Beinkleid - und seine Augen so düster wie seine Zukunft: Man wird dich einen Mörder heißen und einen Verräter. Hagen von Tronje zieht durch eine Welt, die sich verfinstert: Ragnarök, der Weltuntergang, ist nicht mehr weit. Wolfgang Hohlbein hat seine Version des Nibelungenlieds ganz auf den heimlichen Machthaber, Kriegsherrn und Sicherheitsberater des burgundischen Hofes abgestellt. Er muss den Kopf hinhalten, als Siegfried frech und übermächtig in Worms einzieht, seine usurpatorischen Absichten durch Liebeswerben tarnt. Hagen durchschaut den Drachentöter und stellt sich offen zum Duell: Hinterrücks den Speer wirft nicht er. Hohlbeins

Umdeutung ist spannend und reizt dazu, das Weltepos neu zu entdecken.

Christian Berkel liest mit einer bemerkenswerten Sicherheit für die Tonlage, wo jede Übertreibung mit Lächerlichkeit bestraft würde und jede Untertreibung die Recken in Biedermänner im Blechkleid verwandelte (Patmos, Regie: Felix Partenzi - 4 CDs, 24,95 e). So sparsam wie wirkungsvoll tönen Klänge und Geräusche, 315 Minuten zum Durchhören.